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Quempas-Singen und Karneval gehören zum immateriellen Kulturerbe

- Erschienen am 07.04.2026 - Presemitteilung 100

Das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes wächst um zwei weitere Einträge: Auf Vorschlag der Brandenburger Expertenjury wurden jetzt die „Luckauer Christmette mit traditionellem Quempas-Singen“ sowie der Brauch „Karneval, Fasching, Fastnacht in Ostdeutschland“ neu in das Brandenburger Verzeichnis aufgenommen. Beide Einträge werden auch für das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen.

Kulturministerin Dr. Manja Schüle begrüßt die Entscheidung:

„Der Osten kann Karneval! Auch wenn wir es Fasching oder Fastnacht nennen, so zeigen uns nicht nur die Lausitzer schon lange, dass man nicht in Köln, Mainz oder Düsseldorf leben muss, um ausgelassen zu feiern. Umzüge, Maskenbälle und das sorbische ‚Zampern‘ haben eine lange, lebendige Tradition. Und auch wenn früher mehr Lametta war, so lässt sich das traditionelle Quempas-Singen in der Luckauer Christmette bereits mehrere Jahrhunderte zurückverfolgen. Unser Land ist eben nicht nur reich an Kiefern und Sand, sondern auch an kulturellem Erbe. Das vielfältige immaterielle Kulturerbe ist Ausdruck von Kreativität, sichert Traditionen, bringt Menschen zusammen und schafft Gemeinschaft. Ich freue mich sehr, dass das Landesverzeichnis nun um zwei Einträge reicher ist.“ 

Die Bewerbung für die Aufnahme der „Luckauer Christmette mit traditionellem Quempas-Singen“ in das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes wurde vom Luckauer Heimatverein e.V. gemeinsam mit der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Luckau eingereicht. Der Festgottesdienst, der in den frühen Morgenstunden des 25. Dezember in der St.-Nikolai-Kirche stattfindet, ist mit der seit Jahrhunderten gespielten besonderen Luckauer Festmusik und insbesondere dem gemeinsamen Quempas-Singen von großer identitätsstiftender Bedeutung für die Stadtgesellschaft. Das Quempas-Singen ist ein mittelalterlicher Wechselgesang, der in Luckau in besonders ausgeprägter Form gepflegt wird. Die Gemeinde wird dabei in vier Chöre aufgeteilt, die sich gegenüberstehen. Jede Strophe wird von einem anderen Chor angestimmt, bevor alle gemeinsam den Refrain singen.

Die Bewerbung „Karneval, Fasching, Fastnacht in Ostdeutschland“ wurde gemeinsam von den Karnevalsverbänden Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eingereicht. Die Ursprünge des Karnevals in Ostdeutschland reichen bis ins Mittelalter zurück und stehen mit der christlichen Fastenzeit in Verbindung. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 entstanden in den vier Bundesländern rund 930 Vereine mit rund 95.000 Mitgliedern.

Das immaterielle Kulturerbe repräsentiert lebendige Alltagskultur, die über Generationen weitergegeben wird. Dazu zählen Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlieferungen, Bräuche und Feste, Naturheilkunde und Handwerkstechniken – überliefertes Wissen und Können, die im Lebensalltag verwurzelt sind und das Zusammenleben prägen. Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003 fördert die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung dieses lebendigen Erbes. Im Brandenburger Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes gibt es jetzt mit den beiden Neu-Einträgen insgesamt 11 Einträge, darunter das Gold- und Silberschmiedehandwerk, die Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben, die manuelle Glas-Fertigung, die Finsterwalder Sangestradition oder das Klemmkuchenbacken zwischen Fläming und Schwarzer Elster. Im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes stehen derzeit 168 Einträge, darunter 8 aus Brandenburg. Die weltweite Liste umfasst bislang 716 Kulturformen aus 152 Ländern, darunter 9 aus Deutschland.

Weitere Informationen: www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe