18.11.2019

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Hilfe für Grabdenkmale in der Dorfkirche Groß Jehser


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Pressekonferenz Vergessene Kunstwerke 18.11.2019

Kulturministerin Martina Münch hat heute in Potsdam gemeinsam mit Landeskonservator Thomas Drachenberg, Matthias Hoffmann-Tauschwitz, ehemaliger Leiter des Bauamtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, und Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V., die Spendenaktion  präsentiert. Die Spenden sollen zur Sicherung von Epitaphien und weiteren Zeugnissen des Totengedenkens in der Dorfkirche in Groß Jehser/Jazory (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) eingesetzt werden.

Ministerin Martina Münch würdigt die alljährliche Spendenaktion als wichtige bürgerschaftliche Initiative für den Erhalt sakraler Kunstwerke.

„Die zahlreichen Kirchen, Kapellen, Klöster und Pfarrhäuser sind Teil unserer Kulturgeschichte und stiften für viele Menschen – auch unabhängig vom eigenen religiösen Bekenntnis – Identität. Sie sind Orte der Geschichte und dank des jahrzehntelangen engagierten Einsatzes des Förderkreises Alte Kirchen sowie vieler Kirchengemeinden, bürgerschaftlicher Initiativen und Freiwilliger inzwischen Orte der Kunst und Kultur, des Dialogs und der Begegnung“, so Münch. „Das Land unterstützt die Sanierung der märkischen Kirchen in diesem Jahr mit mehr als 5 Millionen Euro. Zudem wurde die Denkmalhilfe auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt, um gezielt bedrohte Denkmale und Ausstattungen von Kirchen, Schlössern und Gutshäusern zu sichern. Die diesjährige Spendenaktion soll dazu beitragen, wertvolle Beispiele barocker Gedächtnis- und Bestattungskultur in der Dorfkirche in Groß Jehser zu erhalten und dem Vergessen zu entreißen.“

Landeskonservator Thomas Drachenberg:

„Es ist wunderbar, dass wir nun schon zum 11. Mal mit unseren Partnern diese traditionelle Aktion für ein kleines Projekt im Lande erfolgreich starten. Gerade die Dorfkirchen sind mit ihren Kunstwerken Platzhalter der Hoffnung – und die Denkmalpflege ist ein wichtiges Werkzeug, um diese Hoffnung für die Gegenwart und Zukunft zu erhalten.“

Matthias Hoffmann-Tauschwitz, ehemaliger Leiter des Bauamtes der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

Unsere Kirchen und ihre Kunstschätze sind ‘stumme Predigten‘. Die wunderbare Ausstattung gehört ebenso wie die Bauwerke zum Kernbestand der Zeugnisse christlichen Glaubens unserer Region, wie sie auch Werkzeuge lebendiger Verkündigung sind oder sein können. Wo sie am Rand des aktuellen kirchlichen Lebens stehen, ist es mehr als verdienstvoll, sie in die Mitte zurückzuholen. Wie hier in Groß Jehser, wären unsere Kirchen, ihre Ausstattung und ihre ‘stummen Predigten‘ nicht das, was sie sind, wenn es die ehemals wirkenden Patronatsfamilien nicht gegeben hätte. Das zeigt sich nicht nur in ihren Grabdenkmalen. Viele waren feinsinnige Mäzene im besten Sinne, alle waren verantwortungsbewusste Gestalter des Gemeinwesens. Ich bin dankbar, dass wir mit unseren Kirchen und Kunstschätzen nicht nur ‘stumme Predigten‘, sondern auch in dieser Hinsicht anschauliche Erinnerungen haben.“

Der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen, Bernd Janowski, hebt hervor, dass sich in den brandenburgischen Stadt- und Dorfkirchen zahlreiche sakrale Kunstwerke aus allen Kunstepochen seit dem Mittelalter erhalten haben, die wichtige Zeugnisse der Kunstgeschichte sowie der Entwicklung der Volksfrömmigkeit sind.

