27.08.2018Zisterzienser gründen Priorat in Neuzelle

Neues Fenster: Bild - Stiftung Stift Neuzelle - vergrößern Stiftskirche Neuzelle ©Ludwig Rauch

Die Zisterzienser kehren nach Neuzelle zurück: Die Abtei Heiligenkreuz in Niederösterreich hat am 20. August im Rahmen eines Pontifikalamtes offiziell sechs ‘Gründermönche‘ ausgesandt, die am 02. September 2018 auf Initiative des Bischofs von Görlitz das Priorat Neuzelle gründen werden, um dort das klösterliche Leben fortzusetzen. Dazu präsentierten heute in Potsdam die Kulturministerin und Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Stift Neuzelle, Martina Münch, der Görlitzer Bischof, Wolfgang Ipolt, der Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, Maximilian Heim OCist, und Pater Kilian Müller OCist, gemeinsam die Pläne.

Unter Berücksichtigung der Bedürfnisse einer klösterlichen Lebensweise haben sich die Zisterzienser entschieden, für ihren zentralen Standort im Umfeld von Neuzelle ein eigenes Gelände zu erwerben und dort ein Kloster neu zu bauen, statt – wie bisher geplant – das Kanzleigebäude auf dem Klostergelände zu nutzen. Die Klosteranlage Neuzelle mit der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt wird in der spirituellen und pastoralen Arbeit der Mönche des neuen Priorats eine hervorgehobene Bedeutung haben. Dort werden sie in der Seelsorge tätig sein und den Wallfahrtsbetrieb geistlich betreuen sowie im schulischen Dienst der Katholischen Grundschule mitwirken. Die Zisterzienser sind derzeit in Abstimmung mit dem Kulturministerium, der Stiftung Stift Neuzelle und dem Bistum Görlitz auf der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft, auf der sie ein Kloster errichten können. Bis auf weiteres werden sie im katholischen Pfarrhaus auf dem Stiftsgelände wohnen.

Ministerin Martina Münch begrüßt die Entscheidung der Mönche: Ich freue mich sehr, dass die Zisterzienser-Mönche ausgerechnet im 750. Jubiläumsjahr von Kloster Neuzelle ein Priorat in Neuzelle gründen. Die Wiederansiedlung knüpft nicht nur an eine jahrhundertealte Stiftstradition an – sie bereichert Neuzelle als Ort der Kultur und Bildung um eine religiöse und spirituelle Komponente und wird weitere Besucherinnen und Besucher anziehen. Kloster Neuzelle ist Teil der europaweiten Expansion der Zisterzienser im Mittelalter und damit ein eindrucksvolles Beispiel für das grenzüberschreitende kulturelle Erbe Europas, an das wir 2018 mit dem Europäischen Kulturerbejahr erinnern. Mit ihrem Wirken stehen die Zisterzienser auch heute für eine weltweite Gemeinschaft im Glauben“, so Münch. „Mit der Entscheidung für einen Klosterneubau im näheren Umfeld von Neuzelle trägt die Gemeinschaft der Zisterzienser ihrer Tradition eines monastischen Lebens Rechnung. Ein Neubau bietet zudem zusätzliches räumliches Entwicklungspotenzial für das Kloster und lässt sich gut mit dem Wirken in der historischen Klosteranlage verknüpfen. Ich begrüße es sehr, dass die Mönche in der katholischen Klosterkirche und im Pfarrhaus auf dem Gelände des Klosters Neuzelle dauerhaft präsent sein werden. Wir werden die Mönche bei der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft auch weiterhin unterstützen.“

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt:Neuzelle ist ein wichtiger Ort des Bistums Görlitz. Ich bin dankbar, dass wir in unserer Diözese einen solchen durch eine lange geistliche Tradition geprägten Ort haben. Vor 750 Jahren haben Zisterzienser diesen Ort begründet – ihre Klosteranlage ist bis zum heutigen Tag erhalten und inzwischen durch die Stiftung Stift Neuzelle wunderschön restauriert worden. Die Klosterkirche ist heute Wallfahrtskirche für die Katholiken des Bistums Görlitz zu Unser Lieben Frau von Neuzelle. Dass in diese lange Geschichte hinein in diesem Jahr wieder an die Tradition der Zisterzienser angeknüpft werden kann, ist für mich als Bischof eine große Freude und auch für viele Mitchristen und Bewohner der Region. Ich freue mich und bin dankbar, dass das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald sechs Mönche aussendet, die in Neuzelle nach 200 Jahren einen neuen Anfang wagen wollen“, so der Bischof. „Ich wünsche mir, dass durch die Mönche ein Ort des Gebetes entsteht – und ein Ort, an dem Menschen mit den Mönchen gemeinsam Gott erstmalig oder wieder neu entdecken können. Der heilige Benedikt, nach dessen Regel die Mönche leben, hat großen Wert darauf gelegt, dass es in seinen Klöstern möglich ist, als Gast für einige Zeit aufgenommen zu werden. Die Stille und Sammlung eines Klosters kann Menschen helfen, zu sich selber zu finden und in der Tiefe der eigenen Seele den Sinn des Lebens zu entdecken. In unserer unruhigen und oft hektischen Zeit sind darum aus meiner Sicht solche Orte dringend nötig. Ich wünsche den Mönchen, die am kommenden Sonntag das neue Priorat bilden werden, Gottes Segen, freudige Zuversicht und Vertrauen, dass Gott sie führen wird. Das Bistum Görlitz wird ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, soweit es in unseren Kräften steht.“

