07.11.2018Startschuss für Synagogenprojekt in der Landeshauptstadt

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch, Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam, Mykhaylo Tkach, und der Vorsitzende der Synagogengemeinde Potsdam, Ud Joffe, haben heute in Potsdam die Pläne für den Bau und Betrieb eines Synagogen- und Gemeindezentrums in Potsdam präsentiert. Kulturministerin Münch und die beiden Vorsitzenden unterzeichneten dabei eine Vereinbarung über die Errichtung, Trägerschaft und Betreibung des Zentrums. Die Landesregierung wird auf dem Gelände in der Schloßstraße 1 in Potsdam in den kommenden Jahren ein zur Nutzung als Synagogen- und Gemeindezentrum geeignetes Gebäude errichten und stellt dafür 8 Millionen Euro bereit. Die beiden Gemeinden werden das Zentrum nach der Fertigstellung gemeinsam als Israelitischer Kultusgemeindebund Potsdam betreiben.

Kulturministerin Martina Münch betont die Bedeutung einer Synagoge für Potsdam. „Mit der Vereinbarung zwischen den jüdischen Gemeinden und dem Land schaffen wir eine zentrale Grundlage für den Bau und Betrieb einer Synagoge in Potsdam. Das ist 80 Jahre nach der Pogromnacht vom 09. November 1938 und dem Beginn der systematischen Zerstörung und Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland ein wichtiges Zeichen für ein neu entstandenes vielfältiges und aktives jüdisches Leben in der Landeshauptstadt und im Land Brandenburg. Angesichts einer deutlichen Zunahme antisemitischer Vorfälle und Ausschreitungen in den vergangenen Monaten ist es wichtiger denn je, deutlich zu machen, dass Juden im Land Brandenburg willkommen sind und hier einen Platz und eine Heimat haben“, betont Ministerin Münch. „Das Land Brandenburg unterstützt seit Anfang der 1990er Jahre das Wiederentstehen und die Stärkung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in unserer Region. Dazu zählt die Förderung der Gemeinden ebenso wie die Gründung der School of Jewish Theology an der Universität Potsdam, mit der erstmals eine jüdisch-theologische Ausbildung an einer deutschen Universität verankert wurde. Auch das Abraham Geiger Kolleg, das Zacharias Frankel College und das Moses Mendelssohn Zentrum prägen heute selbstverständlich jüdisches Geistesleben und den interreligiösen Dialog in Brandenburg. Die Errichtung eines jüdischen Synagogen- und Gemeindezentrums in der historischen Mitte der Landeshauptstadt ist ein fundamentales Anliegen des Landes und ein Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam wieder dort präsent sein kann, wo es hingehört: im Herzen der Stadt“, so Münch. „Ich möchte der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland sehr herzlich für ihr Engagement in den vergangenen Jahren danken – sie hat maßgeblich dazu beitragen, den Prozess zur Errichtung einer Synagoge in Potsdam zu befördern. Und ich danke den beiden Gemeinden für die Entwicklung einer gemeinsamen Perspektive sowie der Stadt Potsdam für ihre Unterstützung.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs: „Ich freue mich über diesen Durchbruch, der unser jüdisches Leben um ein Vielfaches bereichern wird. Jüdisches Leben gehört heute ganz selbstverständlich zu Potsdam. Wir sind eine offene und tolerante Stadtgesellschaft und wir können stolz darauf sein, dass wir hier so engagierte jüdische Ortsgemeinden haben. Sie sind wichtiger Partner der Stadt in sozialen Belangen und beteiligen sich am interreligiösen Dialog. Es ist wichtig, dass die Ortsgemeinden nun auch eine Synagoge im Herzen Potsdams bekommen. Ich danke den Gemeindemitgliedern für die Geduld in den letzten Jahren und bin gespannt, wie die Synagoge aussehen wird.“

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam, Mykhaylo Tkach und der Vorsitzende der Synagogengemeinde Potsdam, Ud Joffe: „Die beiden jüdischen Gemeinden freuen sich über die Wiederaufnahme des Bauprojektes ‘Synagogen- und Gemeindezentrum‘ in Potsdam. Nach intensiver Arbeit der Potsdamer Gemeinden konnten zentrale Fragen zu Nutzungsprofil, Charakter und Gestaltung des geplanten Gebäudes geklärt und mit dem Architekten räumlich realisiert werden. Mit dem Land Brandenburg konnten der rechtliche und der finanzielle Rahmen vereinbart werden. Wir freuen uns auf ein Haus, welches für die Potsdamer Juden ein Zuhause bedeuten soll und einladend und offen steht für alle Potsdamer Bürgerinnen und Bürger.“

