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13.06.2022

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Das Oderbruch ist europäisches Kulturerbe!

Kulturerbe Oderbruch ©Patrick Pleul/dpa-Zentralbild
Kulturerbe Oderbruch ©Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Das Oderbruch im Land Brandenburg ist ab heute offiziell europäisches Kulturerbe! Das Projekt ‘Das Oderbruch – Menschen machen Landschaft‘ erhält heute Abend das Europäische Kulturerbe-Siegel. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle nimmt gemeinsam mit Landrat Gernot Schmidt und der Delegation der Preisträger aus dem Landkreis Märkisch-Oderland am Festakt zur offiziellen Übergabe des Europäischen Kulturerbe-Siegels für das Oderbruch in Brüssel teil.

Kulturministerin Manja Schüle:

„Das Oderbruch ist eine einzigartige Kulturlandschaft, an der sich europäisches Kulturerbe besonders spannend nachvollziehen lässt: Menschen aus ganz Europa haben es in den vergangenen Jahrhunderten mit ihrem Wissen und ihrem Einsatz urbar gemacht, gestaltet und bereichert – ein eindrucksvolles Beispiel gelungener Integration. In der wechselvollen Entwicklung der Region spiegelt sich eindrücklich europäische Kultur-, Geistes- und Wirtschaftsgeschichte wider. Der Landkreis, das Oderbruch Museum Altranft, zahlreiche Kommunen sowie unzählige Einrichtungen, Vereine, Betriebe und Menschen haben in den vergangenen Jahren mit großer Kreativität und hohem Engagement dieses kulturelle Erbe aufgegriffen und weiterentwickelt. Damit zeigen sie: Brandenburgische Geschichte schafft nicht nur Identität vor Ort – sie weist auch in die Zukunft und steht für ein modernes Europa.“

Landrat Gernot Schmidt:

„Das Oderbruch gehört zu den schönsten Regionen Brandenburgs. Es ist der größte besiedelte Flusspolder Europas und die Keimzelle klassischer europäischer Tugenden wie Fleiß, Zuwanderung und Freiheit. Die Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels ist eine besondere Ehre für die Region. Sie setzt ein Zeichen für die Menschen, die hier ihre Heimat haben und die Region mit Leben und Sinn erfüllen. Viel Herzblut und Tatkraft haben diese Auszeichnung ermöglicht. Mein Dank gilt den vielen Unterstützern in den Dörfern, der kommunalen Familie und im Land.“

Kenneth Anders, Programmleiter am Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur:

„Die Arbeit an der Bewerbung auf das Europäische Kulturerbe-Siegel war für alle Beteiligten – in der Region und bis in die Landesebene hinein – ein Gewinn. Wenn man gemeinsam eine kluge und attraktive Beschreibung der eigenen Landschaft entwickelt, wird Kultur zu einer Form der Regionalentwicklung. Dass dieser Weg nun auch über einen solchen Meilenstein wie die Auszeichnung als Europäisches Kulturerbe führt, empfinden wir als großen Erfolg.“

Das Oderbruch ist ein prägnantes Beispiel für die menschliche Formung von Landschaften in der europäischen Geschichte. Als klar abgrenzbarer und mit rund fast 1.000 Quadratkilometern größter besiedelter Flusspolder Europas verfügt es über ein raumübergreifendes Wassersystem, das technische Elemente aus mehr als 250 Jahren integriert. Die Siedlungsgeschichte des Oderbruchs zeigt sich in einer außergewöhnlich hohen Dichte an gut erhaltenen Baudenkmalen und ist in Fischerdörfern, Kolonistendörfern und Loose-Gehöften bis heute deutlich erkennbar. Im Selbstverständnis freier, ihre Existenz selbst verantwortender Menschen, prägen die Kolonisten auch in der Gegenwart eine ländliche Demokratie, die sich durch eine hohe kulturelle und kommunalpolitische Vitalität auszeichnet. Seit der Preußischen Binnenkolonisation im 18. Jahrhundert ist die Bevölkerung des Oderbruchs bis heute immer wieder durch Zuwanderung bereichert worden.

Die Bewerbung wurde über mehrere Jahre von der kommunalen Arbeitsgemeinschaft ‘Kulturerbe Oderbruch‘, der rund 20 Kommunen angehören, entwickelt. Das Oderbruch Museum Altranft – Werkstatt für ländliche Kultur fungierte dabei als Fach- und Koordinationsstelle. Im Rahmen einer Förderung durch die Kulturstiftung des Bundes hat das Oderbruch Museum in den vergangenen Jahren einen Transformationsprozess durchlaufen und das europäische Kulturerbe einzelner Orte und der gesamten Kulturlandschaft herausgearbeitet und sichtbar gemacht. Die Kulturstiftung hat diesen Transformationsprozess über fünf Jahre mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro finanziert. Das Kulturministerium hat die Neuausrichtung des Museums mit insgesamt 45.000 Euro gefördert, weitere rund 36.000 Euro gab es für das digitale Projekt ‘100 Objekte Oderbruch‘ im Rahmen des Förderprogramms zur Digitalisierung des kulturellen Erbes. Gegenwärtig fördert das Kulturministerium das Oderbruch Museum Altranft im Rahmen der Förderrichtlinie Regionale Kulturelle Ankerpunkte im ländlichen Raum mit einer dreijährigen Förderung bis Ende 2024 mit mehr als 400.000 Euro. Mit der Ankerpunkt-Förderung sollen die in den vergangenen Jahren im Oderbruch angeschobenen Prozesse sowie die Netzwerkarbeit gefestigt und weiter gestärkt werden. Weitere Informationen: www.oderbruchmuseum.de

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel zeichnet die Europäische Kommission seit 2011 kulturelle Stätten aus, die die europäische Einigung, die gemeinsamen Werte sowie die Geschichte und Kultur der EU symbolisieren. Ziel ist es, das Zugehörigkeitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zur Europäischen Union zu stärken, den Zugang zum europäischen Kulturerbe zu erleichtern und das Bewusstsein für eine europäische Identität zu erweitern. Das Verfahren zur Auswahl der Stätten erfolgt in zwei Stufen: Zunächst wird auf nationaler Ebene eine Vorauswahl der Stätten getroffen – das übernimmt in Deutschland die Kultur-Ministerkonferenz nach Empfehlungen eines Expertengremiums. Danach trifft auf Ebene der Europäischen Union eine europäische Fachjury die endgültige Auswahl. Bislang wurden in Deutschland unter anderen das Hambacher Schloss, die Rathäuser von Münster und Osnabrück als Stätten des Westfälischen Friedens und die Musikerbe-Stätten Leipzigs mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. In der Begründung der Europäischen Kommission für die Auszeichnung des Oderbruchs heißt es:

„Das Oderbruch als Kulturlandschaft ist von großem symbolischen Wert für Europa und hat eine signifikante Rolle in der Geschichte und für die Kultur Europas gespielt.“