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19.10.2020

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Finale einer Jahrhundertexpedition

Forschungsschiff Polarstern © Alfred-Wegener-Institut / Steffen Graupner
Forschungsschiff Polarstern © Alfred-Wegener-Institut / Steffen Graupner

Das deutsche Forschungsschiff ‚Polarstern‘ ist zurück. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle würdigt die Leistung der beteiligten Forscher*innen des Potsdamer Alfred-Wegener-Instituts (AWI). Zusammen mit Prof. Dr. Markus Rex, Leiter des MOSAiC-Projekts, Expeditionsleiter und Kopf der Atmosphärenforschung am AWI, informiert sie über die abenteuerlichste, komplexeste und logistisch aufwendigste Expedition in der Geschichte der Arktisforschung, und mit Prof. Dr. Bernhard Diekmann, Leiter der Potsdamer AWI-Forschungsstelle, über das neue InnoLab für Arktisforschung am AWI.

Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle:

„Über ein Jahr lang befanden sich Brandenburgs kälteste Arbeitsplätze auf dem deutschen Eisbrecher ‚Polarstern‘. Der Potsdamer Atmosphärenforscher Prof. Dr. Markus Rex leitete die spektakuläre Forschungsreise in die zerbrechliche Schönheit des Polarmeeres. Die international viel beachtete Mission wurde vom Telegrafenberg aus koordiniert. Seit Jahrzehnten betreibt das AWI dort auf höchstem Niveau und überaus erfolgreich Arktisforschung. Jetzt helfen die Erkenntnisse der ‚Polarstern‘, den Klimawandel besser zu verstehen. Damit steht fest: Unsere Investitionen in die Expedition und in das AWI haben sich definitiv gelohnt. Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und investieren 1,5 Millionen Euro in ein neues Potsdamer InnoLab für Arktisforschung am AWI. Dort bündeln wir die Polar-Kompetenzen des Instituts. Zusammen mit den klugen Köpfen des Deutschen GeoForschungsZentrums, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam vereint sich auf dem Telegrafenberg die wissenschaftliche Klimaexpertise. Damit zeigt sich erneut: In Brandenburg wird Zukunft gemacht!

Prof. Dr. Markus Rex:

„Ich bin sehr glücklich über den guten Verlauf und den vollen Erfolg der MOSAiC-Expedition. Wir liefern mit ihr die so dringend benötigen Klimadaten und Beobachtungen, die die Menschheit für drängende tiefgreifende politische Entscheidungen zum Klimaschutz benötigt. Wir haben gesehen, wie das Eis der Arktis stirbt. Im Sommer war es von der Wärme selbst direkt am Nordpol völlig aufgeschmolzen und erodiert. Wenn wir die Klimaerwärmung nicht sofort und massiv bekämpfen, wird das arktische Eis im Sommer bald verschwunden sein, mit unabsehbaren Folgen für Wetter und Klima, auch bei uns. Im Winter ist die zentrale Arktis zwar auch heute noch eine faszinierende, tief gefrorene Landschaft, aber das Eis ist nur noch halb so dick wie vor 40 Jahren, und unsere Temperaturen lagen im Winter fast durchgehend zehn Grad höher, als sie Fridtjof Nansen in seiner bahnbrechenden Arktisexpedition vor gut 125 Jahren erlebt hat. Das arktische Meereis spielt nicht nur eine wichtige Rolle im globalen Klimasystem, es ist auch ein einzigartiges Ökosystem und Basis für das Leben vieler indigener Gesellschaften. Und es ist ein Ort faszinierender und einmaliger Schönheit. Wir sollten alles daransetzen, es für zukünftige Generationen zu erhalten.“

Prof. Dr. Bernhard Diekmann:

„Polarforschung bedeutet für uns, die abgelegenen Land- und Meeresregionen der Arktis vor Ort zu ergründen, wo der Klimawandel - unbemerkt von Vielen - extrem rasant fortschreitet. Wir stehen in der Pflicht über die ökologischen Umwälzungen in borealen Nadelwäldern, dem Schwund von Permafrost sowie den Umweltänderungen im Arktischen Ozean aufzuklären. Die Konsequenzen gehen uns alle an!“

Während der Mission MOSAiC «Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate», der einzigartigen und größten Arktis-Mission unserer Zeit, erforschten Wissenschaftler*innen aus 20 Nationen und mehr als 80 Instituten unter Leitung des AWI die Arktis im Jahresverlauf. Von Herbst 2019 bis Oktober 2020 driftete der deutsche Forschungseisbrecher POLARSTERN eingefroren durch das Nordpolarmeer. Dabei waren ca. 500 Menschen aus aller Welt etappenweise an Bord. Die gesammelten Daten werden weitreichende Einblicke in die Dynamik der arktischen Region und Wechselwirkungen mit dem Klima geben. Der Bund stellt für dieses Projekt rund 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Das in Bremerhaven angesiedelte Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), mit seinen Standorten in Potsdam, auf Helgoland und auf Sylt, betreibt in Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen Partnern Meeres- und Polarforschung. Die AWI-Forschungsstelle Potsdam hat 1992 ihre Arbeit aufgenommen. Im Fokus steht die Untersuchung der polaren Landregionen. Verstärkt widmen sich die Wissenschaftler*innen in Potsdam der Arktisforschung. Luft, Erde und Gestein liefern den Potsdamer Atmosphärenforschern und Geowissenschaftlern die notwendigen Informationen über natürliche Klimaveränderungen. Das Land Brandenburg unterstützt das Institut mit institutionell 2 Millionen und die MOSAiC-Expedition mit 1 Million Euro.

Die Forschungsstelle ist Teil des Wissenschaftsparks "Albert Einstein" auf dem traditionsreichen Telegrafenberg in Potsdam. Neben dem AWI sind hier auch die außeruniversitären Forschungseinrichtungen Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und das Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP) vertreten, die sich der Klimaforschung widmen, und eng zusammenarbeiten.

Noch in diesem Jahr wird das vom AWI geplante „Potsdamer InnoLab für Arktisforschung“ mit einer einmaligen Landessonderfinanzierung über 1,5 Millionen Euro unterstützt. Im Mittelpunkt dieses Labs stehen drei Schwerpunktfelder: Atmosphärische Observatorien, Fernerkundung der Permafrostregionen und Analytik des festländischen Umwelt- und Landschaftswandels. Das „Potsdamer InnoLab für Arktisforschung“ umfasst moderne Gerätschaften zur Unterstützung der Arktisforschung. Es kommt überdies der praxisorientierten Lehre und Ausbildung des nichtwissenschaftlichen Personals zugute.

Fotos (Creative Commons Lizenz) der MOSAiC-Expedition finden Sie unter: https://multimedia.awi.de/mosaic

Ident-Nr
302
Datum
19.10.2020
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19.10.2020
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