19.11.2018Kleist-Museum wird Landesstiftung

Neues Fenster: Bild - Kleist-Museum Frankfurt (Oder) - vergrößern Kleist-Museum Frankfurt (Oder) ©Horst Drewing

Kulturministerin Martina Münch hat heute in Potsdam gemeinsam mit René Wilke, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder), Dr. Hannah Lotte Lund, Direktorin des Kleist-Museums, und Dr. Hinrich Enderlein, Vorsitzender des Vereins ‘Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte‘, die konkreten Pläne zur Errichtung der Stiftung Kleist-Museum präsentiert. Das Kleist-Museum soll ab dem 01. Januar 2019 im Rahmen der Landesstiftung gesichert und weiter entwickelt werden. Der Landtag Brandenburg hat am 14. November 2018 dem Gesetz über die Errichtung der Stiftung einstimmig zugestimmt.

Kulturministerin Martina Münch verweist darauf, dass der 1777 in Frankfurt (Oder) geborene Heinrich von Kleist zu den bedeutsamsten Dramatikern und Schriftstellern aus Brandenburg gehört und ein wichtiger Teil der Kulturgeschichte des Landes ist. „Das weltweit einzige Museum über Heinrich von Kleist ist zugleich die größte Literaturgedenkstätte des Landes und ein kulturelles Aushängeschild Brandenburgs. Es verfügt über wertvolle Originaldokumente sowie eine einzigartige Kleist-Sammlung und leistet eine herausragende Arbeit in der Vermittlung von seinem Werk. Mit der Landesstiftung wollen wir die wissenschaftliche Arbeit und die öffentliche Wahrnehmung des Museums stärken, die Aktivitäten zur kulturellen Teilhabe ausbauen sowie innovative Projekte und Ausstellungen ermöglichen. Mit der neuen öffentlich-rechtlichen Stiftung übernimmt das Land eine erhebliche zusätzliche Verantwortung für die bedeutende Kultureinrichtung in Frankfurt (Oder)“, so Münch. „Mit der Gründung der Landesstiftung Kleist-Museum setzen wir unseren Weg fort, die herausragenden Kultureinrichtungen gemeinsam mit den Kommunen im Land zu sichern und weiterzuentwickeln sowie allen Brandenburgerinnen und Brandenburgern Zugang zu attraktiven kulturellen Angeboten zu ermöglichen. Bereits im Juli 2017 haben wir das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst gegründet, im Herbst 2017 wurden die Landesbühnen gestartet und seit Januar 2018 kümmert sich die Landesstiftung Park und Schloss Branitz um das Pückler-Erbe. All diese Einrichtungen setzen in hervorragender Weise wichtige Aspekte unserer kulturpolitischen Strategie um: Kulturelle Teilhabe vor Ort, Bewahrung regionaler Identität und Stärkung des Kulturtourismus.“

René Wilke, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder): „Jetzt, wo das Land Brandenburg mehr Verantwortung für das Kleist-Museum übernimmt, werden wir uns gewiss nicht zurückziehen. Vielmehr wollen wir, dass die weitere Entwicklung des Museums für die gesamte Stadt Früchte trägt und freuen uns darauf, in Zukunft noch mehr gemeinsame Projekte zu entwickeln und umzusetzen.“

Dr. Hannah Lotte Lund, Direktorin des Kleist-Museums: „Das Stiftungsgesetz ist für das Kleist-Museum Planungsgrundlage für die Aufgaben der Zukunft, als Ort der Kleist-Forschung und der kulturellen Teilhabe. Dafür wollen wir uns, wie Kleist sagt, mit ‘unserem ganzen Gewicht in die Waage der Zeit werfen‘.“

Dr. Hinrich Enderlein, Vorsitzender des Vereins ‘Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte‘: Seit ich vor zwölf Jahren den Vorsitz des Trägervereins übernommen habe, war mir klar, dass nur eine Landesstiftung die angemessene Trägerform für das Kleist-Museum sein kann. Ich freue mich riesig, dass das jetzt so einvernehmlich geklappt hat!“

