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18.02.2021

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Land baut Synagoge – gemeinsam mit der ZWST

Davidstern ©dpa Sven Hoppe
Davidstern ©dpa Sven Hoppe

Kulturministerin Manja Schüle hat heute gemeinsam mit Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sowie dem Berliner Architekt Jost Haberland über die weitere Entwicklung des Synagogen- und Gemeindezentrums Potsdam informiert. Die Landesregierung wird in Zusammenarbeit mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden auf dem Gelände in der Schloßstraße 1 in Potsdam ein Synagogen- und Gemeindezentrum errichten. Dazu werden das Land und die ZWST in Kürze eine Vereinbarung unterzeichnen. Das Land finanziert den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro. In diesem Jahr wird Baubeginn sein, die Eröffnung soll 2024 stattfinden.

Ministerpräsident Dietmar Woidke:

„Ich freue mich sehr, dass es jetzt vorangeht mit dem Bau der Synagoge in Potsdam. Ich danke allen Beteiligten, die sich dafür beharrlich eingesetzt haben. Mein Dank gilt insbesondere dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und dem Präsidenten der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden, Abraham Lehrer, dass sie in dieser emotional geführten Debatte eine so konstruktive Vermittlerrolle übernehmen – und auch Kulturministerin Manja Schüle. Der Bau der Synagoge ist ein wichtiges Signal – insbesondere in diesem Jahr, in dem wir 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland feiern. In den vergangenen 30 Jahren ist ein vielfältiges und aktives jüdisches Leben in unserem Land neu entstanden. Dass sich viele Jüdinnen und Juden ausgerechnet Deutschland und Brandenburg als neue Heimat ausgewählt haben, ist Ausdruck ihres Vertrauens in unser Land. Das ist alles andere als selbstverständlich und dafür bin ich zutiefst dankbar. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie ein eigenes Zentrum in unserer Landeshauptstadt bekommen. Schon jetzt freue ich mich mit vielen Brandenburgerinnen und Brandenburgern auf die religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Impulse, die künftig von dieser Synagoge in unserer Mitte ausgehen werden.“

Kulturministerin Manja Schüle:

„Ich freue mich, dass wir mit dem Zentralrat der Juden und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden starke und erfahrene Partner zum Bau und Betrieb des Synagogen- und Gemeindezentrums gefunden haben. Sie stellen sicher, dass im Planungs- und Bauprozess die Interessen der Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigt werden – etwa bei der sakralen Gestaltung des Innenraums. Und sie sorgen dafür, dass das Zentrum nach Fertigstellung allen Jüdinnen und Juden offensteht. Mehr als 75 Jahre nach der Shoa und rund 30 Jahre nach der Wiedergründung der ersten jüdischen Gemeinden im Land Brandenburg, haben die Jüdinnen und Juden einen Anspruch auf eine sichere Heimstatt, auf ein religiöses und kulturelles Zentrum. Insbesondere viele ältere Gemeindemitglieder sehnen sich nach langem Warten danach, die Fertigstellung ihrer Synagoge erleben zu können, darin zu beten und gemeinsam Gottesdienste und Feste zu feiern. Ich danke den vielen Menschen, die in den vergangenen Jahren mit großem Engagement für und über die Synagoge gestritten haben. Und natürlich bin ich dankbar für die Bereitschaft der ZWST und des Zentralrats, das Projekt jetzt umzusetzen. Die Errichtung der Synagoge ist ein Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam wieder dort präsent sein wird, wo es hingehört: im Herzen der Stadt, in unserer Mitte.“

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland:

„Der Bau einer Synagoge und eines Gemeindezentrums ist ein lang gehegter Wunsch der jüdischen Community in Potsdam. Wir sind der Landesregierung sehr dankbar für ihre Unterstützung, um diesen Wunsch jetzt Wirklichkeit werden zu lassen. Die Synagoge bildet das Herzstück einer jüdischen Gemeinde und ist zugleich ein starkes Symbol für das wieder erblühte jüdische Leben in Brandenburg. Der Zentralrat der Juden in Deutschland wird sich mit allen Kräften dafür einsetzen, dass alle Juden der Region in dem neuen Gemeindezentrum ein Zuhause finden.“

Abraham Lehrer, Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland:

