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Spektakulärer archäologischer Fund: Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert

- Erschienen am 23.01.2026 - Presemitteilung 21

Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat heute in Potsdam gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter beim BLDAM, sowie der Finderin und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow einen außergewöhnlichen Bronzefund aus dem Havelland präsentiert.

Kulturministerin Dr. Manja Schüle:

„Der Fund eines kleinen Bronzekreuzes ist eben nicht nur ein weiterer Fund unter vielen. Dieser Fund ist in mehrfacher Hinsicht spektakulär: Er passt exakt zu einer Gussform, die bereits vor mehr als 40 Jahren gefunden wurde – das ist einzigartig für einen archäologischen Fund aus dieser Zeit. Er steht auch exemplarisch für die frühe Christianisierung in Brandenburg und zeigt, welche Rolle das Christentum in der damals mehrheitlich slawisch besiedelten Region schon spielte. Und, was mich besonders freut, er steht besonders eindrucksvoll für das Engagement der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -denkmalpfleger. Bereits beim legendären Fund eines keltischen Goldschatzes vor einigen Jahren war es ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, der dieses bedeutende Stück Landesgeschichte buchstäblich aufgedeckt hatte. Das zeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Archäologie in Brandenburg ist. Auch deshalb haben wir das BLDAM vor einigen Jahren mit zusätzlichem Personal ausgestattet, das gezielt die Ehrenamtler unterstützen soll. Dieser Fund zeigt einmal mehr, dass es im Land Brandenburg bedeutsame historische Spuren gibt. Und dass es Archäologinnen und Archäologen des BLDAM sind, die – freiwillig engagiert oder fest angestellt – unser historisches und kulturelles Erbe sichern. Dafür herzlichen Dank!“

Prof. Dr. Franz Schopper, Landesarchäologe und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM):

„Die Entdeckung und ihre wissenschaftliche Einordnung sind ein herausragendes Beispiel für kontinuierliche archäologische Denkmalpflege und Museumsarbeit in Zusammenarbeit mit dem bürgerschaftlichen Engagement gut betreuter, ehrenamtlicher Akteure. Auch dank der Unterstützung unserer Ministerin konnten wir hierfür ein tragfähiges Netzwerk aufbauen. Das Objekt selbst verdeutlicht die für unser Land so typischen weiträumigen Kulturkontakte, die in brandenburgischer Manier regional umgesetzt werden.“

Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin:

„Was für ein Glücksfund! In Spandau haben die Archäologen vor Jahrzehnten die Gussform des Kreuzanhängers gefunden. Mit Hilfe einer Abformung ist es damals möglich gewesen, eine neue Form zu erstellen und mit Metall auszugießen. So wurde die besondere Christusdarstellung erkennbar. Nun wissen wir durch die Neuentdeckung: Der Schmied in Spandau hat für einen großen Markt und einen sehr mobilen Personenkreis produziert. Christliche Zeichen sind vor dem Slawenaufstand von 983 weit verbreitet gewesen.“

Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter beim BLDAM:

„Das neue Fundstück ist einer der seltenen frühen Belege der einzigartigen Christianisierungsgeschichte der nordwestlichen Slawen, die Nordostdeutschland bis heute prägt.“

 

Finderin und ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow: „Ein solches Fundstück in der Hand zu halten, ist wie eine Brücke in die Vergangenheit. Das macht die Tätigkeit als ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin so spannend.“

 

Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt. Neben dem Kreuz gab es auch weitere Funde aus dem 10./11. Jahrhundert, darunter Münzen, teils vergoldete Schmuckfragmente sowie eiserne Waffen. Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz wurde in einer Form gegossen, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau zutage kam und als „Spandauer Kreuz“ bekannt ist. Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten einer frühen Holzkirche gefunden. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Abguss der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig. Die Gussform und das Kreuz sind vom 24. Januar bis zum 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel zu sehen.

 

Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung, eine der spannendsten Abschnitte der Landesgeschichte. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches. Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit. Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich offenbar zutiefst ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religiöse Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.

 

Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolventen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert. Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät.

 

Im Land Brandenburg gibt es mehr als 40.000 archäologische Fundplätze, von denen etwa 11.000 als flächenmäßig abgegrenzte Bodendenkmale eingetragen sind. Die ältesten Bodendenkmale sind Feuersteinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers vor rund 130.000 Jahren, gefunden im Braunkohletagebau bei Jänschwalde (Spree-Neiße). Das jüngste Bodendenkmal ist ein Fluchttunnel unter den DDR-Grenzanlagen von 1961 in Glienicke-Nordbahn (Oberhavel).

 

Die Bilder zum Fund können für Veröffentlichungszwecke in der Presse unter Nennung der Quelle unter https://we.tl/t-TOSOQQOVGF heruntergeladen werden. Weitere Informationen finden sich auf den Seiten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums unter www.bldam-brandenburg.de. Informationen zur Arbeit der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und
-denkmalpfleger gibt es beim Podcast des BLDAM unter www.bldam-brandenburg.de/neue-podcast-folge-vom-sondeln-und-von-schmutzigen-haenden/.