Die Stiftung Kleist-Museum wird sich künftig aus dem Vorstand mit der geschäftsführenden Direktorin sowie dem Stiftungsrat mit Vertretern des Bundes, des Landes, der Stadt Frankfurt (Oder), des Landkreises Oder-Spree und des Landtages Brandenburg zusammensetzen. Ein Fachbeirat wird die Stiftung beraten. Das Land wird seine finanzielle Unterstützung für das Kleist-Museum ab dem kommenden Jahr von bislang 248.000 auf dann rund 500.000 Euro pro Jahr verdoppeln. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien erhöht die Förderung des Bundes von 253.000 Euro in diesem Jahr auf 357.000 Euro im kommenden Jahr. Dadurch kann die Stadt Frankfurt (Oder) künftig entlastet werden: Sie wird das Kleist-Museum ab 2019 mit 80.000 Euro pro Jahr statt bislang mehr als 100.000 Euro unterstützen. Die entsprechende Verwaltungsvereinbarung über die gemeinsame Finanzierung werden Stadt, Land und Bund in Kürze unterzeichnen. Der Stiftung Kleist-Museum stehen damit im kommenden Jahr 937.000 Euro statt bislang 608.000 Euro zur Verfügung. Mit den zusätzlichen Mitteln sollen unter anderem drei neue Stellen in den Bereichen Marketing, Museumspädagogik und Forschung finanziert werden. Das bisher im Eigentum der Stadt Frankfurt (Oder) befindliche Gebäude und Grundstück des Museums sowie das im Eigentum des Trägervereins ‘Kleist- Gedenk- und Forschungsstätte‘ stehende bewegliche Vermögen mit der Sammlung und dem Inventar werden in die Stiftung überführt.

Das Kleist-Museum bewahrt, sammelt, erschließt, erforscht und präsentiert Leben, Werk und Wirkung von Heinrich von Kleist. Es verfügt über eine umfangreiche Sammlung sowie eine Spezial- und Forschungsbibliothek mit etwa 10.000 Bänden. In den Jahren 1922/23 wurde im Geburtshaus des Dichters das erste Museum eingerichtet, 1937 wurde es in das Oderland-Museum integriert. Beide Gebäude brannten im April 1945 nieder. Nach Kriegsende wurde eine neue Sammlung aufgebaut, 1969 wurde die ‘Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte‘ eröffnet. Im Oktober 1995 wurde der Verein ‘Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte‘ gegründet, der seither Träger des Kleist-Museums ist. Der Verein gibt die Trägerschaft mit Gründung der Stiftung an diese ab. Im Museum finden regelmäßig Lesungen, Vorträge und literarisch-musikalische Veranstaltungen sowie die Kleistfesttage statt. Das Kleist-Museum ist als ‘kultureller Gedächtnisort von nationaler Bedeutung‘ im Blaubuch der Bundesregierung, einer Bestandsaufnahme national bedeutsamer Kultureinrichtungen der neuen Bundesländer, verzeichnet.

Das Literaturland Brandenburg hat eine reiche Literaturgeschichte und eine lebendige Gegenwartsliteratur. Dazu zählen ‘klassische‘ Autoren wie Heinrich von Kleist, Theodor Fontane, Gerhart Hauptmann, Bettina und Achim von Arnim, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht und Peter Huchel ebenso wie die zeitgenössischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller Lutz Seiler, Antje Rávic Strubel, Julia Schoch und Juli Zeh. Das Land unterstützt das literarische Leben: Gefördert werden sowohl Autoren mit Stipendien und Preisen als auch überregional wirksame Vereine und Netzwerke sowie zahlreiche literarische Gedenkstätten – neben dem Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) unter anderem auch das Gerhart-Hauptmann-Museum, das Peter-Huchel-Haus in Wilhelmshorst und das Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum in Rheinsberg.

Das Land entwickelt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Abstimmung mit den Kommunen und weiteren Partnern Strukturen und Konzepte zur Sicherung der großen Kultureinrichtungen und stellt dafür erhebliche zusätzliche Mittel zur Verfügung:

  • Am 01. Juli 2017 wurde das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst als Fusion des Kunstmuseums Dieselkraftwerk in Cottbus und des Museums Junge Kunst in Frankfurt (Oder) gegründet. Das Land hat seine bisherige Finanzierung ab 2018 um rund 450.000 Euro auf künftig 1,3 Millionen Euro jährlich für die neue gemeinsame Einrichtung erhöht.
  • Seit der Spielzeit 2017/18 zeigen die neue Bühne Senftenberg (nBS) und die Uckermärkischen Bühnen Schwedt (ubs) als Landesbühnen Südbrandenburg und Nordbrandenburg ihre Inszenierungen und weitere kulturelle Angebote verstärkt in weiteren brandenburgischen Städten. Das Land stellt dafür in diesem Jahr rund 260.000 Euro für zusätzliches Personal und Kosten der Gastspiele bereit.
  • Seit dem 01. Januar 2018 kümmert sich die Landesstiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz um das überregional bedeutende Kulturerbe von Park und Schloss Branitz. Das Land unterstützt die Stiftung seit diesem Jahr mit rund 2,05 Millionen Euro jährlich – mehr als viermal so viel wie bisher.

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