Community Health Nurses für die Lausitz: Brandenburg plant neuen Pflege-Master an der MUL-CT
- Erschienen am - PresemitteilungAn der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) soll ein Masterstudiengang für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen entstehen. Geplant ist ein generalistischer Pflege-Master, der im zweiten Studienjahr eine Vertiefung in drei Feldern ermöglicht: erweiterte Pflegepraxis, Notfallversorgung und Community Health Nursing. Diese Pläne hat Staatssekretär Tobias Dünow heute bei einer Tagung des Wissenschaftsrates in Hamburg vorgestellt. Der Studiengang soll auf dem Bachelorstudiengang Pflegewissenschaft an der BTU Cottbus-Senftenberg aufbauen und frühestens zum Wintersemester 2028/2029 angeboten werden. Nach dem erfolgreichen Start des Studiengangs soll an der MUL-CT in diesem Bereich auch promoviert werden können. Universitäre Masterangebote in diesen Feldern bestehen bundesweit bereits. Sie entwickeln die Rollen Advanced Practice Nursing und Community Health Nursing jedoch getrennt, und die Notfallpflege ist dort nicht einbezogen. Genau hier setzt der Lausitzer Weg an.
Wissenschaftsstaatssekretär Tobias Dünow:
„Für uns war immer klar: Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem soll keine herkömmliche medizinische Fakultät werden, sondern Verantwortung für die gesamte Lausitz übernehmen. Dazu gehören auch Studiengänge außerhalb der Medizin. Community Health Nurses übernehmen dabei eine kompetente Betreuung in Prävention und Pflege – das Berufsbild entspricht in etwa dem, was die Gemeindeschwester geleistet hat. Diese hoch qualifizierten Fachkräfte brauchen wir dringend, um in der Modellregion Gesundheit Lausitz neue Versorgungsstrukturen aufzubauen. Anders als die bestehenden Angebote wollen wir die Schwerpunkte nicht getrennt entwickeln, sondern in einem Studiengang zusammenführen – zugeschnitten auf das, was diese Region tatsächlich braucht. Was in der Lausitz gelingt, kann für ganz Deutschland Vorbild sein.”
Community Health Nurses sind Pflegefachpersonen mit akademischer Qualifikation, die in Gemeinden als Ansprechpersonen für Gesundheits- und Pflegefragen arbeiten: Sie beraten zu Prävention, erkennen Versorgungslücken früh und begleiten chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen kontinuierlich. Die ärztliche Versorgung ersetzen Community Health Nurses nicht – sie ergänzen sie und entlasten Hausarztpraxen. Hintergrund sind der demografische Wandel, die Zunahme chronischer Erkrankungen und der Fachkräftemangel, die eine neue Aufgabenteilung zwischen den Gesundheitsfachberufen erfordern. In Brandenburg wird das Berufsbild bereits erprobt. Im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) arbeiten im Forschungsprojekt ReGuLa zwei Community Health Nurses in der interprofessionellen Primärversorgung; die Wirksamkeit und die Übertragbarkeit auf andere Regionen werden wissenschaftlich begleitet. Das Projekt der MUL-CT und der Evangelischen Hochschule Dresden wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert, erste belastbare Ergebnisse werden 2027 erwartet. Die Pflegevorständin der MUL-CT, Andrea Stewig-Nitschke, stellte ReGuLa auf der Tagung in Hamburg vor. In Luckau (Dahme-Spreewald) besteht seit 2024 ein Angebot der DRK-Gemeindegesundheitspflege, an dessen Finanzierung sich die Stadt bis 2030 beteiligt; seit September 2026 erweitert ein Gesundheitsbus das Angebot in den Ortsteilen. In der Modellregion Gesundheit Lausitz entsteht zudem ein digitales Gesundheitsnetzwerk, über das Community Health Nurses den Rat von Fachärztinnen und Fachärzten, Apothekerinnen und Apothekern sowie erfahrenen Pflegekräften einholen können.
Die Tagung „Für Prävention handeln. Berufsbild Community Health Nursing – Chancen, Hebel, Netzwerke” des Wissenschaftsrats fand an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg statt und knüpft an das Positionspapier des Wissenschaftsrats zu Prävention und Gesundheitsförderung vom Februar 2026 an. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, in der Pflege eine Akademisierungsquote von 20 Prozent zu erreichen; derzeit liegt sie bei 2,5 Prozent.