Ulrike Müller wird neue Intendantin am Theater neue Bühne in Senftenberg
- Erschienen am - PresemitteilungDie Verbandsversammlung des Zweckverbandes „Neue Bühne – Niederlausitzer Theaterstädtebund Senftenberg“ hat in ihrer Sitzung am 18. Mai 2026 der Empfehlung der Findungskommission zur Neubesetzung der Intendanz der neuen Bühne Senftenberg zugestimmt. Darüber informieren der Landkreis Oberspreewald-Lausitz und die Stadt Senftenberg als Träger des Theaters.
Künftige Intendantin des traditionsreichen Schauspielhauses wird die Regisseurin, Autorin und Theatermacherin Ulrike Müller. Ihr Amt wird sie mit Beginn der Spielzeit 2027/2028 zum 1. September 2027 antreten.
Kulturministerin Dr. Manja Schüle:
„Die neue Bühne Senftenberg ist als Stadttheater und Landesbühne mit attraktiven und inspirierenden Kulturangeboten, zahlreichen Gastspielen und engagierten Jugendprojekten seit Jahrzehnten einer der kulturellen Impulsgeber in der Lausitz. Sie steht exemplarisch für unsere offene Gesellschaft, das freie Wort und die Freiheit der Kunst. Das Ergebnis: Glänzende Auslastungszahlen und überregionale Strahlkraft – beides nicht selbstverständlich für einen Theaterstandort im ländlichen Raum. Ich bin überzeugt, dass die gebürtige Cottbuserin Ulrike Müller mit ihren vielfältigen Erfahrungen als Regisseurin, Autorin und Schauspielerin an den Erfolg der Arbeit des Teams unter Daniel Ris anknüpfen kann. Ich freue mich auf ihre Handschrift und ihre ersten Inszenierungen.“
Vorsitzender der Verbandsversammlung, Landrat Alexander Erbert:
„Mit Ulrike Müller gewinnen wir eine fachlich außerordentlich versierte Persönlichkeit, die frische Ideen, neue Perspektiven, ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen und Chancen unserer Region und ein großes Potenzial für die weitere erfolgreiche Entwicklung und öffentliche Wahrnehmung der neuen Bühne Senftenberg mitbringt. Die einstimmige Entscheidung der Findungskommission unterstreicht ihre Eignung für diese verantwortungsvolle Aufgabe.“
Verbandsrat und stellvertretender Vorsitzender der Verbandsversammlung, Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer:
„Wir freuen uns, dass wir nun Sicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Gäste sowie Bürgerinnen und Bürger geschaffen haben und nach einem intensiven Auswahlprozess mit zahlreichen Bewerberinnen und Bewerbern eine geeignete Intendantin gewinnen konnten. Mit ihrer ostdeutschen Biografie, ihrer Erfahrung und ihrer Verbundenheit zur Region wird sie wichtige Impulse setzen. Wir freuen uns auf ein vielfältiges Angebot für alle Generationen.“
Zur Person
Ulrike Müller überzeugte die Findungskommission mit ihrer klaren Vision eines zeitgenössischen, regional verankerten und zugleich überregional präsenten Theaters. In den Auswahlgesprächen stellte sie umfassend ihre Vorstellungen zur künstlerischen Entwicklung der neuen Bühne Senftenberg, zur Stärkung des Ensembles sowie zur Erschließung neuer Publikumsgruppen vor. Sie zeichnete das Bild einer erfolgreichen Bühne, die tief mit der Lausitz verbunden ist und zugleich weit über die Region hinaus wirken soll.
Im Ergebnis der geführten Gespräche setzte sich Ulrike Müller gegen 46 Mitbewerbungen aus der gesamten Bundesrepublik und dem Ausland durch. Die Findungskommission sprach sich einstimmig für ihre Berufung aus. Die mehrstufigen Gespräche fanden zwischen Ende Februar und Mitte März 2026 statt.
Der Findungskommission gehörten acht Mitglieder an. Externe Mitglieder waren Cerstin Gerecht (Referatsleiterin Darstellende Kunst und Musik, MWFK), André Nicke (Intendant Uckermärkische Bühnen Schwedt) sowie Sebastian Bolz (Geschäftsführer Personalberatung KULTUREXPERTEN). Seitens des Zweckverbandes wirkten Landrat Siegurd Heinze, Bürgermeister Andreas Pfeiffer, der nun neue Landrat Alexander Erbert, Friedrich Rößiger (kaufmännischer Verwaltungsleiter neue Bühne) sowie Robert Weidner (Dezernent für Bildung, Finanzen und Innere Verwaltung) mit.
Direkt im Anschluss an die Verbandsversammlung wurden die Mitarbeitenden des Theaters im Rahmen einer Personalversammlung über die Entscheidung informiert. Ulrike Müller stellte sich dabei – gemeinsam mit ihrem zukünftigen Hausregisseur Brian Bell – persönlich dem Ensemble und den Mitarbeitenden vor.