„In den mehr als 1.500 brandenburgischen Dorfkirchen blieben zahlreiche Kunstwerke vom Mittelalter bis in die Neuzeit erhalten. Viele dieser wertvollen Zeugnisse der Kunst- und Glaubensgeschichte bedürfen jedoch dringend der Sicherung und Restaurierung. Unser Ziel ist es – neben der Einwerbung von konkreten Spenden – das Bewusstsein für unser reichhaltiges Kulturerbe zu schärfen. Im Rahmen der Spendenaktion ‘Vergessene Kunstwerke‘ konnten in den vergangenen zehn Jahren mehr als 165.000 Euro eingeworben werden. Allein für die Restaurierung von 25 Tauf­engeln aus brandenburgischen Dorfkirchen wurden rund 78.000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 1990 für die Erhaltung, Bewahrung und angemessene Nutzung der historischen Kirchengebäude im Land Brandenburg ein. Im kommenden Jahr kann der Förderkreis bereits das 30. Jubiläum seiner Gründung feiern.“ 

Spendenkonto für die diesjährige Aktion ‘Vergessene Kunstwerke‘:
Empfänger: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90
BIC: GENODEF1EK1 (Evangelische Bank)
Stichwort: Groß Jehser

Die evangelische Dorfkirche Groß Jehser wurde im 15. Jahrhundert als Feldsteinkirche errichtet und später barock umgeformt. Um 1700 wurde ein Logen-Anbau für die Patronatsfamilien errichtet, im Jahr 1747 kam ein Turmaufsatz aus Holz hinzu. Die letzte umfangreiche Instandsetzung erfolgte im Jahr 1908. Zur Kirchenausstattung gehören unter anderem ein Altar und eine Kanzel aus dem frühen 18. Jahrhundert sowie ein barocker Orgelprospekt aus dem Jahr 1784. Bemerkenswert sind die zahlreichen erhaltenen Epitaphien (Grabdenkmale) von Patronatsfamilien aus dem 17. Jahrhundert. Sowohl der Altar und die Kanzel als auch die Epitaphien leiden unter Holzfraß, dem Abbruch von Schnitzwerk und der Ablösung von Farbschichten. Mit Hilfe der diesjährigen Spendenaktion sollen die am stärksten beschädigten Objekte gesichert und restauriert werden.

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. rufen zum 11. Mal zur gemeinsamen Spendenaktion ‘Vergessene Kunstwerke‘ auf. Bei der im vergangenen Jahr gestarteten Spendenaktion wurden insgesamt rund 17.750 Euro für die Sicherung der Rokoko-Kanzel und des Bilderzyklus an den Emporen aus dem Jahr 1716 in der Dorfkirche in Barenthin (Landkreis Prignitz) gesammelt. Insgesamt kamen in den vergangenen Jahren mehr als 165.000 Euro im Rahmen der Spendenaktionen für sakrale Kunstwerke zusammen.

Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg wurde 1990 als gemeinnütziger Verein gegründet. Er setzt sich für die Erhaltung und Wiederherstellung von Kirchen in den ländlichen Regionen Brandenburgs ein und arbeitet mit der Denkmalpflege sowie mit Kirchengemeinden, Kommunen und lokalen Fördervereinen zusammen. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf eigener Publikationen. Seit seiner Gründung konnte er rund 2 Millionen Euro für Instandsetzungs- und Restaurierungsprojekte ausreichen. Seit dem Jahr 2000 ist er Träger des Projektes ‘Offene Kirchen‘ in Brandenburg und gibt die gleichnamige Jahreszeitschrift heraus. Seit 2006 veranstaltet er gemeinsam mit dem Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg das Projekt ‘Musikschulen öffnen Kirchen‘.

Die Bilder zur diesjährigen Spendenaktion für die Dorfkirche in Groß Jehser können für Veröffentlichungszwecke in der Presse und unter Angabe der Quelle (Werner Ziems, BLDAM) bis zum 22. November 2019 unter folgendem Link heruntergeladen werden: https://we.tl/t-EmDexooED3

Weitere Informationen:
www.ekbo.de
www.altekirchen.de
www.bldam-brandenburg.de

Ident-Nr
402
Datum
18.11.2019
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