„Briefe eines Verstorbenen“ – Neuauflage von Pücklers Reisebericht
- Erschienen am - PresemitteilungKulturstaatssekretär Tobias Dünow hat am Abend im Schloss Branitz anlässlich der Präsentation der Neuausgabe von Pücklers Reisebericht „Briefe eines Verstorbenen“ auf die Bedeutung von Fürstin Lucie von Pückler verwiesen:
„Hermann und Lucie von Pückler waren 37 Jahre miteinander verbunden – aber nach neun Ehejahren bereits wieder geschieden. Der Grund klingt wie eine Diagnose: Parkomanie. Der Patient: Hermann. Der Befund: unheilbar. Die Behandlungskosten: ruinös. Die Rettung: Eine Idee von Lucie. Auch wenn seine Brautsuche scheiterte – seine ursprünglich an Lucie gerichteten Briefe während der Reise werden als ‚Briefe eines Verstorbenen‘ der größte literarische Erfolg des Fürsten. Während Pücklers Briefe bis heute seinen Ruhm begründen, sind ihre Briefe verbrannt – und mit ihnen ein Teil ihrer Stimme. Ich bin der Stiftung sehr dankbar, dass sie mit dem Themenjahr ‚FRAUENREICH Branitz‘ eine der unkonventionellsten und originellsten Frauen ihrer Zeit wieder sichtbar macht. Und die gute Nachricht ist: Heute muss sich niemand mehr scheiden lassen, damit die Branitzer Parkomanie finanziert werden kann. Das Land hat diesen Wahn zur Tradition erhoben und finanziert die Stiftung mit jährlich rund drei Millionen Euro, damit diese die Branitzer Parklandschaft erhält und für alle Parkomanen öffnet. Und das außerordentlich gerne.“
Der Reisebericht „Briefe eines Verstorbenen“ zählt zu den bedeutendsten Werken der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts. Anlässlich des 200. Jahrestags von Pücklers Aufbruch zu seiner Reise durch England, Wales, Irland und Frankreich erscheint das Werk nun in einer Jubiläumsedition erstmals wieder in seiner ursprünglichen Form. Die Neuausgabe basiert auf der Auswertung aller erhaltenen Originalbriefe aus den Jahren 1826 bis 1829 und enthält mehr als 300 Farbabbildungen, vielfach aus dem Besitz des Fürsten oder nach zeitgenössischen Vorlagen. Ergänzt wird jeder Band durch Register und eine Reisechronologie. Bearbeiter der historisch-kritischen Edition ist Rudolf Kreutner, Herausgeber die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Die Neuausgabe erscheint im Wallstein Verlag.
Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871) erbte 1811 die Standesherrschaft Muskau und begann 1815 mit der Anlage eines Landschaftsgartens. Als Pückler durch seine „Parkomanie“ der finanzielle Ruin droht, schlägt seine Ehefrau Lucie 1823 rein formell die Scheidung vor, damit sich Pückler in England eine wohlhabende Frau suchen kann, von deren Mitgift Muskau saniert werden soll. Pückler findet in England zwar keine Braut, doch in den zweieinhalb Jahren seiner Reise schreibt er etwa 1.500 Briefseiten an Lucie. Diese werden wenig später – anonym veröffentlicht als „Briefe eines Verstorbenen“ – ein Bestseller und helfen dabei, vorübergehend die finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden. Briefe des Fürstenpaares aber auch die so genannten Erinnerungsalben, die die Reise bildlich dokumentierten, werden in Branitz aufbewahrt und wurden für die Neuedition umfangreich restauriert. Seit 2018 kümmert sich die öffentlich-rechtliche Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz um die gärtnerischen Anlagen, Gebäude und Sammlungen. Weitere Informationen: www.pueckler-museum.de