03.01.2018Rund 39 Millionen Euro für Denkmale in Brandenburg

Kulturministerin Martina Münch und Infrastrukturministerin Kathrin Schneider haben heute in Potsdam gemeinsam mit Landeskonservator Thomas Drachenberg, dem amtierenden Gubener Bürgermeister Fred Mahro sowie Andreas Ströbl von der Forschungsstelle Gruft in Lübeck eine Bilanz und einen Ausblick zur Denkmal-Förderung in Brandenburg präsentiert. Im zu Ende gegangenen Jahr 2017 wurden insgesamt rund 39 Millionen Euro aus Mitteln des Kulturministeriums und des Infrastrukturministeriums in die Sicherung, Sanierung und Restaurierung von Denkmalen investiert, mehr als 3 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Kulturministerin Martina Münch: „Die Denkmalförderung wirkt in allen Regionen Brandenburgs. Die zahlreichen Gutshäuser, Kirchen, Industriebauten und Wohnhäuser sind nicht nur einmalige Zeugnisse der Geschichte und Teil der Identität unseres Landes – sie sind aufgrund ihrer Authentizität besonders geeignet, Kinder und Jugendliche aber auch Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln mit unserer Geschichte und Kultur in Berührung zu bringen. Damit spielt unser baukulturelles Erbe beim Europäischen Kulturerbejahr 2018 eine herausragende Rolle“, so Münch. Das vielseitige und unterschiedliche kulturelle Erbe ist Teil unserer europäischen Geschichte und Grundpfeiler unserer kulturellen Vielfalt. Das Kulturerbejahr bietet eine einmalige Gelegenheit, die Kultur und Geschichte in Europa neu zu entdecken und mit Leben zu füllen. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in Europa und weltweit können wir mit dem Kulturerbejahr das Verbindende unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln und zugleich die kulturelle Vielfalt des Kontinents in den Blickpunkt rücken – und wieder ‘Lust‘ auf Europa machen.“

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider: „Mit dem Förderprogramm zum städtebaulichen Denkmalschutz haben wir den Erhalt von historischen Gebäuden und Plätzen mit 24 Millionen Euro unterstützt. Es entstehen Wohnungen für Senioren oder Familien – in die frisch sanierten Gebäude ziehen aber auch soziale Einrichtungen. So bringen wir neues Leben in die Häuser und tragen dazu bei, dass auch die Städte lebendiger werden. Dies ist eines unserer Ziele der Strategie Stadtentwicklung und Wohnen. Die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude kann auch mit Mitteln aus anderen Programmen der Städtebauförderung unterstützt werden. Die Villa Cohn in Guben ist dafür ein Beispiel.“

 

Landeskonservator Thomas Drachenberg: „Denkmalpflegerisch wichtig sind kontinuierlich fließende Mittel für die Restaurierung und Sicherung der Denkmale des Landes Brandenburg. Die denkmalfachliche Beratung sichert dabei die Qualität der Projekte.“

 

Der amtierende Gubener Bürgermeister Fred Mahro: „Das historische und städtebaulich wertvolle, ehemals als Wohnhaus genutzte Gebäude erstrahlt nach der umfangreichen mit viel ‘Herzblut‘ durchgeführten Sanierung unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Aspekte wieder in altem Glanz. Ich bin froh und stolz zugleich, dass unsere Stadt wieder ein solches Kleinod im Stadtbild besitzt. Den Mietern in diesem Schmuckstück, das inzwischen zu 100 Prozent vermietet ist, kann ich zu ihrer Entscheidung, dort zu wohnen, nur gratulieren.“

Andreas Ströbl von der Forschungsstelle Gruft in Lübeck verwies auf die Bedeutung der Prunksärge in der Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack: „Die Saldern-Särge in der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche sind einzigartige Kulturdenkmäler ersten Ranges. Das Ensemble aus neun Särgen aus der Zeit von 1697 bis um 1900 könnte vielfältiger kaum sein und bietet geradezu bilderbuchartige Einblicke in die Stilgeschichte vom Hochbarock bis zum Historismus.“

Das Kulturministerium hat die Erhaltung und Sanierung von Denkmalen im Jahr 2017 mit rund 15 Millionen Euro unterstützt. Davon flossen rund 2 Millionen Euro in die Denkmalförderprogramme des Ministeriums:

  • Mit rund 1 Million Euro wurde das Bundesprogramm zur Erhaltung national bedeutender Denkmale kofinanziert. Damit wurden Sanierungen an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack, der Friedenskirche in Potsdam, der Borsighalle in Eberswalde, der Rennbahn in Hoppegarten, der Klosterkirche in Zinna, der Hyparschale in Templin und am Südwestkirchhof in Stahnsdorf gefördert.
  • Zudem standen im Rahmen der Denkmalhilfe Landesmittel in Höhe von
    1 Million Euro zur Sicherung von bedrohten Denkmalen zur Verfügung. Damit konnten 29 dringende Sanierungs- und Sicherungs-Projekte gefördert werden, darunter Sanierungsmaßnahmen am Deichhof in Garsedow und der Kirche in Bloischdorf, Restaurierungsarbeiten an der Dorfkirche in Rogäsen und am Mausoleum Moschel in Angermünde, archäologische Forschungsgrabungen in Gorz und Seddin und Restaurierungsmaßnahmen an historischen Särgen in der Wunderblutkirche Bad Wilsnack. In diesem Jahr stehen erneut 1 Million Euro für die Denkmalhilfe bereit.

