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Ein Fest für die Kunst: Sechs Künstlerinnen und Künstler erhalten neuen Brandenburgischen Kunstpreis

- Erschienen am 06.09.2026 - Presemitteilung 312

Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, Kulturstaatssekretär Tobias Dünow und BLMK-Direktorin Ulrike Kremeier haben heute an der öffentlichen Festveranstaltung vor und im Dieselkraftwerk in Cottbus/Chóśebuz zur Verleihung der neuen Brandenburgischen Kunstpreise teilgenommen und gemeinsam mit Jury-Vertretern die Preise verliehen. Die drei Einzelpreise in Höhe von jeweils 10.000 Euro für herausragende Positionen der zeitgenössischen Kunst gingen in diesem Jahr an Maren Strack, Peter Rohn und Gabriele Konsor. Den mit 15.000 Euro dotierten Ehrenpreis des Ministerpräsidenten für ein Lebenswerk erhielt Christa Jeitner. Der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchsförderpreis der Kulturministerin wurde an das kongolesisch-deutsche Künstler*innenduo Lydia Schellhammer und Christ Mukenge verliehen. Die Preisträgerinnen und Preisträger sind noch bis zum 20. September 2026 im Dieselkraftwerk mit ausgewählten Werken zu sehen.

Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke:

„Der neu konzipierte Brandenburgische Kunstpreis ist ein sichtbares Zeichen der Würdigung der Kunstschaffenden unseres Landes. Er ist auch ein Bekenntnis zur Vielfalt und Lebendigkeit unserer Kulturlandschaft. Mit dem Ehrenpreis für ein Lebenswerk ehren wir Persönlichkeiten, deren künstlerisches Wirken über viele Jahre hinweg Maßstäbe gesetzt hat und eine Inspiration für kommende Generationen ist. Christa Jeitner steht für Integrität, Mitgefühl und unermüdliches Wirken. Immer wieder nähert sie sich aus künstlerischer Perspektive den Themen Erinnerung, Zeit und menschliche Existenz an. Jeitners Kunst ist nicht allein ästhetisch beeindruckend – sie ist zutiefst menschlich, tiefgründig und emotional. Die Auszeichnung für ein Lebenswerk ist nicht nur die Anerkennung außergewöhnlicher Leistungen, sondern auch ein Dank für den nachhaltigen Beitrag zur kulturellen Entwicklung unseres Landes.“

Kulturstaatssekretär Tobias Dünow:

„Die Entscheidung, diesen Kunstpreis weiterzuführen und auszubauen, das Preisgeld zu erhöhen und die alten Spartengrenzen abzuschaffen, ist mehr als eine Verwaltungsreform. Sie ist ein klares Bekenntnis zur Kunstfreiheit. Wir stellen gerne das Geld bereit, aber suchen nicht die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Das Ergebnis sind spannende künstlerische Positionen. Wie beim Duo Mukenge/Schellhammer, das auf verschiedenen Ebenen Grenzen überschreitet. Ihre Zusammenarbeit zwischen Kinshasa und Brandenburg steht für eine Kunst, die unterschiedliche Erfahrungen nicht einebnet, sondern produktiv macht. Solche künstlerischen Positionen brauchen Freiheit, auch und gerade dann, wenn sie irritieren oder Gewissheiten infrage stellen. Herzlichen Glückwunsch an das Duo zum Nachwuchsförderpreis! Einen großen Dank an die Jurys für ihre großartige Arbeit – und selbstverständlich sind wir all ihren Voten gefolgt. An dieser Stelle auch nochmal einen Riesen-Dank an jene, die den Kunstpreis zu einem so großen Erfolg gemacht haben: Allen voran Märkische Oderzeitung und Frank Mangelsdorf. Ohne sein Engagement und seine Begeisterung wäre die brandenburgische Kunstwelt in den letzten 20 Jahren ärmer gewesen.“

Ulrike Kremeier, Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK) und Jury-Vorsitzende:

„Der Brandenburgische Kunstpreis 2026 zeichnet neuerlich herausragende und wichtige Künstlerinnen und Künstler aus – wie Maren Strack, Peter Rohn und Gabriele Konsor. Jedoch anders als zuvor wird nicht mehr ein solitäres Werk gekürt. Vielmehr erfährt explizit die künstlerische Position und damit das Gesamt-oeuvre eine Würdigung. Dies schlägt sich auch in der Ausstellung nieder. Von allen Ausgezeichneten werden nunmehr Werkgruppen gezeigt, die einen profunderen Einblick in das Schaffen der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler geben. Damit bietet auch die Präsentation einem breiten Publikum die Möglichkeit der umfassenderen Zugänglichkeit. Neben den Veränderungen der Juryverfahren, der Preisgelder und der Ausstellung wurde auch der Festakt neu konzipiert – es gibt ein ereignis- und kunstreiches Programm mit Performances, Tanz an der Museumsfassade, Jazzmusik und Live-Malaktion mit musikalischer Begleitung. Kurzum, es wird ein Fest der Kunst zu dem ALLE eingeladen sind.“

Der Brandenburgische Kunstpreis wird seit 2004 vergeben und geht auf eine Initiative der Märkischen Oderzeitung zurück. Von 2005 bis 2023 wurde die Auszeichnung von Werken der Malerei, Grafik und (Klein)-Plastik von der Märkischen Oderzeitung in Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg vergeben. Im Jahr 2024 wurde er erstmals vom Land Brandenburg in Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg vergeben. Nach einer Pause im vergangenen Jahr wird der neu konzipierte Preis nun vom Kulturministerium in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst sowie mit Unterstützung unabhängiger Jurys verliehen. Das Land stellt dafür insgesamt 55.000 Euro bereit. Der künftig alle zwei Jahre vergebene Preis richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, die mit ihrer Arbeit die herausragende zeitgenössische Kunstlandschaft Brandenburgs repräsentieren und eine starke Verbindung zum Land aufweisen – durch Wohnsitz, Atelier oder künstlerisches Schaffen.

