24.04.2018Festival LIT:potsdam „Starke Worte, schöne Orte“ gibt Programm bekannt

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Potsdam, 24.04.2018 – Auf der heutigen Pressekonferenz im Potsdamer Palais Lichtenau haben Richard Gaul, Vorsitzender des Vereins lit:pots e.V. und Karin Graf, künstlerische Leiterin der LIT:potsdam, das kommende Programm vorgestellt. Vom 12. bis 17. Juni 2018 bietet die sechste Ausgabe des Festivals literarische Entdeckungen an besonderen Orten: in Potsdams Gärten, in der Stadt und am See. Mehr als 30 Autorinnen und Autoren werden erwartet. Schriftsteller und Friedensaktivist David Grossman, der soeben mit dem Israel-Preis, der höchsten Auszeichnung des Staates Israel geehrt worden ist, kommt als „Writer in Residence“. In zwei Veranstaltungen befasst er sich mit der Frage nach der Identität einer Nation und ihrem Verhältnis zu den Nachbarn. Teil der LIT:potsdam sind erneut der Büchermarkt unter freiem Himmel und das Theaterautoren-Treffen „Next Stage Europe“. Kinderbuchautor Martin Klein hat das Kinder- und Jugendprogramm zusammengestellt. Außerdem beteiligt sich LIT:potsdam am diesjährigen Europäischen Kulturerbejahr „Sharing Heritage“: „Europa – ein Geschichten-Schatz“ heißt das von Literaturkritiker Thomas Böhm entworfene Programm, das vom 20. bis 29. Juni durch Brandenburg tourt.

„Wie jedes Jahr folgen wir bei der LIT:potsdam weder den Bestsellerlisten, noch zwingen wir das Festival unter ein bestimmtes Thema“, betonte Karin Graf. „Wir bieten eine Vielfalt an Themen, in deren Mittelpunkt existentielle Fragen stehen: Wie leben wir miteinander in einer Straße, einem Dorf, einer Stadt, einem Land? Wer sind unsere Nachbarn? Was treibt sie um? Kennen wir sie, ihre Nöte, Leiden und Freuden? Was eint uns, und was trennt uns? Wie jedes Jahr möchten wir Autoren und Bücher präsentieren, die uns herausragend erscheinen. Unser zentrales Anliegen dabei ist es, Lust am Entdecken, an Geschichten, an Erkenntnissen zu wecken.“

Die Schirmherrschaft des Festivals haben Martina Münch, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, und Jann Jakobs, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam, übernommen.

Kulturministerin Martina Münch unterstrich: „Mehr als 30 namhafte Schriftsteller und Schauspieler bieten unter dem Motto ‚Starke Worte. Schöne Orte‘ geballtes Lesevergnügen und anspruchsvolle Debatten zu aktuellen Fragen. Zudem freue ich mich auf die Lese-Tour ‚Europa – ein Geschichten-schatz‘, die das Europäische Kulturerbejahr aufgreift. Das vielseitige kulturelle Erbe ist Teil unserer europäischen Geschichte. Vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen in Europa und weltweit können wir mit dem Kulturerbejahr das Verbindende unserer gemeinsamen kulturellen Wurzeln und zugleich die kulturelle Vielfalt des Kontinents in den Blickpunkt rücken – und damit wieder ‚Lust auf Europa‘ machen.“

Oberbürgermeister Jann Jakobs hob hervor: „Es ist ein Merkmal von LIT:potsdam, dass hier nicht nur an schönen Orten in schöner Sprache geschwelgt wird, sondern auch engagierte gesellschaftliche und politische Stoffe ihren Platz haben. Das macht das Potsdamer Literaturfestival so besonders. Ich freue mich auch in diesem Jahr wieder auf tolle Bücher und hervorragende Autorinnen und Autoren mit starken Worten!"

Gespräche über Bücher, politische Debatten, Einblicke in die Schreibwerkstatt, Lesungen auf Flößen, in Villen und Parks

Eröffnet wird die LIT:potsdam am 12. Juni durch Noosha Aubel, Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Potsdam. Der erste Festival-Abend ist dem Thema „Integration und Assimilation heute“ gewidmet: Ijoma Mangold und Emilia Smechowski, zwei vielfach ausgezeichnete Publizisten, lesen in der Stadt- und Landesbibliothek aus ihren autobiografisch erzählenden Büchern und sprechen über die sozialen Mechanismen von Integration und Ausschließung, moderiert von Schriftstellerin Marion Brasch.

