30 Jahre Stiftung Stift Neuzelle: Festakt mit Staatssekretär Tobias Dünow
- Erschienen am - PresemitteilungMit einem Festakt hat die Stiftung Stift Neuzelle am Freitag ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. In Anwesenheit von Staatssekretär Tobias Dünow und einer Vielzahl geladener Gäste wurde zugleich der langjährige Geschäftsführer Norbert Kannowsky verabschiedet.
Zum 30-jährigen Jubiläum der Stiftung Stift Neuzelle erklärt Ministerpräsident Dietmar Woidke:
„Das Kloster Neuzelle ist ein wahrer Schatz unseres Landes Brandenburg – ein Ort von herausragender kultureller, geistlicher, touristischer und bildungspolitischer Bedeutung. Seit drei Jahrzehnten setzt sich die Stiftung Stift Neuzelle dafür ein, die barocken Klosteranlagen zu bewahren, zu restaurieren und mit neuem Leben zu erfüllen. Dieses einzigartige Erbe zu erhalten, ist und bleibt eine gemeinsame Verantwortung, der sich das Land Brandenburg auch künftig verlässlich stellen wird. Mein besonderer Dank gilt Norbert Kannowsky, der die Entwicklung des Stifts mehr als 20 Jahre mit großem Engagement, Weitblick und persönlichem Einsatz geprägt hat. Seinem Nachfolger Mario Quast wünsche ich für diese verantwortungsvolle Aufgabe viel Erfolg, eine glückliche Hand und alles Gute.“
Kulturstaatssekretär Tobias Dünow, der beim Festakt das Grußwort der Landesregierung hielt, ordnete die Geschichte des Ortes ein:
„Neuzelle war katholische Insel in der Reformation, preußische Domäne nach der Säkularisation und Priesterseminar in der DDR. Dieser Ort hat jedes politische System überlebt, das ihn verwalten wollte. Brandenburg hat es anders gemacht: Was dem Kloster 1817 genommen wurde, seine Ländereien, hat das Land über eine Stiftung nach Neuzelle zurückgegeben – seither trägt der stiftseigene Wald wirtschaftlich dazu bei, den Barock zu erhalten. Denn Denkmalpflege ist eine Daueraufgabe, und Daueraufgaben brauchen dauerhafte Grundlagen.“ Die Leistung der Stiftung hob er besonders hervor: „Dass die Stiftung sich diese Grundlage neben der vielfältigen Belebung des Areals durch Bildung, Kultur und Tourismus in 30 Jahren erarbeitet hat, ist ihre eigentliche Leistung. Dazu gratuliere ich im Namen der Landesregierung sehr herzlich. All das wäre ohne Norbert Kannowsky nicht möglich gewesen, der die Stiftung als Geschäftsführer mehr als 20 Jahre geführt hat. Ohne seinen Fachverstand, seine Ideen, sein Herzblut, seine Geduld und Beharrlichkeit wäre Neuzelle wahrscheinlich immer noch eines der größten Barockdenkmäler im nord- und ostdeutschen Raum. Aber es würde was fehlen: die Strahlkraft, das Funkeln, der Glanz – die ganze magische Anziehungskraft, die der Ort heute ausstrahlt. Dafür von Herzen Danke!“
Neben dem Staatssekretär sprachen beim Festakt Reiner Walleser, Vorsitzender des Stiftungsrates, Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Oderland-Spree und Mitglied des Stiftungsrates, Prof. Dr. Thomas Drachenberg, Landeskonservator und stellvertretender Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Tilman Schladebach, ehemaliger Leiter Marketing und Kultur der Stiftung Stift Neuzelle, sowie Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle. Musikalisch gestalteten den Festakt Insa Bernds (Klavier), Rahel Kramer (Sopran) und Martin Trømberg (Tenor), Mitglieder des Oper Oder Spree Ensemble 2026. Durch das Programm führte Aline Anders-Lepsch. Nach einem Empfang im Kreuzgang begann um 14 Uhr mit einer Führung durch das Museum Himmlisches Theater im Refektorium das öffentliche Symposium „Die Neuzeller Passionsdarstellungen – Leiden und Auferstehung einer barocken Inszenierung“.
Die Stiftung wurde 1996 vom Land Brandenburg gegründet, die denkmalgeschützte Klosteranlage wiederherzustellen, zu bewirtschaften und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und um das historische und kulturelle Erbe des ehemaligen Zisterzienserklosters Neuzelle zu wahren.