„Die ZWST als sozialer Dachverband der jüdischen Gemeinden in Deutschland freut sich, dass der lang ersehnte Wunsch der jüdischen Gemeinschaft in Potsdam nach einem Zentrum mit Synagoge nun endlich wahr wird. Zusammen mit der brandenburgischen Landesregierung wollen wir ein jüdisches Zentrum für Potsdam und Brandenburg schaffen, das die sozialen, kulturellen und religiösen Angebote unter einem Dach zusammenfasst. Durch das Bündeln der Aktivitäten innerhalb eines Zentrums wollen wir neue Perspektiven und Möglichkeiten bieten und Hemmnisse abbauen. Das jüdische Zentrum Brandenburg soll allen Jüdinnen und Juden in Brandenburg offenstehen und als selbstverständlicher Bestandteil der Zivilgesellschaft überregionale Strahlkraft entfalten. Wir bieten allen jüdischen Gemeinden in Potsdam an, sich aktiv und konstruktiv an der Nutzung des jüdischen Zentrums zu beteiligen.“

Architekt Jost Haberland:

„Die Synagoge soll – bei allen zu erfüllenden Sicherheitsstandards – ein offenes Haus sein. So ist im Erdgeschoss ein Café geplant, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das religiöse Zentrum befindet sich im 1. Obergeschoß: Hier liegt der Synagogenraum mit einer Raumhöhe von rund neun Metern. In den weiteren Etagen sind Gemeinde- und Büroräume untergebracht. Auf den Dachflächen entsteht eine Terrasse, die für Gemeindefeste unter freiem Himmel genutzt werden kann. In der Fassade markiert ein zweigeschossiger Rundbogen den Haupteingang. Der aus der Fassade herausragende Synagogenraum wird durch sieben Rundbogenfenster betont, von denen sich wie von einem Balkon eine Aussicht in die Stadt bietet. An der Außenfassade schaffen sandfarbenen Ziegel die gestalterische Verbindung zu den Putzbauten der Altstadt – gleichzeitig erscheint die Synagoge eigenständig und als etwas Besonderes und Einzigartiges im Kontext der Stadtarchitektur. Das Synagogenprojekt hat sich seit dem Wettbewerbsprojekt aus dem Jahr 2009 in vielfältiger Weise gewandelt und wurde in vielen auch öffentlichen Diskussionen und Workshops an die Bedürfnisse der Jüdinnen und Juden angepasst. Auf Grundlage des im Frühjahr 2020 vorgestellten Vorentwurfs, wurden Anfang dieses Jahres die Genehmigungsunterlagen eingereicht. Die Baugenehmigung wird Ende März erwartet. Die im Vergleich zum Wettbewerbsprojekt gestiegenen Kosten begründen sich vor allem in erhöhten Sicherheitsanforderungen und dem allgemeinen Anstieg der Baukosten.“

Grundlage des Synagogen- und Gemeindezentrums ist der Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland (Bilder stehen unter dem Link https://we.tl/t-1I7aUTFXoV bereit und können unter Angabe der Quelle für Veröffentlichungszwecke in der Presse heruntergeladen und genutzt werden). Die ZWST übernimmt als jüdischer Kooperationspartner die Begleitung des Planungs- und Bauprozesses. Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) übernimmt die Bauausführung als Landesbaumaßnahme. Das Gebäude wird in eine vom Land zu diesem Zweck zu errichtende rechtlich unselbständige Stiftung eingebracht. In den ersten drei Jahren nach Fertigstellung des Gebäudes wird die ZWST als Treuhänderin die Trägerschaft des Zentrums übernehmen, danach übernimmt der Landesverband der jüdischen Gemeinden Land Brandenburg das Synagogen- und Gemeindezentrum als Träger. Der Träger entscheidet über die Aufnahme jüdischer Gemeinden in das Gebäude, die Vergabe der Räumlichkeiten, die Strukturierung des Angebotes und stellt sicher, dass alle Menschen jüdischen Glaubens die Synagoge nutzen können.

Die ZWST wurde 1917 als ‘Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden‘ gegründet, um als Dachverband die vielfältigen sozialen Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen der jüdischen Gemeinschaft zu koordinieren. Sie wurde 1951 in Frankfurt am Main unter ihrem heutigen Namen wiedergegründet. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Aus- und Fortbildung im sozialen Bereich sowie die Integration jüdischer Zuwanderer*innen. Die ZWST ist heute die Dachorganisation der Wohlfahrtspflege für rund 100 jüdische Gemeinden. Sie ist einer der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland.

Ident-Nr
23
Datum
18.02.2021
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