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02.02.2019Gedenken an Opfer des früheren KZ-Außenlagers Lieberose

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Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat heute mit einer Rede in Lieberose (Landkreis Dahme-Spreewald) der Auflösung des früheren KZ-Außenlagers Lieberose vor 74 Jahren gedacht. „In dem Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen mussten bis zu 10.000 Häftlinge, in der Mehrzahl Juden, unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, unzählige starben aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen oder wurden brutal ermordet. Wir erinnern in diesen Tagen an die Menschen, die nach Jamlitz-Lieberose – aber auch an andere Schreckensorte wie Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Buchenwald und Dachau – verschleppt wurden. Wir erinnern an die Millionen von Opfern in den Vernichtungslagern Auschwitz, Treblinka, Majdanek und Sobibór. Wir gedenken aller Opfer: Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, psychisch Kranke, körperlich Beeinträchtigte, Menschen aus den besetzten Staaten Europas sowie Kriegsgefangene aus der Sowjetunion – sie alle waren Opfer der menschenverachtenden NS-Ideologie. Unzählige Menschen starben durch Hunger, Erschöpfung, durch Krankheiten, Kälte, durch schwerste Misshandlungen, Hinrichtungen, medizinische Experimente und Massentötungen. Lager wie Jamlitz-Lieberose stehen für schlimmste Zerstörungen der Individualität und der Humanität – hier wurden Menschen systematisch erniedrigt und ihrer Würde beraubt“, so Gutheil. „Gedenk- und Erinnerungsorte wie in Lieberose haben eine herausgehobene Bedeutung in der Erinnerungskultur des Landes. Diese Orte sind eine Mahnung, was passiert, wenn einer Gesellschaft Menschlichkeit, Empathie und Toleranz verloren gehen. Und sie machen deutlich, dass Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit in unserem Land nicht verhandelbar sind. Dafür lohnt es sich auch in Zukunft mit aller Entschlossenheit und Kraft zu kämpfen.“

Die Gedenkveranstaltung fand im Zusammenhang mit dem Tag der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar statt und wurde vom ‘Verein zur Förderung der Antifaschistischen Mahn- und Gedenkstätte Lieberose‘ organisiert.

Das Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen in Jamlitz wurde 1943 während des Aufbaus des SS-Truppenübungsplatzes ‘Kurmark‘ errichtet. Bis zu 10.000 Häftlinge, darunter überwiegend Juden, mussten hier bis zur Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Arbeitsunfähige wurden nach Auschwitz deportiert. Bei der Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 wurden 1.342 kranke und marschunfähige Häftlinge von der SS erschossen. Rund 1.500 Häftlinge trieb die SS auf einen etwa 200 Kilometer langen Todesmarsch in das Hauptlager Sachsenhausen, in dessen Verlauf weitere Häftlinge umkamen oder erschossen wurden. Nach der Ankunft im Hauptlager selektierte die SS erneut hunderte Häftlinge und ermordete sie.

Ein Teil der Anfang Februar 1945 ermordeten Opfer wurde in der Nähe des Dorfes Staakow in einer Kiesgrube verscharrt. Nachdem Bauarbeiter dort im Jahr 1971 insgesamt 577 Skelette entdeckt hatten, wurde eine Urne mit ihrer Asche am Rande des Friedhofs im fünf Kilometer entfernten Lieberose beigesetzt. Im Jahr 1973 wurde an dieser Stelle ein antifaschistisches Mahnmal eingeweiht, 1982 wurde unweit des Mahnmals das Museum der KZ-Gedenkstätte Lieberose eröffnet.

In Jamlitz, wo sich das KZ-Außenlager befand, gibt es seit dem Jahr 2003 eine Dokumentationsstätte mit einer Freiluftausstellung zum früheren Konzentrationslager sowie zum 1945 vom sowjetischen Geheimdienst NKWD eingerichteten Speziallager Nr. 6 Jamlitz, in dem bis 1947 mehr als 10.000 Personen inhaftiert waren. Im Jahr 2009 wurde ein jüdischer Friedhof für die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose in der benachbarten Gemeinde Schenkendöbern (Landkreis Spree-Neiße) eingeweiht. Die Dokumentations- und Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose ist im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Kulturministeriums um einen Gedenkort für die Opfer des Massakers vom Februar 1945 erweitert worden.

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