Mehr als 750 Jahre Klostergeschichte haben in Neuzelle Spuren hinterlassen. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde das Klosterensemble umfassend saniert und restauriert, stets in engem Schulterschluss mit Denkmalpflege und Bauforschung. Die einmaligen Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab werden eindrucksvoll im Museum Himmlisches Theater präsentiert, welches eigens dafür in den Neuzeller Weinberg gebaut wurde. Der Klostergarten wurde auf Grundlage der Pläne des Neuzeller Stiftsatlas von 1758 in seiner barocken Pracht wiederhergestellt. Die Orangerie wurde wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt und dient darüber hinaus als Veranstaltungsort, Gastronomie und beliebter Trauraum.
Im Kreuzgang wurden mittelalterliche Fresken und gotische Architekturelemente freigelegt und gesichert, der Fürstenflügel erstrahlt wieder als repräsentatives Element des Ensembles, und die beiden Kirchen zeugen von der Lebendigkeit des geistigen Lebens in Neuzelle und außergewöhnlichen Kunstfertigkeit jener Künstler und Handwerker, die Neuzelle zum Barockwunder Brandenburgs gemacht haben.
Der Geschäftsführer Norbert Kannowsky, der nach langjähriger Tätigkeit offiziell in den Ruhestand verabschiedet wurde, sagte während seiner Festrede:
„Mehr als 20 Jahre lang durfte ich als Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle gemeinsam mit meinem Team für den Erhalt und die Fortentwicklung des Klosters Neuzelle arbeiten. Ich blicke mit Stolz und Dankbarkeit auf das zurück, was wir in dieser Zeit erreicht haben: Das Barockwunder Brandenburgs erstrahlt nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen, der klösterliche Barockgarten ist wieder erblüht, die so einzigartigen Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab sind für künftige Generationen erhalten und bewahrt worden. Die schulische Nutzung, die kulturellen Angebote und das Wirken der Kirchengemeinden und des Zisterzienserpriorats schaffen die Lebendigkeit dieses kulturellen und geistlichen Ortes. Ich danke allen Wegbegleitern und Partnern, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung Stift Neuzelle, die gemeinsam das Klosterensemble gestaltet haben und zukünftig gestalten werden.“
Im Januar 2027 übernimmt sein Nachfolger Mario Quast die Geschäftsführung der Stiftung.
„Ich bin in Guben geboren und aufgewachsen. Mit großem Interesse habe ich in den letzten drei Jahrzehnten die Veränderungen der Klosteranlage und die Entwicklung der Stiftung Stift Neuzelle verfolgen können. Es ist beeindruckend, was in dieser Zeit durch die Stiftung erreicht wurde. Das Kloster Neuzelle wirkt als kultureller und geistlicher Ort weit über die Region hinaus. Die Stiftung ist sowohl eine wichtige Kulturinstitution im Land Brandenburg, aber auch gleichzeitig ein Wirtschaftsunternehmen, das auf eigene Einnahmen aus der Forstbewirtschaftung der Stiftswälder sowie aus Vermietung und Verpachtung angewiesen ist. Die Herausforderungen sind groß und vielfältig. Ich freue mich, ab Januar 2027 die Geschäftsführung der Stiftung Stift Neuzelle übernehmen zu dürfen und gemeinsam mit dem Team der Stiftung die Entwicklung weiter gestalten zu dürfen.“
„Dem wertvollen Gebäude- und Kunstbestand des Klosters Neuzelle ging es noch nie so gut wie heute. Das ist eine wunderbare Leistung der Stiftung Stift Neuzelle. Es war uns eine Freude und spannende Aufgabe die Stiftung z.B. bei der Dekontaminierung und Konservierung des barocken Kulissentheaters sowie beim Bau des Museums im Weinberg zu beraten und auch die Wiederherstellung des großartigen Klostergartens fachlich zu begleiten. Wir danken der Stiftung für die 30jährige gute Zusammenarbeit und freuen uns auf eine Fortsetzung dieser soliden Arbeitsbeziehungen bei den weiteren Projekten“,
sagte Prof. Dr. Thomas Drachenberg, Landeskonservator und stellvertretender Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum.
