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Stein auf Stein - Der Ringofen

Neues Fenster: Bild - Ringofen - vergrößern ©Jürgen Wackerman

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte fällt zwischen den Gräbern berühmter Menschen eine imposante Familiengrabstätte auf, die der Mann, der in ihr ruht, selbst entworfen hat. Die Ziegel und farbigen Terrakotten stammen aus seiner eigenen Ziegelei und aus einem Brennofen, den er selber entwickelt hat. Die Rede ist von Friedrich Eduard Hoffmann (1818–1900), der 1858 den sogenannten Ringofen zum Patent anmeldete.

Lehmziegel sind der älteste von Menschen geschaffene Baustoff. Ein Beispiel für die kunstvolle Ziegeleiarchitektur Mesopotamiens ist im Berliner Pergamonmuseum zu bewundern: das 2.500 Jahre alte prachtvolle Ischtar-Tor aus farbig glasierten Ziegeln, ein Teil der Stadtmauer von Babylon. Die Herstellung der Ziegel blieb über Jahrtausende hin gleich: Von Hand gestrichen, wurden sie in periodisch brennenden Öfen gebrannt. Erst im 19. Jahrhundert sollte sich das ändern. Der Bedarf an Baumaterialien gerade in den großen Städten hatte immens zugenommen. In Berlin belieferten weit über 1.000 Ziegeleien vor allem aus dem westlichen Umland, aber auch eine Vielzahl temporärer Ziegeleien direkt in der Stadt die Baustellen. Maschinen übernahmen jetzt die Ziegelformung, der Abtransport erfolgte über Schienen. Eine Reihe von Tüftlern machte sich daran, auch den Brennprozess zu rationalisieren. Denn noch immer musste bei jedem Produktionsvorgang eine „Ofenreise“, also ein Brennvorgang mit Erhitzen, Brennen und Abkühlen, komplett abgeschlossen werden. Das kostete Zeit und Energie. Neues Fenster: Bild vergrößern ©Lothar Schya/Dieter Reiche

Die Idee des Berliner Baumeisters Hoffmann war einfach, aber genial: Er ordnete eine Reihe von Brennkammern im Kreis an. Durch diese ließ er das Feuer hindurchwandern. War der Brennvorgang in einer Kammer abgeschlossen, wurde die nächste mit Brennstoff beschickt. Durch geschickt angelegte Luftkanäle erwärmten die gerade gebrannten Ziegel die Zuluft für das Feuer, trockneten und wärmten die noch ungebrannten Rohlinge vor. Gegenüber der beheizten befanden sich die jeweils kühlsten Kammern. Hier konnten die fertigen Ziegel entnommen und neue Rohlinge aufgefüllt werden. Das Feuer benötigte ein bis zwei Wochen, um die zehn bis 16 Kammern zu durchwandern. Jetzt endlich war kontinuierliche Arbeit mit wesentlich weniger Energiezufuhr und mit gleichbleibender Qualität möglich.

Der Ofen, an dem in der Folge noch einige Verbesserungen vorgenommen wurden und dessen Form zum Oval abgewandelt wurde, revolutionierte die Ziegelherstellung grundlegend. In weniger als 15 Jahren erbaute Hoffmann, der für ca. 30 Staaten das Patent darauf hatte, mit seinem ziegeltechnischen Planungsbüro um die 1.000 Ringöfen. Ihre wirtschaftliche Bedeutung lässt sich an der Vielzahl von Preisen ablesen, die Hoffmann in Berlin, London, Paris, Chicago erhielt – aber auch daran, dass es bald Patentrechtsstreitigkeiten gab, in dem ein Berliner Konkurrent nicht zu Unrecht auf die verschiedenen Vorläufer des Hoffmannschen Ofens hinwies. Im Ergebnis entzog Österreich Hoffmann das Patent kurzzeitig, und prompt brachte sein Widersacher seinerseits einen eigenen, sich nur unwesentlich unterscheidenden Ringofen auf den Markt.

Wie auch immer: Das Hoffmannsche Prinzip der Ziegelherstellung hielt sich fast ein Jahrhundert. Das letzte Patent auf eine technische Verbesserung wurde 1951 angemeldet. Erst ab Mitte der 1950er Jahre wurden die Ringöfen durch sogenannte Tunnelöfen abgelöst, in denen nicht mehr das Feuer, sondern das Brenngut wandert.

Im Märkischen Ziegeleimuseum Glindow befinden sich die einzigen in Europa noch originalgetreu erhaltenen, kreisrunden Ringöfen, wie sie in der Hoffmannschen Patentschrift dargestellt sind. Verbunden sind sie, abweichend vom Prototyp, mit einem gemeinsamen Schornstein. Einer von ihnen wird noch immer für die Herstellung von Ziegeln, die vor allem in der Denkmalpflege Verwendung finden, genutzt.

Friedrich Eduard Hoffmann

Die Vielfalt der wirtschaftlichen Aktivitäten Hoffmanns ist enorm. Neben seinen Ziegeleien und Baustoffwerken besaß er in der Lausitz eine eigene Brikettfabrik, die seine Werke mit Brennstoffen versorgte. Er war finanziell an einer Dachpappen- und Asphaltfabrik in Eberswalde beteiligt, betrieb aber auch Kaffee- und Tabakanbau in Deutsch-Ostafrika. Daneben gründete er eine Reihe von Vereinen für die Baubranche, Fachzeitschriften und eine Zieglerschule. Außerdem regte er die Gründung einer Königlichen Prüfanstalt für Baumaterialien an, die 1870 bis 1875 entstand und noch heute in Form der Bundesanstalt für Materialprüfung existiert. Bei all dem leiteten ihn nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale Interessen. So war er, nachdem er für seine eigenen Angestellten schon lange vorher eine Kranken- und Unterstützungskasse eingerichtet hatte, maßgeblich an der Gründung einer Ziegelei-Berufsgenossenschaft beteiligt.

Seine Brüder übrigens waren ebenfalls im Baugewerbe tätig, der eine, Eduard Hermann „Scheunen-Hoffmann“, hat sich um die Errichtung feuerfester Scheunen verdient gemacht, der andere, Carl Wilhelm, war der Baumeister des Neuen Museums in Berlin. Beide dürften Ziegel aus der Produktion ihres Bruders verwendet haben.

Dieser Text stammt aus dem Buch: "Genial - Erfindungen aus Berlin und Brandenburg" von Petra Kabus und Constanze Schröder, erschienen im CULTURCONmedien-Verlag. (www.culturcon.de)