Die Stiftungen erhielten rund 10,2 Millionen Euro für den Erhalt ihrer Bausubstanz:

  • Rund 9,1 Millionen erhielt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für den Erhalt ihrer historischen Bauten und Gartenanlagen.
  • Rund 1,1 Millionen Euro flossen an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten für die Sanierung des historischen Baubestandes.

 

Mit rund 2,88 Millionen Euro wurden Kirchen und Religionsgemeinschaften im vergangenen Jahr bei der Sanierung von sakralen Gebäuden gefördert:

  • Der Großteil der Mittel – rund 1,45 Millionen      Euro – ging im Rahmen des Staatskirchenvertrages an die Evangelische Kirche      Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Damit konnten 24 Kirchensanierungen      gefördert werden. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland erhielt      138.000 Euro. Rund 973.000 Euro gingen an den Brandenburger Dom.
  • Die Katholische Kirche erhielt rund 55.000      Euro für drei Einzelvorhaben im Erzbistum Berlin.
  • Der Landesverband der Jüdischen Gemeinden im      Land Brandenburg erhielt rund 43.000 Euro für ein Einzelvorhaben.
  • Die Selbständige Evangelisch-Lutherische      Kirche erhielt 20.000 Euro für ein Einzelvorhaben.

 

Das Infrastrukturministerium hat allein aus dem Programm städtebaulicher Denkmalschutz im vergangenen Jahr insgesamt knapp 24 Millionen Euro bewilligt. Damit wurden 37 Vorhaben in 31 Kommunen unterstützt. Seit 1991 wurden für die Sanierung und Erhaltung des Bestands historischer Gebäude etwa 778 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung gestellt. Dank der Städtebau- und Wohnraumförderung konnte der Verfall der historischen Gebäudesubstanz im Land Brandenburg weitgehend gestoppt werden. Dies ist auch dem Engagement von privaten Investoren, Wohnungswirtschaft, Landkreisen und Kommunen zu verdanken.

Die Villa Cohn in der Alten Poststraße 61 in Guben steht unter Denkmalschutz. Das Haus wurde 2009 von Investoren gekauft, nachdem es 20 Jahre leer gestanden hatte und sich in einem ruinösen Zustand befand. Inzwischen ist das Gebäude vollständig restauriert. Auf vier Etagen sind zehn barrierefreie Wohnungen für Senioren entstanden. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Villa betrugen etwa 1,9 Millionen Euro. Unterstützt wurde das Projekt mit mehr als 900.000 Euro aus dem Bund-Länder-Programm Stadtumbau. Das restaurierte Einzeldenkmal wurde um 1875 im Stil des Spätklassizismus errichtet. Es zählt zu den ältesten Zeugnissen der Gubener Villenarchitektur westlich der Neiße. Die Villa korrespondierte lange Zeit mit dem 1874 errichteten und nach 1946 abgerissenen Stadttheater auf der Schützeninsel. Heute zählt es zu den wichtigen Zeugnissen der Baugeschichte Gubens. Weitere Informationen: www.cohn-1860.de/webcam.html

Weitere Beispiele für Projekte, die mit Mitteln der Städtebauförderung gefördert wurden, gibt es unter: www.mil.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.150657.de

 

Die Prunksärge in der Wunderblutkirche St. Nikolai in Bad Wilsnack (Landkreis Prignitz) mit neun sehr unterschiedlichen Holzsärgen aus der Zeit von etwa 1700 bis um 1900 sind besondere Zeugnisse neuzeitlicher Bestattungskultur und bieten bilderbuchartige Einblicke in die Stilgeschichte vom Hochbarock bis zum Historismus. Der älteste Sarg des Bestandes gehört Ottilia Elisabeth von Bismarck, die 1695 starb – ihr Mann hatte die Kanzel nach ihrem Tod mit den Wappen der Familien von Bismarck und von Saldern gestiftet. Die Särge lagerten jahrzehntelang in einer zwischenzeitlich fast vergessenen Familiengruft im nördlichen Teil der Sakristei sowie auf der sogenannten Gesellenempore im südlichen Querhaus und waren durch Feuchtigkeit und Vandalismus stark beschädigt. Die Restaurierung der Prunksärge wurde mit 50.000 € aus der Denkmalhilfe gefördert. Fotos zur Restaurierung der Prunksärge sind eine Woche lang unter folgendem Link abrufbar: https://we.tl/9djvE6lQ3v

 

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 unter dem Motto ‘SHARING HERITAGE‘ geht auf eine Initiative des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz sowie des Bundes, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zurück. Die digitale Plattform www.sharingheritage.de ist die zentrale Anlaufstelle für alle Aktivitäten rund um das Kulturerbejahr. Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz wurde 1973 gegründet. Seit März 2016 ist Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch Präsidentin des Komitees.

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