Den Blick in die Schreibwerkstatt gestattet Sasha Marianna Salzmann, Schriftstellerin und Hausautorin am Maxim-Gorki-Theater. Ihr erster Roman „Außer sich“, mit dem Mara-Cassens-Preis als bester Debütroman des Jahres ausgezeichnet, beschreibt ein Panorama der europäischen Geschichte, mit höchst gegenwärtigen Figuren. Rbb-Moderator Thomas Böhm spricht mit der Autorin am 13. Juni im Brandenburgischen Literaturbüro darüber, wie sie die Konflikte und Fragen unserer Tage zu Literatur macht.

Tags darauf, am 14. Juni, spürt eine hochkarätig besetzte Runde in der Kleist-Villa den Zusammenhängen von „Kapital und Gerechtigkeit“ nach: Vor 150 Jahren veröffentlichte Karl Marx den ersten Band seiner Trilogie „Das Kapital“. Der Marx­Biograph Jürgen Neffe, der Romancier Jonas Lüscher, der Risikoexperte Armin Haas und der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl, der sich mit der Ideengeschichte der Markttheorie beschäftigt hat, überprüfen die Gültigkeit der Marx‘schen Thesen.

Das Festival-Wochenende wird am Freitag, 15. Juni, mit einer Floßlesung eingeleitet: Die Autorin Julia Schoch und die Autoren André Kubiczek und Torsten Schulz lesen bei einer Floßfahrt über Potsdamer Grenzgewässer. Alle drei haben Romane geschrieben, die ihren Dreh­ und Angelpunkt rund um die ‚Wende‘ 1989 haben.

Am Abend lädt LIT:potsdam zur großen Festveranstaltung mit dem „Writer in Residence“ David Grossman in den Park der Villa Jacobs. Dort spricht David Grossman mit rbb-Intendantin Patricia Schlesinger über „Humor als Waffe“ und liest aus seinem Roman „Kommt ein Pferd in die Bar“, der von einem tief bewegenden Komiker in einem israelischen Provinznest handelt.

Tags darauf, im Palais Lichtenau, steht der jüngste Essay-Band Grossmans „Eine Taube erschießen“ im Mittelpunkt der Diskussion mit Schauspielerin Iris Berben unter der Gesprächsleitung von Astrid Frohloff: Im Angesicht der anhaltenden politischen Verzweiflung in Nahost plädiert Grossman für Freiheit und Individualität, gegen Defätismus und Resignation.

Am Festivalsamstag begegnen sich zudem die Schriftstellerinnen Mariana Leky und Dörte Hansen. Unter der Moderation von Anne-Dore Krohn diskutieren sie im Museum Barberini über „Neue deutsche Heimatliteratur“. Die beiden Autorinnen treten zum ersten Mal gemeinsam auf und befassen sich in ihren Romanen mit dem Leben in der Provinz. Auf dem Land bei Hamburg und im Westerwald versuchen ihre Heldinnen Halt zu finden und zu bewahren. Doch am Ende steht der Aufbruch – Heimatliteratur wird Weltliteratur.

Den Festivaltag beschließt Schriftsteller und Comedian Marc-Uwe Kling mit einer Lesung in der Waschhaus-Arena aus seinem Roman „QualityLand“. Mit seinen Geschichten über das antikapitalistische Känguru ist er bekannt geworden. In seinem neuen satirischen Roman wendet er sich den Menschen in naher Zukunft zu.

Eine Matinee mit Bestseller-Autor Frank Schätzing im Hans Otto Theater eröffnet den Festival-Sonntag, 17. Juni. „Die Tyrannei des Schmetter-lings“ heißt sein neuer Thriller. Wie man anspruchsvolle Unterhaltung leicht präsentieren, wie sich Tiefe an der Oberfläche verstecken kann, darüber spricht Frank Schätzing mit dem Literaturkritiker Denis Scheck.

Am Nachmittag geht es von der Anlegestelle Kulturquartier Schiffbauergasse „literarisch übers Wasser“: John von Düffel lädt zur Lesung an Bord der Motoryacht „Sunshine“. Das Wasser ist das zentrale Thema des Schriftstellers und passionierten Schwimmers, zuletzt in den Bänden „Wassererzählungen“ oder „Gebrauchsanweisung fürs Schwimmen“.

