12.11.2018Erster ‘Mina Witkojc‘-Preis geht an Kita ‘Mato Rizo‘ in Cottbus

Neues Fenster: Bild - sorbische Fähnchen - vergrößern ©Miriam Schönbach/dpa-Zentralbild/dpa

Der erstmals ausgeschriebene ‘Mina Witkojc‘-Preis des Landes Brandenburg geht an die Witaj-Kita ’Mato Rizo’ in Cottbus. Die Beauftragte für Angelegenheiten der Sorben/Wenden des Landes Brandenburg, Kultur- und Wissenschaftsstaatssekretärin Ulrike Gutheil, wird den Preis am Samstag, den 24. November, um 14.30 Uhr in der Mina Witkojc-Grund- und Oberschule in Burg/Bórkowy (Landkreis Spree-Neiße) verleihen.

Staatssekretärin Gutheil gratuliert der Kita zur Auszeichnung: „Die Cottbuser Kita ’Mato Rizo’ hat in den vergangenen 20 Jahren Hunderte von Kindern in der sorbischen/wendischen Sprache ‘willkommen geheißen‘. Im Jahr 1998 war sie mit ihrem bilingualen Witaj-Programm eine Vorreiterin – heute wird das Witaj-Programm an acht Kitas und sechs Grundschulen in Brandenburg angeboten. Die Kita ’Mato Rizo’ hat damit maßgeblich die weitere sprachliche Revitalisierung des Sorbischen/Wendischen in der Niederlausitz befördert und dazu beigetragen, Geschichte, Sprache, Kultur und Traditionen der in der Lausitz lebenden Sorben/Wenden zu bewahren und bekannt zu machen – dafür erhält sie zu Recht den erstmals verliehenen ‘Mina Witkojc‘-Preis des Landes Brandenburg. Ich gratuliere der Kita, dem Erzieher-Team, dem Träger und allen früheren Begleitern sowie den Eltern und Kindern zu dieser Auszeichnung. Der Preis soll eine Ermutigung sein, den Witaj-Weg weiter zu gehen“, so Gutheil. „Mit der mit 2.500 Euro dotierten Ehrung würdigen wir erstmals sorbisches/wendisches sprachliches Engagement im Land Brandenburg. Wir wollen damit der Sprache und der Kultur der Wenden eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit verschaffen und deutlich machen, dass diese ein zentraler Teil der Lausitzer Identität und Heimat sind. Ich freue mich, dass wir mit Mina Witkojc – deren Geburtstag sich kürzlich zum 125. Mal jährte – eine Namensgeberin gefunden haben, die perfekt zum Anspruch dieses Preises passt: Als niedersorbische Dichterin, Publizistin und Redakteurin förderte Mina Witkojc maßgeblich das kulturelle Selbstbewusstsein der Wenden in der Niederlausitz.“

An der Cottbuser Kita ’Mato Rizo’ wurde am 01. März 1998 die erste Witaj-Gruppe (Witaj: Sorbisch für Willkommen) mit zwölf Kindern gestartet. Heute werden dort mehr als 50 Kinder zweisprachig betreut. Die Kita wird vom Sorbischen Schulverein betrieben. Die Kinder werden bei der zweisprachigen Früherziehung mittels Immersion an die sorbische Sprache herangeführt. Nach der Kita können sie bilingualen Unterricht an Grundschulen und später das Niedersorbische Gymnasium in Cottbus besuchen. Der Sorbische Schulverein wurde im Jahre 1991 nach dem Beispiel des Dänischen Schulvereins gegründet. Er vertritt die Interessen der Sorben/Wenden bei der zweisprachigen Vorschul- und Schulerziehung und ist Träger der beiden Witaj-Kitas ‘Mato Rizo‘ und ‘Villa Kunterbunt‘ in Cottbus. Der Schulverein ist Mitglied im Dachverband Domowina – Bund Lausitzer Sorben.

Mit dem zweijährlich vergebenen ‘Mina Witkojc‘-Preis sollen Personen, Personengruppen oder Institutionen ausgezeichnet werden, die bei der Anwendung, dem Gebrauch, der Vermittlung oder der Weiterentwicklung der sorbischen/wendischen Sprache – insbesondere des Niedersorbischen – Herausragendes leisten oder geleistet haben. Dabei sollen vor allem persönliches Engagement, nachhaltige Leistungen und innovative Ansätze berücksichtigt werden. Vorschlagsberechtigt sind Kommunen im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden, Vereine und Verbände mit sorbischem/wendischem Bezug sowie die Mitglieder der Jury.

Die 1893 in Burg (Spreewald) geborene und 1975 in Papitz bei Cottbus gestorbene Mina Witkojc zählt zu den bedeutendsten Dichterinnen in niedersorbischer Sprache. Ihre Gedichte bringen eine enge Verbundenheit zu ihrem sorbischen/wendischen Volk und ihrer Heimat im Spreewald zum Ausdruck. Mit ihren Werken und ihrer Person hat sie nachfolgende sorbische/wendische Schriftstellergenerationen geprägt. Sie arbeitete unter anderem als Publizistin und Redakteurin für die niedersorbische Zeitung ‘Serbski Casnik‘ und für den sorbischen Buchkalender ‘Pratyja‘. 1964 erhielt sie den Ćišinski-Preis. In Burg sind eine Grund- und Oberschule sowie die Bibliothek, in Cottbus eine Straße nach ihr benannt. Ihr Ehrengrab befindet sich auf dem Friedhof in Burg.

Die Sorben/Wenden sind seit rund 1.500 Jahren in der Lausitz ansässig. Sie haben sich trotz Assimilierungsversuchen früherer Herrscher und Regierungen ihre eigene Sprache und ihre von zahlreichen Festen und vielfältigem Brauchtum geprägte Kultur bewahrt. Das Land Brandenburg hat in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Maßnahmen dazu beigetragen, die Kultur und Sprache der Sorben/Wenden besser zu bewahren und weiterzuentwickeln: Im Jahr 2014 wurde das Sorben/Wenden-Gesetz novelliert, 2015 fanden erstmals Wahlen für den Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden beim Landtag statt, 2016 wurde der Landesplan zur Stärkung der niedersorbischen Sprache verabschiedet und im vergangenen Jahr wurde die Förderung der Stiftung für das Sorbische Volk auf 3,1 Millionen Euro erhöht.

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