26.08.2018Gedenken an die Opfer des Speziallagers Sachsenhausen

Neues Fenster: Bild - Gedenkstätte - vergrößern ©SBG/Archiv Sachsenhausen, S. Erhard

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat heute in Sachsenhausen (Landkreis Oberhavel) anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 73. Jahrestag der Errichtung des sowjetischen Speziallagers der zahlreichen Opfer gedacht. „Im Speziallager wurden zwischen 1945 und 1950 rund 60.000 Menschen unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert, 12.000 von ihnen starben an Unterernährung und Krankheiten sowie psychischer und physischer Entkräftung. Viele der Inhaftierten waren NS-Täter und NS-Belastete, aber auch Unschuldige und Minderjährige wurden interniert – rechtsstaatliche und faire Verfahren nach heutigen Maßstäben gab es nicht. Wir gedenken derjenigen, die in Sachsenhausen gelitten haben und gestorben sind“, so Staatssekretärin Gutheil. „Sachsenhausen war nicht nur ein Speziallager des sowjetischen Geheimdienstes, es war zuvor neun Jahre lang ein Ort grausamer und unmenschlicher NS-Verbrechen. Das ehemalige Lager ist mit seiner zweifachen Geschichte ein wichtiger Erinnerungs- und Informationsort, um die Geschichte für junge Menschen und zukünftige Generationen wachzuhalten und Möglichkeiten zur Information und Auseinandersetzung zu sichern. Das ist gerade heute – in einer Zeit, in der weltweit Populismus, Nationalismus und Hass gegen andere geschürt werden – wichtiger denn je.“

Hintergrund:

Der sowjetische Geheimdienst NKWD errichtete ab Frühjahr 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zehn Speziallager, in denen überwiegend deutsche Zivilisten gefangen gehalten wurden. Grundlage dafür war der Befehl Nr. 00315, den das NKWD am 18. April 1945 erließ und der bis 1950 die Grundlage aller Internierungen in der SBZ bildete. Auf dieser Grundlage wurden Personen aufgrund der ihnen vorgeworfenen Funktion im NS-Staat ohne Einzelfallprüfung festgesetzt. Ab 1946 wurden in Sachsenhausen darüber hinaus Verhaftete festgehalten, die zuvor in Schnellverfahren durch sowjetische Militärtribunale verurteilt worden waren.

Das Speziallager Nr. 7 befand sich zunächst in Weesow bei Werneuchen (Landkreis Barnim), wurde jedoch im August 1945 auf das Gelände des früheren nationalsozialistischen Konzentrationslagers Sachsenhausen verlegt. Nach der Auflösung der kleineren Lager im Sommer 1948 wurde es in Speziallager Nr. 1 umbenannt. Bis zu seiner Auflösung im Frühjahr 1950 wurden dort rund 60.000 Personen inhaftiert, mindestens 12.000 von ihnen starben an den katastrophalen Haftbedingungen. Bei den Inhaftierten handelte es sich vorwiegend um untere Funktionäre des NS-Regimes, aber auch Mitarbeiter aus Verwaltung, Polizei, Justiz und Wirtschaft sowie SS-Personal aus den Konzentrationslagern. Unter den Häftlingen befanden sich außerdem politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete sowie von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte.

Im Jahr 2001 eröffnete die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten das Museum ‘Sowjetisches Speziallager Sachsenhausen Nr. 7/ Nr. 1 (1945-1950)‘. Der Jahrestag der Ankunft der ersten Inhaftierten in Sachsenhausen am 10. August 1945 wird von den ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen seit Anfang der 1990er Jahre als Gedenktag für die Opfer des Speziallagers begangen.

Weitere Informationen: www.stiftung-bg.de

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