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Spektakulärer archäologischer Fund aus Brandenburg in Berliner Museum

- Erschienen am 28.04.2026 - Presemitteilung 138
Bronzefund Radkreuz mit der in den 1980er Jahren gehobenen Gussform

Brandenburgs Kulturstaatssekretär Tobias Dünow hat heute im Neuen Museum Berlin gemeinsam mit dem Landesarchäologen und Direktor des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM), Prof. Dr. Franz Schopper, und dem Kustos des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Dr. Bernhard Heeb, das „Spandauer Kreuz“ präsentiert. Der Bronzefund aus dem 10./11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Havelland entdeckt, dessen Gussform wurde bereits vor mehr als 40 Jahren in Spandau gefunden.

Kulturstaatssekretär Tobias Dünow:

„Als ich das erste Mal von diesem Fund hörte, musste ich an Indiana Jones denken: Ein kleines Bronzekreuz liegt rund 1.000 Jahre im Boden – eine Gussform wartet seit mehr als 40 Jahren in einem Berliner Museum auf ihr Gegenstück. Und dann findet eine ehrenamtliche Schatzgräberin dieses Gegenstück auf einem Havelländer Acker. Klingt nach einem Drehbuch, ist aber Realität – und in mehrfacher Hinsicht spektakulär: Nach einem Jahrtausend sowohl Werkstück als auch das passende Werkzeug zu finden – das ist schon ziemlich einzigartig für einen archäologischen Fund aus dieser Zeit. Und er ist ein beeindruckender Beleg für die frühe Christianisierung in Brandenburg und zeigt, welche Rolle das Christentum in der damals mehrheitlich slawisch besiedelten Region schon spielte. Und, was mich besonders freut, er steht besonders eindrucksvoll für das Engagement der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -denkmalpfleger. Dieser Fund zeigt einmal mehr, dass es im Land Brandenburg bedeutsame historische Spuren gibt. Und dass es Archäologinnen und Archäologen des BLDAM sind, die – freiwillig engagiert oder fest angestellt – unser historisches und kulturelles Erbe sichern. Dafür herzlichen Dank!“

Das Radkreuz aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im Rahmen genehmigter Detektorbegehungen auf einem Fundplatz im westlichen Havelland entdeckt. Das Besondere an dem Fund: Das Bronze-Kreuz wurde in einer Form gegossen, die bereits 1983 in Spandau zutage kam und als „Spandauer Kreuz“ bekannt ist. Die bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform eines kleinen Radkreuzes gilt als einer der ältesten Nachweise der frühen Christianisierung zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten einer frühen Holzkirche gefunden. Nach der Restaurierung und genauen Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes am BLDAM sowie nach dem Abgleich mit der im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin ausgestellten Gussform konnte nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören. Ein Abguss der Form wurde bislang weder in Spandau noch anderswo gefunden – der jetzige Fund eines dazu passenden Gussstücks ist somit einzigartig. Die Gussform und das Kreuz sind bis Ende Juli 2026 im Neuen Museum zu sehen.

Gussform und Kreuz sind Zeugen der frühen Christianisierung. Im frühen 10. Jahrhundert geriet die in dieser Zeit von nichtchristlichen slawischen Stämmen bewohnte Region des heutigen Berlins und Brandenburgs durch Eroberungsfeldzüge in den Einflussbereich des ostfränkischen Reiches, des Vorläufers des späteren Römisch-Deutschen Reiches. Die neuen Eliten brachten neben einer politischen Neuorganisation auch einen neuen Glauben mit. Zeugnisse dieser ersten Christianisierung sind jedoch vorwiegend in historischen Schriftquellen überliefert, da die slawischen Stämme die neue Religion mehrheitlich offenbar zutiefst ablehnten. Im Jahre 983 erhoben sie sich im sogenannten Lutizenaufstand gegen die ostfränkische Oberhoheit und erkämpften sich für etwa 150 Jahre ihre politische und religiöse Unabhängigkeit. Eine nachhaltige Christianisierung erfolgte erst im 12. und im 13. Jahrhundert, nachdem die Region endgültig als Mark Brandenburg Teil des Römisch-Deutschen Reiches geworden war.

Die Finderin des Bronze-Kreuzes gehört zu den rund 350 ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pflegern des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM). Sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Erfassung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes. Alle offiziell benannten ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger sind Absolventen eines Lehrgangs, den das BLDAM in enger Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. organisiert. Seit 2022 gibt es einen Mitarbeiter beim BLDAM, der sie unterstützt und berät.

Im Land Brandenburg gibt es mehr als 40.000 archäologische Fundplätze, von denen etwa 11.000 als flächenmäßig abgegrenzte Bodendenkmale eingetragen sind. Die ältesten Bodendenkmale sind Feuersteinwerkzeuge aus der Zeit des Neandertalers vor rund 130.000 Jahren, gefunden im Braunkohletagebau bei Jänschwalde (Spree-Neiße). Das jüngste Bodendenkmal ist ein Fluchttunnel unter den DDR-Grenzanlagen von 1961 in Glienicke-Nordbahn (Oberhavel).