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08.09.2022

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CoBra unterstützt die Wärmewende in der Industrie

Pilotanlage Corbra ©DLR
Pilotanlage Corbra ©DLR

Forschungs- und Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle freut sich über die heutige Inbetriebnahme der Pilotanlage Cottbus Brayton Facility (kurz: CoBra) des DLR-Instituts für CO2-arme Industrieprozesse in Cottbus:

„Die Strukturentwicklung in der Lausitz nimmt Fahrt auf: Im vergangenen Jahr haben wir das DLR-Institut für CO2-arme Industrieprozesse eröffnet – heute startet bereits die Versuchsanlage CoBra. Das hohe Tempo ist berechtigt und notwendig: Die Lausitz benötigt Zukunftsperspektiven – und zwar schon heute. Und Deutschland und Europa brauchen Antworten auf die Herausforderung des Klimawandels – und zwar schnell. Ich bin überzeugt: Das schaffen wir nur durch innovative Forschung, ‘made in Brandenburg‘. Genau dafür steht das DLR-Institut mit seiner neuen Pilotanlage CoBra. Die Hochtemperatur-Wärmepumpe ist eine Alternative zu fossilen Brennstoffen und soll zeigen, wie es gelingen kann, die Kohlendioxid-Emissionen zu senken und gleichzeitig Wärme und Kälte für die Industrie bereitzustellen. Ich bin stolz, dass wir den Start der Pilotanlage mit zwei Millionen Euro aus Landesmitteln unterstützen konnten“,

so Ministerin Schüle.

„Das DLR-Institut passt haargenau hierher: Die Lausitz entwickelt sich gerade zu einer europäischen Modellregion für klimaneutrale Wirtschaft – und das DLR-Institut ist ein Kernprojekt dieser Entwicklung. Die Lausitz steht als Industrie- und Energieregion für Veränderung, Transformation und Aufbruch. Und für eine starke Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Hier entstehen Innovationen, hier gelingt Transfer, hier wird Zukunft gemacht.“

Institutsleiter Prof. Dr. Uwe Riedel:

„Wir können bisher weltweit einmalige Werte beim Temperaturhub und der Wärmeabgabe-Temperatur von 300 Grad Celsius bei einer Wärmeleistung von etwa 200 Kilowatt erzielen“,

so Institutsleiter Riedel. In Zukunft soll es noch weit darüber hinausgehen:

„Die DLR-Wärmepumpen werden einen Temperaturbereich erreichen, für den es bisher keine technische Realisierung gibt. Diese Temperaturen sind erforderlich für einen CO2-armen Umbau der entsprechenden Industrieprozesse.“

Prof. Dr. Karsten Lemmer, DLR-Vorstand für Innovation, Transfer und wissenschaftliche Infrastrukturen.

„Bei all den Problemen unserer Zeit ist es schön zu sehen, dass wir als DLR mit Transfer aus der Forschung in die Industrie zu Lösungen beitragen. CoBra hat das Potenzial, massive CO2-Reduktionen zu ermöglichen. Gleichzeitig schaffen wir in der Region Arbeitsplätze und erhalten Arbeitsplätze am Wirtschaftsstandort Deutschland, indem wir die Produktion von energieintensiven Industriezweigen durch Innovation wettbewerbsfähig halten.“

Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Hübner, Vizepräsident für Forschung und Transfer der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg:

„An der BTU Cottbus-Senftenberg gestalten wir in unseren vier Profillinien, darunter ‘Energiewende und Dekarbonisierung‘, gemeinsam mit dem DLR-Institut für CO2-arme Industrieprozesse praxisrelevante Lösungen für eine nachhaltige und klimagerechte Zukunft. Mit der neuen Pilotanlage eröffnen sich uns vielfältige Möglichkeiten für innovative Forschungsprojekte und darüber hinaus für Wissenschaftler*innen und Studierende in der wissenschaftlichen Ausbildung z.B. für Promotions- und Studienarbeiten.“

Das länderübergreifende DLR-Institut für CO2-arme Industrieprozesse mit Sitz in Cottbus und Görlitz/Zittau wird seit Juli 2019 aufgebaut und wurde im Mai 2021 offiziell eröffnet. Das Institut in Brandenburg konzentriert sich auf die Simulation und das virtuelle Design – den ‘digitalen Zwilling‘ – von veränderten Produktionsabläufen. Daneben steht die Entwicklung von Hochtemperatur-Wärmepumpen im Mittelpunkt. Perspektivisch sollen dort 60 wissenschaftliche Mitarbeiter*innen arbeiten. Der Bund stellt für das neue Institut in Cottbus jährlich mehr als 5 Millionen Euro zur Verfügung. Brandenburg trägt im Rahmen des geltenden Bund-Länder-Finanzierungsschlüssel 10 Prozent der jährlichen Förderung für den Standort Cottbus. Darüber hinaus stellt das Land im Rahmen der Strukturförderung rund 45 Millionen Euro für die Errichtung eines Neubaus mit Versuchshalle, Laboren und Büroräumen bereit.

Die Pilotanlage Cottbus Brayton Facility (CoBra) ist der Einstieg in die experimentelle Forschung des Instituts und der erste Schritt auf dem Weg, die Machbarkeit und Anwendbarkeit von Hochtemperatur-Wärmepumpen für die industrielle Prozesswärmeversorgung zu demonstrieren. Ein Großteil der Industrien braucht Prozesswärme zwischen 100 und 500 Grad Celsius, beispielsweise die Ernährungsindustrie, die Papierindustrie und die chemische Industrie. Verwendet man regenerativ erzeugten Strom, sind Hochtemperatur-Wärmepumpen klimaneutral. Gleichzeitig können Industriebetriebe mit Hochtemperatur-Wärmepumpen Energie sparen. Für die Vorbereitungen und den Bau der Anlage in Cottbus hat das DLR vorrangig Betriebe aus der Region ausgewählt. Perspektivisch soll eine größere Versuchsanlage CoBra entwickelt und gebaut werden, mit der noch höhere Temperaturen sowie eine höhere Wärmeleistung möglich sind. Am zweiten DLR-Standort in Zittau soll künftig an Hochtemperatur-Wärmepumpen zur Prozessdampferzeugung geforscht werden.

Die Ansiedlung des neuen DLR-Instituts gehört zu den vom Bund geförderten Vorhaben, die zur Strukturentwicklung in den Braunkohleregionen beitragen sollen. Mit der Umstellung auf erneuerbare Energien für eine emissionsarme Energieversorgung wird der Braunkohleabbau sukzessive eingestellt.