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16.04.2021

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Gedenken an die Opfer des Todesmarsches

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Eingangsbereich © Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Foto: Lars Wendt
Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen: Eingangsbereich © Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Foto: Lars Wendt

Wissenschafts- und Kulturministerin Manja Schüle hat heute gemeinsam mit Stiftungsdirektor Axel Drecoll, Gedenkstättenleiterin Carmen Lange und der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes an der Gedenkveranstaltung zum 76. Jahrestag der Befreiung der Todesmarsch-Häftlinge des KZ Sachsenhausen teilgenommen.

Ministerin Manja Schüle würdigte in ihrer Ansprache den Belower Wald als wichtigen Erinnerungsort im Land:

„Im Belower Wald lagerten kurz vor Kriegsende Tausende von KZ-Häftlingen unter unwürdigsten Bedingungen. Unzählige von ihnen wurden ermordet oder starben an Erschöpfung, Krankheiten, Hunger. Die an vielen Bäumen heute noch sichtbar fehlende Rinde und die eingeritzten Inschriften der verzweifelten Menschen sind Zeugnisse, die tief berühren. Diese Erinnerung zu bewahren, die Berichte der Überlebenden zu sammeln und die Habseligkeiten der Toten zu sichern, sind Versuche, den zu bloßen Nummern Degradierten und Entrechteten ihre Würde zurückzugeben“, so Manja Schüle. „Im Belower Wald wird man unmittelbar an individuelle Schicksale und unzähliges Leid erinnert. Für viele Menschen ist das ferne Vergangenheit. Doch insbesondere der Antisemitismus ist kein abgeschlossenes Kapitel aus dem Geschichtsunterricht. Es gibt nach wie vor antijüdische Hetze. Deswegen müssen wir unsere Bemühungen um Aufklärung verstärken. Hierfür brauchen wir auch neue Angebote und Erzählformate – etwa interaktive Ausstellungen und digitalisierte Zeitzeugen-Gespräche.“

Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen:

„Vielen der Überlebenden war und ist die Erinnerung an den Todesmarsch, ist auch die Gedenkstätte im Belower Wald besonders wichtig. Die meisten von ihnen leben heute nicht mehr, aber sie haben uns ihre Geschichten hinterlassen, die wir weitertragen wollen und müssen. Gerade in Zeiten, in denen persönliche Begegnungen, gemeinsames Gedenken und Debattieren kaum möglich sind, in Zeiten, in denen alle möglichen Fehlinformationen und krude rassistische Verschwörungstheorien durch das Netz geistern, brauchen wir historische Aufklärung, auch und besonders im digitalen Raum. Dabei sind der Bezug zu den historischen Orten der Verbrechen und vor allem die Aussagen derjenigen, die überlebt haben und Zeugnis ablegen konnten, besonders wichtig.“

Die Gedenkveranstaltung fand aufgrund der Corona-Pandemie in kleinem Kreis und ohne Publikum statt. Sie wurde aufgezeichnet und wird am 28. April 2021 im Rahmen des Online-Programms der Gedenkstättenstiftung zum 76. Jahrestag der Befreiung unter www.rememberliberation.stiftung-bg.de veröffentlicht.

Unmittelbar vor der Befreiung des KZ Sachsenhausen durch sowjetische und polnische Soldaten am 22./23. April 1945 trieb die SS rund 30.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Nordwesten, bei dem mindestens 1.000 von ihnen umkamen. Während des Todesmarsches mussten mehr als 16.000 Häftlinge im Belower Wald bei Wittstock mehrere Tage lang ohne jede Versorgung unter freiem Himmel lagern. In selbst errichteten Unterständen und Erdlöchern suchten sie Schutz vor der Witterung und versuchten, ihren Hunger mit Kräutern, Wurzeln und Rinde zu stillen. Für die meisten von ihnen endete der Marsch Anfang Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin mit der Befreiung.

Die Gedenkstätte im Belower Wald ist ein Erinnerungsort für die Opfer des Todesmarsches des Konzentrationslagers Sachsenhausen und informiert über die Todesmärsche am Ende des Krieges. Im Jahr 1965 wurde am historischen Ort ein Gedenkstein aufgestellt, 1981 das Museum des Todesmarsches eröffnet und 2010 die Gedenkstätte nach einer umfassenden Neugestaltung wiedereröffnet. Sie ist eine Außenstelle der Gedenkstätte Sachsenhausen und Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Das Land Brandenburg fördert die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit rund 3,7 Millionen Euro.

Weitere Informationen:
www.below-sbg.de
www.stiftung-bg.de/veranstaltungen

 

Ident-Nr
63
Datum
16.04.2021
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