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40.000 Euro für „POTSDAMS halbe NEUNZIGER“

- Erschienen am 03.06.2026 - Presemitteilung 201
Das Potsdam Museum am Alten Markt ©Thomas Weinert

Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat heute einen Bescheid im Rahmen des Förderprogramms Museumsprofile in Höhe von 40.000 Euro an das Potsdam Museum für die geplante Sonderausstellung „POTSDAMS halbe NEUNZIGER“ übergeben:

„Ich bin erst 1996 nach Potsdam gekommen. Aber die Themen der Ausstellung kenne ich aus meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder): Wandel und Aufbruch, Arbeitslosigkeit und rechte Gewalt, leere Schaufenster neben ersten Westprodukten. Wer das erlebt hat, weiß: Diese Jahre haben sich eingebrannt. In Städte. In Familien. In viele Einzelne. Und diese Jahre sind bis heute erstaunlich wenig erzählt worden, vor allem aus ostdeutscher Perspektive. ‚POTSDAMS halbe NEUNZIGER‘ macht etwas, das kein Geschichtsbuch tut: Es holt die privaten Erinnerungen ans Licht. Die überwältigende Resonanz der Potsdamerinnen und Potsdamer, die ihre privaten Fotografien einschicken, zeigt: Die Neunziger sind noch längst nicht auserzählt. Deshalb fördern wir dieses ungewöhnliche Projekt auch sehr gerne mit 40.000 Euro. Weil wir überzeugt sind: Eine Ausstellung, bei der das Publikum die Inhalte beisteuert, hat Modellcharakter. Das ist gelebte Teilhabe und Teilnahme. Und das in einem Stadtmuseum, das seiner Stadt wirklich gehört.“

Torsten Wiegel, Beigeordneter für Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Landeshauptstadt Potsdam:

„Manche Epochen verschwinden schneller aus dem Stadtbild, als sie aus den Köpfen weichen. Die frühen Neunziger sind eine solche Schwellenzeit – noch warm in der Erinnerung und doch schon Geschichte. Das Potsdam Museum versteht sich als das Gedächtnis der Stadt insbesondere auch der nahen Vergangenheit; deshalb greift es die Lebenswelten und Erzählungen der Potsdamerinnen und Potsdamer dieser Jahre auf. Denn wer versteht, woher seine Stadt kommt, kann ihre Gegenwart besser reflektieren und die Zukunft bewusster gestalten."

Dr. Thomas Steller, Direktor Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte:

„Potsdam ist eine Stadt der vielen Umbrüche. Gerade die Transformationsjahre nach 1990 wirken bis in unsere Gegenwart hinein. Dass das Potsdam Museum diese Phase nun fundiert und mit Blick auf die Menschen aufarbeitet, stärkt nicht nur das historische Bewusstsein, sondern auch den Dialog innerhalb unserer Stadtgesellschaft und in der Kulturlandschaft – über das Museum hinaus.“

Die Sonderausstellung „POTSDAMS halbe NEUNZIGER“ widmet sich der Transformationszeit der Landeshauptstadt zwischen 1990 und 1995 – einer Schlüsselphase nach dem politischen Umbruch 1989/90. Sie verbindet Zeitgeschichte und Fotografie. Historische Fotografien – von Presseaufnahmen über künstlerische Arbeiten bis zu privaten Bildern – sollen Themen wie kulturellen Aufbruch, Wohnungsknappheit, Arbeitslosigkeit, Hausbesetzerbewegung, rechte Gewalt, Migration und den Umgang mit Vergangenheit veranschaulichen. Die Fotografien dokumentieren das Spannungsfeld zwischen Aufbruch und Unsicherheit, Wandel und Beharrung. Die Schau versteht sich als stadtgeschichtlicher Beitrag zur Debatte über ostdeutsche Identitäten und Entwicklungen sowie als Einladung zur kollektiven Auseinandersetzung und historischen Selbstvergewisserung. Parallel dazu soll es auch Zeitzeugengespräche, Vorträge und eine Filmreihe geben. Die Ausstellung wird voraussichtlich im Februar 2027 eröffnet.

Noch bis zum 30. Juni 2026 sind Potsdamerinnen und Potsdamer aufgerufen, ihre privaten Fotografien aus der Nachwendezeit zu teilen. Gesucht werden Bilder, die das Leben in den 1990er Jahren in der Stadt zeigen – im Alltag auf Straßen und Hinterhöfen, zu Hause oder bei der Arbeit, beim Sonntagsspaziergang oder auf Feiern. Weitere Informationen: www.potsdam.de/de/119-potsdam-privat-den-1990ern-potsdam-museum-ruft-zur-einsendung-von-privaten-fotografien-aus-der

Das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte wurde 1909 von einer bürgerschaftlichen Initiative gegründet. Die erste Ausstellung fand im Rathaus am Alten Markt statt. Nach einer wechselvollen Geschichte zog das städtische Museum 2012 wieder an den ursprünglichen Standort am Alten Markt zurück. Es besitzt mit mehr als 270.000 Objekten eine der größten kunst-, kultur- und regionalgeschichtlichen Sammlungen Brandenburgs. Das Museum präsentiert auf 1.300 Quadratmetern die ständige Ausstellung „Potsdam. Eine Stadt macht Geschichte‘ sowie wechselnde Sonderausstellungen zur Kultur und Geschichte der Stadt. Das Museum wird seit 2023 von Dr. Thomas Steller geleitet. Weitere Informationen: www.potsdam-museum.de