Basis der Vereinbarung ist die Einigung der Jüdischen Gemeinde Stadt Potsdam und der Synagogengemeinde Potsdam in zentralen Fragen des Synagogen- und Gemeindezentrums wie die Trägerschaft, die Raumaufteilung, die Nutzung und den Betrieb. Grundlage des Gebäudes ist der überarbeitete Bauentwurf des Berliner Architekten Jost Haberland. Das Aussehen der Außenfassade wollen beide Gemeinden in den kommenden Monaten gemeinsam mit dem Architekten klären. Im nächsten Jahr müssen die bauvorbereitenden Planungen und Maßnahmen geklärt werden. Baubeginn könnte im Jahr 2020 oder 2021 sein, für die Errichtung werden zwei Jahre veranschlagt. Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen übernimmt die Bauausführung als Landesbaumaßnahme. Das Zentrum soll künftig allen jüdischen Gemeinden in Potsdam für Gottesdienste, religiöse Feiern und Versammlungen, für Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und literarische Gespräche sowie für soziale Beratungsangebote und Schulungsveranstaltungen offenstehen. Das Land überlässt den Gemeinden als Träger das zu errichtende Haus unentgeltlich und beteiligt sich an den laufenden Kosten, etwa für Sicherheitsmaßnahmen, einen Rabbiner sowie weiteres Personal für kulturelle und soziale Angebote.

Zum 09. November werden mehrere Mitglieder der Landesregierung an Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag der Pogromnacht im Jahr 1938 teilnehmen:

  • Finanzminister Christian Görke wird bereits am 08. November Stolpersteine in Jüterbog reinigen, die an die jüdische Familie Joel erinnern.
  • Der Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, und der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs sprechen auf der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Po­gromnacht von 1938 am 09. November in Potsdam und besuchen dabei auch den Standort der neuen Synagoge. Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil, Sozialministerin Susanna Karawanskij und Sozialstaatssekretär Andreas Büttner nehmen teil.
  • Kulturministerin Martina Münch spricht am 09. November zur Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 in Cottbus.
  • Innenminister Karl-Heinz Schröter spricht am 09. November bei der Gedenkveranstaltung der Stadt und der Gedenkstättenstiftung für die Opfer der Pogromnacht in Oranienburg.

Seit dem Jahr 1991 haben sich jüdische Gemeinden in Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder), Brandenburg an der Havel, Bernau, Oranienburg und Königs Wusterhausen mit insgesamt rund 2.000 Mitgliedern gegründet. Das Land Brandenburg hat im Jahr 2005 einen Staatsvertrag mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden abgeschlossen und stellt den Gemeinden jährlich mehr als 500.000 Euro zur Förderung jüdischer Gemeinde- und Verbandsstrukturen zur Verfügung. Auch die Pflege der verwaisten jüdischen Friedhöfe wird vom Land mitfinanziert. Im Januar 2015 wurde in Cottbus die landesweit erste Synagoge nach 1945 in der ehemaligen Schlosskirche eingeweiht. Das Land hat den Erwerb des Sakralgebäudes sowie verschiedene Maßnahmen zum Ausbau und zur Sicherung des Gebäudes mit rund 600.000 Euro unterstützt.

Seit 2012 gibt es das Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg, in dem Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen zusammenarbeiten. Im Jahr 2013 wurde die School of Jewish Theology an der Universität Potsdam eingerichtet. Seither können Frauen und Männer das Rabbiner- bzw. das Kantorenstudium an der Universität Potsdam sowie am Abraham Geiger Kolleg und am Zacharias Frankel College absolvieren. Der Studiengang ‘Jüdische Theologie‘ an der Universität Potsdam wird vom Land jährlich mit 563.000 Euro unterstützt, das Abraham Geiger Kolleg mit 50.000 Euro.

Das 1992 gegründete Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam ist eine interdisziplinär arbeitende Forschungseinrichtung, die historische, philosophische, religions-, literatur- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung betreibt. Im Zentrum der Forschung stehen dabei die Geschichte, Religion und Kultur der Juden und des Judentums in Europa sowie die Beziehungsgeschichte von Juden und nichtjüdischer Umwelt. Das Moses Mendelssohn Zentrum wird vom Land jährlich mit mehr als 700.000 Euro gefördert.

PM als pdf

Auswahl

Jahr
Rubrik


Zum Pressesprecher

Pressesprecher:
Stephan Breiding
Tel.: 0331 / 866 4566
Mobil: 0171 / 837 559 2
stephan.breiding@mwfk.brandenburg.de