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Das Annemirl Bauer Haus: 16.000 Werke in einem märkischen Dorfhaus

- Erschienen am 03.11.2026 - Presemitteilung 424
Das Haus der verstorbenen Künstlerin

Kulturministerin Dr. Manja Schüle hat heute gemeinsam mit Dr. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a. D., und Ulrike Kremeier, Direktorin des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLMK), das Annemirl Bauer Haus in Mühlenfließ, Potsdam-Mittelmark besucht. Im Anschluss zeigte sie sich beeindruckt:

„Annemirl Bauer war eine außergewöhnlich mutige Künstlerin, die mit ihrer Kunst und ihrem politischen Engagement Grenzen überschritten hat. 1984 forderte sie Reisefreiheit für alle DDR-Bürgerinnen und -Bürger – und bezahlte dafür mit dem Ausschluss aus dem Künstlerverband und der Verfolgung durch die Staatssicherheit. Ihr beeindruckendes Werk umfasst rund 16.000 Arbeiten. Dass ihre Tochter Amrei Bauer diesen einzigartigen Nachlass seit 37 Jahren mit enormem persönlichem Einsatz zusammenhält, verdient größten Respekt. Wir wollen gemeinsam mit dem Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst ausloten, wie das künstlerische Erbe langfristig gesichert und öffentlich zugänglich gemacht werden kann.“

Die 1939 geborene und 1989 verstorbene Annemirl Bauer gehörte zu den Regimekritikerinnen der DDR. Im Jahr 1984 forderte sie in einer Eingabe an den Verband Bildender Künstler ein Reiserecht für alle DDR-Bürgerinnen und -Bürger und protestierte gegen die Selbstschussanlagen an der Grenze. Daraufhin wurde sie aus dem Verband ausgeschlossen – was einem Berufsverbot gleichkam. Das Ministerium für Staatssicherheit führte gegen sie einen Operativen Vorgang mit dem Ziel der Zersetzung. Ihre Themen waren Geschlechterrollen und patriarchale Machtverhältnisse, Selbstbestimmung, Menschenrechte, Umweltzerstörung und staatliche Repression. Gemalt hat sie auf dem, was vorhanden war: auf Papier und Leinwand, aber auch auf Türen, Zimmerdecken, Fenstern, Teppichen und Amtsformularen. Arbeiten von ihr hängen in der Berlinischen Galerie, im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst und in der Kunstsammlung des Bundestages sowie aktuell im MINSK in Potsdam in der Ausstellung „Annemirl Bauer. Bruch ist in der Welt“.

Das Annemirl Bauer Haus im Mühlenfließer Ortsteil Niederwerbig widmet sich dem Leben und Werk der Künstlerin. Nach ihrem Tod begann ihre Tochter Amrei Bauer, den Nachlass zu bewahren, zu ordnen und öffentlich zugänglich zu machen – rund 16.000 Arbeiten, dazu Tagebücher, Dokumente und persönliche Gegenstände. Im ehemaligen Wohnhaus der Künstlerin werden ihre Arbeiten präsentiert sowie biografische und zeitgeschichtliche Zusammenhänge vermittelt.

Weitere Informationen: www.annemirlbauer.de