Diese beeindruckende Bilanz entsteht nicht von allein. Sie lebt von Menschen, die sich mit Tatkraft, Verantwortungsbewusstsein und persönlichem Engagement für die Stiftung und ihre Ziele einsetzen. Zu ihnen gehört in besonderer Weise Herr Kannowsky, dessen Wirken eng mit der Arbeit und Entwicklung der Stiftung Stift Neuzelle verbunden ist.
„Die Stiftung Stift Neuzelle ist seit dreißig Jahren eine riesige Erfolgsgeschichte! Die Entwicklung auf dem Stiftsgelände ist atemberaubend! Wer noch nicht in Neuzelle war, muss unbedingt herkommen – die Seele wird beflügelt! Ich bin froh, dass wir beiden Kirchen an dieser Geschichte mitschreiben konnten“,
ergänzte Frank Schürer-Behrmann, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Oderland-Spree und Mitglied des Stiftungsrates.
Im Rahmen des Festaktes wurde Geschäftsführer Norbert Kannowsky offiziell verabschiedet. Mehr als 20 Jahre lang hat er die Geschicke der Stiftung mit Weitsicht, großem Engagement und Verantwortungsbewusstsein gelenkt und ihre Entwicklung maßgeblich geprägt. Unter seiner Führung wurde Historisches bewahrt, Neues geschaffen und Zukunft gestaltet: Die restaurierte Klosteranlage, der wiederhergestellte Barockgarten, die Museen und der erfolgreiche Forstbetrieb sind sichtbare Zeichen seines Wirkens. Darüber hinaus hinterlässt er eine wirtschaftlich stabile Stiftung, ein starkes Team und ein Fundament, auf dem die Stiftung mit Zuversicht weiterbauen kann. Als bleibendes Zeichen der Wertschätzung überreichten ihm die Mitarbeitenden einen Aprikosenbaum, der im Klostergarten seinen Platz finden wird. Er soll dort wachsen, blühen und Früchte tragen – so wie vieles, was Norbert Kannowsky in Neuzelle auf den Weg gebracht hat.
Während des Jubiläumswochenendes, bietet sich auf vielfacher Art die Stiftung Stift Neuzelle und das Klosterensemble m Rahmen von kostenfreien Rundgängen und Sonderführungen näher kennenzulernen. Am Samstag, 17. Oktober, findet das wissenschaftliche Symposium zu den Neuzeller Passionsdarstellungen statt, um 16 Uhr gibt der Poznaner Knabenchor ein Festkonzert in der Stiftskirche St. Marien. Am Sonntag, 18. Oktober, folgt um 16 Uhr das Konzert „Alte Musik im Kloster“ in der Pfarrkirche Zum Heiligen Kreuz. Am 17. und 18. Oktober ist der Eintritt in die Museen von 10 bis 16 Uhr frei. Informationen und Tickets sind unter www.klosterneuzelle.de erhältlich.
30 Jahre Stiftung Stift Neuzelle – Das Programm im Überblick
• Freitag, 16. Oktober | 10:30 Uhr | Aula der Rahn Education im Campus Stift Neuzelle: Festakt mit geladenen Gästen
• Freitag, 16. Oktober | 14:00–19:00 Uhr | Refektorium: Öffentliches Symposium zu den Neuzeller Passionsdarstellungen (Museen an diesem Tag geschlossen)
• Samstag, 17. Oktober | 10:00–15:45 Uhr | Refektorium: Wissenschaftliches Symposium (nur nach Anmeldung, 20 Euro)
• Samstag, 17. Oktober | 11:00, 12:00, 13:00 und 14:00 Uhr | Klosteranlage und Neuzelle: Rundgänge mit den Abteilungen der Stiftung
• Samstag, 17. Oktober | 16:00 Uhr | Stiftskirche St. Marien: Festkonzert mit dem Poznaner Knabenchor, 30 Euro
• Sonntag, 18. Oktober | 11:00–16:00 Uhr | Kloster Neuzelle: Kostenfreie Führungen zur Europäischen Woche der Restaurierung
• Sonntag, 18. Oktober | 16:00 Uhr | Pfarrkirche Zum Heiligen Kreuz: Konzert Alte Musik im Kloster, 15 Euro
• 17. & 18. Oktober | 10:00–16:00 Uhr | Museen: Eintritt frei
• 17. & 18.Oktober | 11:00 Uhr | Katholische Kirche St. Marien: Kostenfreie Führung der Katholischen Pfarrgemeinde