Die Kunstpreise mit drei Einzelpreisen in Höhe von je 10.000 Euro zeichnen herausragende künstlerische Positionen aus, die künstlerische Qualität und Relevanz verbinden. Die Preise sind spartenoffen und sollen die Vielfalt der zeitgenössischen Kunst widerspiegeln. In diesem Jahr gehen die Preise an:

  • Maren Strack (geboren 1967 in Hamburg): Sie erhält den Kunstpreis für ein Werk, das Bildhauerei, Performance, Tanz, Film und Klang zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache verbindet. Mit Materialien wie Gummi, Luft, Metall, Textilien und Alltagsgegenständen entwickelt sie Arbeiten, in denen Bewegung, Rhythmus und Raum miteinander in Dialog treten. Nicht nur durch ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt im Landkreis Oberhavel, ist ihre Arbeit trotz internationaler Präsenz, tief in Brandenburg verwurzelt. Auch ihre Auseinandersetzungen mit spezifischen kulturellen Entwicklungen und Themen sind durch den Sozialraum ihres Arbeitsalltags geprägt.
  • Peter Rohn (geboren 1934 in Dresden): Der seit 1960 in Potsdam lebende Künstler erhält den Kunstpreis für sein künstlerisches Schaffen. In Malerei, Zeichnung und Text verbindet er persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen. Seine farbintensiven Bilder verknüpfen individuelle Wahrnehmung mit einem subtilen, humorvollen Blick auf Zeitgeschichte und schaffen Wirklichkeitsbilder, die von fantasiereichen Traumszenarien durchzogen sind.
  • Gabriele Konsor: Sie erhält den Kunstpreis für ihre künstlerische Arbeit im ländlichen Raum. Besonders aktiv an ihrem Wohn- und Lebensort im Havelland, begreift sie Landkultur als gemeinsame Gestaltungsaufgabe und schafft mit ihren kollektiven Arbeitsformen neue Perspektiven auf Landkultur, Gemeinschaft und gesellschaftliches Miteinander. Kunst ist hierbei eine ästhetische Praxis, die kollektive Erlebnis- und Identitätsmomente herstellt. Konsors Werke, die ihren Ausdruck in Zeichnungen, Installationen, Aktionen und Fotografien niederschlagen, markieren dabei oft den Ausgangspunkt für partizipatorische Projekte.

Der mit 15.000 Euro dotierte Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für ein Lebenswerk geht an die 1935 in Berlin geborene Künstlerin Christa Jeitner. Sie studierte Grafik, Malerei, textiles Gestalten und Kunstgeschichte an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin sowie Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit ihrem ersten Lebensjahr in Brandenburg lebend, entwickelt sie seit den 1960er Jahren die Nahtzeichnung als eigenständige künstlerische Ausdrucksform weiter und verbindet in ihrem Werk Grafik, Malerei und textile Materialien. Jeitner zählt zu den wichtigen Künstlerinnen der DDR sowie der Gegenwart. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit gesellschaftspolitischen Themen, Erinnerung und den Verbrechen der NS-Zeit auseinander. In der DDR gehörte sie zu den wenigen Künstlerinnen, die im regen Austausch mit polnischen Künstlerinnen und Literaten stand. Ihr umfangreiches Werk wurde regional, national und international ausgestellt und befindet sich unter anderem in den Sammlungen der Akademie der Künste Berlin, des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und des Getty Research Institute Los Angeles. Sie lebt und arbeitet in Ahrensfelde (Barnim).

Der als Stipendium in Höhe von 10.000 Euro vergebene Nachwuchsförderpreis der Kulturministerin geht in diesem Jahr an das kongolesisch-deutsche Künstler*innenduo Mukenge/Schellhammer. Lydia Schellhammer (geboren 1992 in Konstanz) und Christ Mukenge (geboren 1988 in Kinshasa) leben und arbeiten seit 2016 in Brandenburg an der Havel und in Kinshasa. In ihrer künstlerischen Arbeit verbinden sie kongolesische und westliche Maltraditionen und entwickeln Malerei im postdigitalen Zeitalter weiter. Ihre Werke umfassen Malerei, Zeichnung, Video, Performance sowie multimediale und installative Arbeiten. Aus der gemeinsamen Praxis entsteht eine eigenständige Bildsprache, die unterschiedliche kulturelle Erfahrungen und Perspektiven verbindet. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in Ausstellungen in Deutschland und international gezeigt.

Die Vergabe der fünf Kunstpreise erfolgte über zwei verschiedene Jurys:

  • Stefanie Plattner (Stiftungsrätin der Hasso Plattner Foundation, insbesondere für das Projekt DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam), Inka Schube (Kuratorin für Fotografie und Medienkunst am Sprengel Museum Hannover) und Christoph Tannert (freier Kurator) bildeten die Jury für die Vergabe der drei Kunstpreise, für die ein offenes Bewerbungsverfahren ausgelobt wurde.
  • Ulrike Kremeier (Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst), Adam Sevens (Künstler & Vorstand im Berufsverband Bildender Künstler:innen Brandenburg bbk e.V.) und Katrin Stahmleder (Geschäftsführerin der GEDOK Brandenburg – Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden e.V.) wählten aus den vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern die Preisträgerinnen und Preisträger für ein Lebenswerk sowie für die Nachwuchsförderung aus.

Weitere Informationen zu den Biografien der ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler gibt es in der Anlage.