26.05.2018Militärgefängnis ist Ort der Erinnerung und Aufarbeitung

Neues Fenster: Bild - Ulrike Gutheil - vergrößern ©Die Hoffotografen GmbH

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat das ehemalige Militärgefängnis der DDR in Schwedt/Oder (Landkreis Uckermark) bei der Eröffnung der Freiluft-Ausstellung ‘Spurensicherung DDR-Militärgefängnis‘ anlässlich des 50. Jahrestages der Inbetriebnahme des Gefängnisses als wichtigen Ort der Erinnerung und der Aufarbeitung gewürdigt. „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Situation der Menschen in der DDR bleibt auch fast 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution von besonderer Bedeutung. Das ehemalige DDR-Militärgefängnis in Schwedt spielt als zeitgeschichtlicher Erinnerungsort hierbei eine wichtige Rolle. Für viele Angehörige der Nationalen Volksarmee der DDR war Schwedt ein Begriff, der für Repression und Angst stand. Ich freue mich, dass wir das ehemalige Militärgefängnis mit der heutigen Eröffnung der Freiluft-Ausstellung als Gedenk- und Erinnerungsort weiterentwickeln können“, so Gutheil. „Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ist ein wichtiges Anliegen der Erinnerungskultur im Land Brandenburg. Gedenkorte und Dokumentationsstätten wie das ehemalige DDR-Militärgefängnis in Schwedt aber auch die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam oder die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus erinnern konkret und unmittelbar an individuelle Schicksale und informieren über die Machtstrukturen der DDR. Sie sind wichtige Bestandteile der zeitgeschichtlichen Erinnerungskultur des Landes und der historisch-politischen Bildung für nachfolgende Generationen. Gerade junge Menschen sollen für Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, sich aktiv für Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Toleranz einzusetzen.“

Die Ausstellung ‘Spurensicherung DDR-Militärgefängnis‘ im Außenbereich des ehemaligen Militärgefängnisses ist ein weiterer Schritt der Entwicklung des Erinnerungsortes. Sie ist eine Ergänzung zu der 2016 gestarteten Ausstellung ‘NVA-Soldaten hinter Gittern. Der Armeeknast Schwedt als Ort der Repression“ im Gebäude der ehemaligen Disziplinareinheit des Gefängnisses. Die neun Tafeln im Außenbereich führen über das heute überformte Gelände und dokumentieren die Baugeschichte. Die App www.ab-nach-schwedt.de  bietet zusätzlich Zitate aus Zeitzeugenberichten zum Nachhören. Das Kulturministerium unterstützt die Weiterentwicklung des Erinnerungsortes in diesem Jahr mit 28.000 Euro.

Das Militärgefängnis in Schwedt/Oder war das einzige Militärgefängnis der DDR und wurde ab 1968 zur Inhaftierung von Angehörigen der Nationalen Volksarmee und der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern der DDR genutzt. Ab 1982 wurde die Militärstrafvollzugseinrichtung Schwedt zusätzlich als ‘Disziplinareinheit 2‘ vom Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR weitergeführt. Hier wurden Soldaten oder Unteroffiziere auch ohne Urteil inhaftiert. Sie konnten bis zu drei Monate von den Kommandeuren ihrer Truppe in eine Disziplinarkompanie geschickt werden und waren auf diese Weise auch wegen belangloser Vergehen der Willkür der Offiziere ausgeliefert.

Zwischen 1982 und 1990 wurden rund 800 Soldaten in Schwedt interniert. Die Gründe für Inhaftierungen reichten von Straftaten wie Körperverletzung und Diebstahl über Militärstraftaten wie Befehlsverweigerung und Fahnenflucht bis zu politischen Vergehen wie ‘Staatsfeindliche Hetze‘. Am 26. April 1990 wurde der letzte Militärstrafgefangene entlassen und am 31. Mai 1990 wurde das Militärgefängnis in Schwedt geschlossen. Die Gefangenenbaracken wurden in den 1990er Jahren abgerissen, der Sitz der ehemaligen Disziplinareinheit – bestehend aus Unterkunfts-, Schulungs- und Zellenbau sowie der Hauptwache – und der frühere Wachturm stehen unter Denkmalschutz.

Im Land Brandenburg gibt es insgesamt mehr als 70 Gedenkstätten, Erinnerungs­orte und Museen, die sich mit zeitgeschichtlichen Ereignissen beschäftigen. Das reicht von den Gedenkstätten in Sachsenhausen und Ravensbrück über Schauplätze des Zweiten Weltkrieges in Halbe und den Seelower Höhen bis zu den Mauer-Stelen in Potsdam.

Weitere Informationen: www.militaergefaengnisschwedt.de

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