Die gebürtige Cottbuserin ist eng mit der Lausitz verbunden. Bereits in ihrer Jugend prägten das Piccolo Theater Cottbus und das Staatstheater Cottbus ihren künstlerischen Werdegang. „Die Lausitz ist meine Heimat. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich meine ersten Theatererfahrungen gesammelt“, beschreibt Ulrike Müller ihre enge Beziehung zur Region.
Seit mehr als 25 Jahren arbeitet sie im Theaterbereich als Schauspielerin, Regisseurin, Autorin und Leiterin partizipativer Kulturprojekte. Nach ihrem Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig und einem Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin war sie unter anderem am Staatsschauspiel Dresden und am Stadttheater Bielefeld engagiert. Seit 2010 arbeitet sie als freie Regisseurin und Autorin für Theater und Hörspiel. 2022/2023 absolvierte Ulrike Müller eine berufsbegleitende Weiterbildung in Theater- und Musikmanagement an der LMU München. Von 2022 bis 2026 leitete sie die Bürger*Bühne in Oranienburg.
Ulrike Müller inszenierte an zahlreichen Bühnen im deutschsprachigen Raum, darunter am Hans Otto Theater Potsdam, am Staatstheater Cottbus, am Theater für Niedersachsen Hildesheim sowie mehrfach an der neuen Bühne Senftenberg. Inhaltlich setzt sie sich in ihren Arbeiten intensiv mit gesellschaftlichen Fragen, biografischen Stoffen, Strukturwandel und ostdeutschen Lebensrealitäten auseinander.
Für ihre künstlerische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. 2012 nominierte die Fachzeitschrift „Theater heute“ sie als „Beste Nachwuchsregisseurin“. Für ihr rbb-Hörspiel „Das Projekt bin ich!“ erhielt sie 2015 den Deutschen Hörspielpreis der ARD. 2022 folgte für eine weitere rbb-Produktion "Die Don Quijotinnen oder Was kostet die Kindheit?" der Juliane Bartel-Medienpreis vom Niedersächsischen Ministerium in Hannover. In den vergangenen Jahren entwickelte sie unter anderem für das Lausitz Festival, die neue Bühne Senftenberg sowie für die Bürger*Bühne in Oranienburg biografische Theaterprojekte über Heimat, Transformation und gesellschaftlichen Wandel.
Zu ihrer Vision für die neue Bühne Senftenberg erklärt Ulrike Müller: „Die neue Bühne steht als Landesbühne Brandenburg Süd im Zentrum einer Region, die sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet. Theater ist für mich ein wichtiger Ort für politischen Diskurs, gesellschaftliche Teilhabe und Begegnung — ein Ort, an dem Geschichten neu erzählt oder erfunden werden, der Räume öffnet, neue Sichtweisen und Reibung ermöglicht und nie aufhört, Fragen zu stellen. Theater ist Berührung mit der Stadt, der Region und den Menschen, die hier leben. Es ist ein schöpferischer Prozess, der Zeit braucht, damit sich Mensch, Sprache, Form und Spiel entfalten können. Anknüpfend an die lange Tradition der neuen Bühne sehe ich es als meine zentrale Aufgabe, gemeinsam mit dem Ensemble, den Gewerken und allen Mitarbeitenden des Hauses die Zukunft der Region künstlerisch, menschlich und zugleich unterhaltsam zu gestalten.“
Ulrike Müller wird zum 1. September 2027 zunächst für die Dauer von 5 Jahren die künstlerische Leitung des Hauses vom jetzigen Intendanten Daniel Ris übernehmen. Um die notwendigen Vorbereitungen für die ab dem nächsten Sommer bevorstehende neue Spielzeit 2027/2028 mit ausreichend Vorlauf und Befugnis treffen zu können, erhält sie neben dem Intendantenvertrag einen zusätzlichen Vorvertrag. Dieser soll bereits ab dem 1. Juli dieses Jahres greifen.
Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Verbandsversammlung war die Anpassung der Verbandssatzung. Ziel der Änderung ist es, die Führungsstruktur des Zweckverbandes mit dem Wechsel der Intendanz neu zu organisieren. Künftig wird die Position des Verbandsvorstehers ehrenamtlich besetzt. Die operative Leitung der neuen Bühne Senftenberg erfolgt ab der Spielzeit 2027/2028 durch ein Leitungsteam bestehend aus künstlerischer Leitung/Intendanz und Verwaltungsdirektion. Die Satzungsänderung wurde im Vorfeld mit dem Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg abgestimmt.
Das Kulturministerium unterstützt die neue Bühne Senftenberg in diesem Jahr mit rund 4,08 Millionen Euro, weitere rund 1,6 Millionen Euro fließen über das Brandenburgische Finanzausgleichsgesetz. Der Landkreis Oberspreewald Lausitz und die Stadt Senftenberg als Mitglieder des Zweckverbandes „Neue Bühne – Niederlausitzer Theaterstädtebund Senftenberg“ zahlen eine jährlich Verbandsumlage an die Neue Bühne. Für 2026 handelt es sich um Beträge in Höhe von 1,45 Millionen Euro vom Landkreis und 0,5 Millionen Euro von der Stadt Senftenberg.