Der Abt des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, Maximilian Heim OCist, sieht der Neugründung des Priorats Neuzelle mit Freude entgegen: „Ich freue mich sehr, dass das Stift Heiligenkreuz am 02. September 2018 ein neues Tochterkloster in Brandenburg gründen wird. Die monastische Lebensweise erfordert allerdings seit jeher einen Raum der Stille und des Abstands, der Freiheit und Unabhängigkeit. Unter Berücksichtigung der umfangreichen musealen, kulturellen und schulischen Nutzung des historischen Klostergeländes haben wir uns letztlich für die Perspektive eines Klosterneubaus im näheren Umfeld von Neuzelle entschieden. Gerade dadurch können und werden wir auch weiterhin im Pfarrhaus von Neuzelle, in der Wallfahrtsseelsorge und im schulischen Dienst präsent sein und bleiben“, so Abt Maximilian. „Wir sehen in der Initiative von Bischof Wolfgang Ipolt einen Anruf Gottes und sind ihm sehr dankbar für seine Einladung nach Neuzelle. Die herzliche Unterstützung durch Pfarrer Ansgar Florian und die Menschen vor Ort hat uns in dieser Ansicht immer wieder bestärkt.“ Der Abt betont auch die Rolle der Brandenburgischen Landesregierung für die Klostergründung: „Die Unterstützung und insbesondere das Engagement von Ministerin Martina Münch hat diese Klostergründung möglich gemacht. Wir sind dankbar, dass wir gemeinsam nach einer Perspektive für die Wiederansiedelung der Mönche in Neuzelle suchen konnten und können.“

Pater Kilian Müller OCist, der Ökonom des neuen Klosters: „Ich bin sehr froh über diesen mutigen Aufbruch. Es ist eine schöne Fügung, dass der Landkreis Oder-Spree seine zisterziensische Tradition bis heute durch das ‘Bernhardsband‘ in seinem Wappen im Bewusstsein hält. Aus dieser Tradition erwächst eine gemeinsame Verantwortung für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Gerade hier zeigt die Gründung und Errichtung eines neuen Zisterzienserklosters: Unsere monastische Lebensweise ist keine Nostalgie, sondern eine zeitgenössische und lebendige Tradition, die Zukunft hat. Daneben sprechen nicht wenige ökonomische Gründe für einen Neubau. Private wie institutionelle Geldgeber tun sich wesentlich leichter, in Klostereigentum zu investieren als in ein staatliches Gebäude, für das ein Nutzungsentgelt anfallen würde. Auch können wir so die seit Jahrhunderten bewährte architektonische Struktur eines zisterziensischen Klosters realisieren, ohne durch Auflagen von Denkmal- und Ensembleschutz zusätzlich belastet zu sein. Nicht zuletzt ist die Energieeffizienz eines Neubaus deutlich günstiger als die eines Barockgebäudes, was sich auf die Betriebskosten positiv auswirken wird.“

Die sechs ‘Gründermönche‘ sind die Patres Simeon Wester, Kilian Müller, Konrad Ludwig, Aloysius Zierl, Isaak Käfferlein und Alberich Fritsche. Pater Simeon Wester steht der kleinen Gemeinschaft als Prior vor, Pater Kilian Müller ist für die ökonomischen Aufgaben und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Die Patres Konrad Ludwig, Alberich Fritsche und Isaak Käfferlein engagieren sich zukünftig in der Seelsorge, Pater Aloysius Zierl in Haushalt und Sakristei.

Die Klosteranlage in Neuzelle (Nova Cella) wurde gemäß einer Urkunde vom 12. Oktober 1268 von Heinrich dem Erlauchten, Markgraf von Meißen, gegründet. Im Jahr 1817 wurde das Kloster säkularisiert, und der Klosterbesitz in ein preußisch-staatliches Stift Neuzelle überführt, das bis 1955 als Forst- und Domänenverwaltung weiter bestand und danach verstaatlicht wurde. Um die Klosteranlage wiederzubeleben, wurde 1996 die Stiftung Stift Neuzelle als öffentlich-rechtliche Stiftung des Landes Brandenburg gegründet. Seit Anfang der 1990er Jahre wurden mehr als 50 Millionen Euro an Landes-, Bundes- und EU-Mitteln sowie an privaten Spenden in die Gesamtanlage investiert. Neben den beiden Barockkirchen, dem spätgotischen Kreuzgang, dem in Teilen wiederhergestellten barocken Klostergarten und dem 2015 eröffneten Museum ‘Himmlisches Theater – Die Neuzeller Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab‘ locken auch besondere Kulturangebote wie die Oper Oder-Spree jedes Jahr zahlreiche Besucherinnen und Besucher an.

Das Kloster Neuzelle feiert in diesem Jahr das 750. Jubiläum mit einem umfangreichen Programm mit Konzerten, Opern, Symposien, Lesungen, Ausstellungen, Gottesdiensten und Festen. Einer der Höhepunkte ist die Festwoche vom 07. bis 14. Oktober, unter anderem mit einem großen ökumenischen Festgottesdienst. Das Land beteiligt sich mit rund 350.000 Euro an den Jubiläumsfeierlichkeiten.

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