„straucheln und lichten. Ein Waldversuch“ Werke von Sven Gatter und Judith Zander
- Erschienen am - PresemitteilungKulturstaatssekretär Tobias Dünow hat heute im Kulturministerium in Potsdam die Ausstellung „straucheln und lichten. Ein Waldversuch“ mit Werken von Sven Gatter und Judith Zander anlässlich des Jubiläumsjahres zum 100. Geburtstag des märkischen Dichters Günter de Bruyn eröffnet:
„Ein Versuch ist etwas, das scheitern darf – in der Forschung heißt das Methode, in der Kunst Haltung. Sven Gatter und Judith Zander richten unseren Blick auf das Unscheinbare: auf Astgabeln, Blattkonstellationen, die Poesie des Zufälligen. Ihre Fotografien und Texte beweisen nichts, lösen kein Problem, erfüllen keinen Zweck – und gerade darin liegen ihre Freiheit und ihr Wert. In einer Welt, die immer schneller, technisierter und erklärungsbedürftiger wird, ist die Schönheit des scheinbar Nutzlosen ein Akt des Widerstands. Das erstmals vergebene Stipendium ‚Abseits‘ der Günter-de-Bruyn-Stiftung setzt dazu ein mutiges Zeichen: Nicht Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern Abstand als Voraussetzung für einen anderen, kritischeren Blick auf die Welt. Denn manchmal beginnt das Wesentliche dort, wo wir vom Weg abkommen – und das Straucheln dem Lichten vorausgeht.“
Der Fotograf Sven Gatter und die Schriftstellerin Judith Zander haben sich als erste Preisträger des Stipendiums „Abseits.“ der Günter-de-Bruyn-Stiftung, der Burg Beeskow und der Stiftung Kleist-Museum auf die Spuren Günter de Bruyns begeben. Im Mittelpunkt der Ausstellung „straucheln und lichten. Ein Waldversuch“ steht eine gemeinschaftlich erarbeitete Werkreihe, die während eines längeren Aufenthalts im ehemaligen Wohnhaus des Dichters im Schwenower Forst (Oder-Spree) entstanden ist. In einer Serie kleinformatiger Fotografien erschließt Sven Gatter den Wald als visuell-poetisches Terrain. Er zeigt überwiegend enge Ausschnitte von Gehölzkonstellationen, die an beiläufige Stillleben erinnern und eine widersprüchliche, melancholische Schönheit entfalten. Judith Zanders lyrische Texte erweitern diese Pflanzenerkundungen mit überraschenden etymologischen Exkursionen, kulturhistorischen Verweisen und menschlichen Analogien. Am Eröffnungstag lädt das Brandenburg Museum in Kooperation mit dem Kulturministerium zudem um 18:00 Uhr zu einer Lesung mit Judith Zander ins Museum ein.
Sven Gatter, 1978 in Halle (Saale) geboren, setzt sich in seiner künstlerischen Arbeit vor allem mit Strukturwandelregionen auseinander und nutzt dafür das Medium Fotografie. Seine Arbeiten wurden unter anderem 2024 mit dem Brandenburgischen Kunstpreis, 2018 mit einem Wiepersdorf-Stipendium und 2016 mit dem Kunstpreis Fotografie der Land Brandenburg Lotto GmbH ausgezeichnet. Er lebt in Berlin und Hannover.
Judith Zander, 1980 in Anklam geboren, spürt in ihrer Arbeit als Schriftstellerin den Verschiebungen nach, die sich zwischen Dingen, Erinnerungen und Wahrnehmungen ereignen. Ihre lyrischen Texte sind von hoher sprachlicher Innovationskraft und formaler Radikalität. Ihr Schaffen wurde unter anderem 2023 mit dem Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik, 2021 mit dem Fontane-Literaturpreis der Fontanestadt Neuruppin und des Landes Brandenburg und 2010 mit dem 3sat-Preis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet. Sie lebt in Greifswald.
Das Kulturministerium zeigt regelmäßig Ausstellungen. Zuletzt wurden unter anderem 99 Fotografien von Absolventinnen und Absolventen sowie Studierenden der Ostkreuzschule für Fotografie in Kooperation mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg gezeigt, davor Werke der Künstlerinnen Hella Stoletzki und Anna M. Kempe. Die Ausstellung „straucheln und lichten. Ein Waldversuch“ ist bis zum 04. Dezember 2026, montags bis freitags, von 08:00 bis 17:00 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei.