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110.000 Euro für immaterielles Kulturerbe der manuellen Glasfertigung

- Erschienen am 26.03.2026 - Presemitteilung 86

Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat heute in Baruth (Teltow-Fläming) zwei Bescheide an den Museumsverein Glashütte e.V. übergeben. Mit 50.000 Euro aus dem Museumsstrukturprogramm unterstützt das Ministerium die Vermittlungsarbeit des immateriellen Kulturerbes der manuellen Glasfertigung, mit weiteren 60.000 Euro die Personalkosten im Museumsdorf Baruther Glashütte. Zudem informierte sich die Ministerin über die Arbeit des Freiwilligendienstes „Kultur trifft Handwerk“ und warf einen ersten Blick auf die Sonderausstellung „Women and Glass“, die am 28. März offiziell eröffnet wird.

Kulturministerin Dr. Manja Schüle zeigte sich nach ihrem Besuch beeindruckt:

„Die Baruther Glashütte ist aus mindestens drei Gründen ein außergewöhnlicher Ort. Erstens: Er steht wie kein anderer in Brandenburg für das immaterielle Kulturerbe der manuellen Glasfertigung. Dass dieses Handwerk, das hier seit mehr als 300 Jahren gepflegt wird, mittlerweile Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit ist, ist maßgeblich das Verdienst des Museumsvereins Glashütte. Darauf können die Baruther und der Verein mit Recht stolz sein. Zweitens: Das Glasstudio im Museumsdorf gehört seit 2024 zu den ersten Einsatzstellen für das neue Freiwilligenformat ‚Kultur trifft Handwerk‘ – ein deutschlandweit einmaliges Format aus Brandenburg. Und drittens: Veranstaltungen wie die kommende Ausstellung ‚Women and Glass‘ zeigen, dass das hier nicht nur ein normales Museum ist, sondern ein lebendiger Kulturraum. Dass hier im August der Brandenburger Tag der Industriekultur eröffnet wird, ist daher nur folgerichtig. Die Baruther Glashütte steht wie kaum ein anderer Ort in Brandenburg für die Verbindung von Tradition, Handwerk und kultureller Identität. Ich freue mich, dass wir das Museumsdorf in diesem Jahr mit 110.000 Euro unterstützen können. Mein besonderer Dank gilt allen, die diesen Ort tragen – den Glasmacherinnen und Glasmachern, dem Museumsverein und insbesondere Georg Goes. Ihr Engagement bringt die Glashütte zum Strahlen.“

Die 1716 auf Initiative des Grafen Friedrich zu Solms-Baruth entstandene Baruther Glashütte ist einer der bedeutendsten technikhistorischen Museumsstandorte des Landes. Das Technische Denkmal mit Hüttengebäuden aus den Jahren 1844 und 1861 bildet zusammen mit Arbeiterhäusern, Gasthof und Alter Schule ein parkähnliches Ortsensemble inmitten des Naturschutzgebietes Baruther Urstromtal. Die Spezialität der „Solmsschen Glasfabrik“ war von 1830 bis 1948 Beleuchtungsglas. In der Blütezeit der Hütte stellten 200 Glasarbeiter jährlich Millionen Glaszylinder und Milchglasschirme her. Der 1866 in Baruth geborene Reinhold Burger entwickelte als Glastechniker die Thermoskanne und die Röntgenröhre. Das Museumsdorf Baruther Glashütte entstand nach der Stilllegung des VEB Glashütte im Jahr 1980. Der Verein zur Rettung und Pflege des Industriedenkmals wurde 1991 gegründet. Das Museum in der historischen Ofenhalle mit praktizierendem Glasstudio führt in die 300-jährige Geschichte des Ortes und in 3.000 Jahre Glasherstellung ein. Weitere Informationen: www.baruther-glashuette.de

Die manuelle Glasfertigung wurde 2015 auf Initiative des Museums Baruther Glashütte in das deutsche Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen, 2023 wurde sie in das internationale UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die ersten Glashütten in Europa entstanden in vorchristlicher Zeit. Im frühen Mittelalter verlagerte sich die Herstellung in Regionen, die über große Holz- und Sandvorkommen verfügten, den damals wichtigsten Rohstoffen für die Glasfertigung.

Der von der Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Brandenburg betreute Freiwilligendienst ‘Kultur trifft Handwerk‘ ist der erste seiner Art in Deutschland. Seit 2024 können Interessierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in kulturorientierten Handwerksberufen absolvieren, darunter auch im Glasstudio des Museums. Mit diesem besonderen Konzept werden sonst eher wenig bekannte kulturorientierte Gewerke jungen Menschen nähergebracht. Für landesweit sieben Plätze – neben dem Glasstudio unter anderem auch in einer Theaterwerkstatt, einer Kunstgießerei oder einem Keramikatelier – stellt das Kulturministerium im FSJ-Jahr 2026/27 rund 160.000 Euro bereit. Weitere Informationen: www.lkj-brandenburg.de