Büchermarkt unter freiem Himmel: Brandenburg literarisch entdecken

Der Sonntagnachmittag der LIT:potsdam ist traditionell den Verlagen und Autoren Brandenburgs gewidmet: Auf der Wiese hinter dem Hans Otto Theater präsentieren sich regionale Buchhandlungen und Verlage. Neben spannenden Leseerlebnissen und Mitmachaktionen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein literarisches Programm auf der Lesebühne an der Havel, und der Bücher­Tausch­Tisch lädt zum Suchen, Finden, Mitbringen und Mitnehmen ein.

Next Stage Europe: 12 osteuropäische Theaterautoren kommen nach Potsdam

Gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kiew, gefördert vom Auswärtigen Amt, organisiert LIT:potsdam ein Treffen junger Theaterautorinnen und -autoren aus Deutschland und verschiedenen Ländern Ost-Europas: Aus der Ukraine, aus Russland, Belarus, Georgien, Armenien und Aserbeidschan kommen 12 junge Autorinnen und Autoren nach Potsdam, um hier an ihren Stücken zu arbeiten und ihre künstlerischen Perspektiven zu zeigen. Eine gemeinsame szenische Lesung in Potsdam ist in Zusammenarbeit mit dem Hans Otto Theater unter der Moderation von Jonas Lüscher und Michel Decar geplant. Zudem wird die Publikation von Next Stage Europe 2017 vorgestellt.

LIT:potsdam – Festival für Kinder und Jugendliche

Für das sechste Festival LIT:potsdam hat Kurator Martin Klein ein abwechslungsreiches Kinder- und Jugendprogramm zusammengestellt. Bereits im Vorfeld des Festivals arbeitet er mit Schulen in Potsdam und dem Umland zusammen: Schülerinnen und Schüler werden in dem Workshop „Gedicht in Sicht“ bekannte Kindergedichte und Selbstgereimtes illustrieren, und ihre Arbeiten am 15. Juni, in der Stadt- und Landesbibliothek mit rbb-Moderator Uwe Madel präsentieren. In den weiterführenden Schulen erproben sich die Jugendlichen im Poetry Slam, angeleitet von Slam-Poet Bas Böttcher.

Am Samstag, 16. Juni, erzählt Sach- und Hörbuchautorin Maja Nielsen in der Alten Brauerei von der Titanic, einer „Entdeckung auf dem Meeresgrund“. Maja Nielsen ist die Erfinderin der Medienreihe „Abenteuer & Wissen” und bekannt dafür, Ereignisse und Persönlichkeiten der Weltgeschichte besonders anschaulich und unterhaltsam darzustellen

Slam-Poet Bas Böttcher beschließt das Kinderprogramm am Festivalsonntag und bringt auf dem Theaterschiff Stimmen zum Tanzen, reimt, bürstet Worte gegen den Strich, nimmt sie auseinander und setzt sie neu zusammen – unsere Alltagssprache erstrahlt plötzlich in einem anderen Licht.

Europa – ein Geschichtenschatz: Lesetour durch Brandenburg

Nach dem Literaturfest, vom 20. bis 29. Juni, veranstaltet LIT:potsdam aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“ das Programm „Europa – ein Geschichten-Schatz“, kuratiert von Thomas Böhm: Ein Geschichtenschatz zeigt den Reichtum der europäischen Literatur und stiftet Gespräche. Diese werden zwischen europäischen Autorinnen und Autoren ebenso wie zwischen Brandenburgerinnen und Brandenburgern angeregt: Bedeutende Schriftsteller aus ganz Europa wurden eingeladen, eine Geschichte aus ihrem Land zu benennen und zu kommentieren, die ein literarisches Kleinod darstellt. Zusammengefasst werden diese Geschichten zu einer Anthologie, dem ‚europäischen Geschichtenschatz‘, der die Vielfalt, den Reichtum und das kulturelle Erbe der europäischen Literatur zeigt, und europäische Gespräche zwischen Lesenden ermöglicht, die beginnen mit dem Satz: „Ich kenne eine Geschichte aus Deinem Land ...“

Beigetragen zum ‚Schatz‘ haben u.a. Georgi Gospodinow (Bulgarien), Janne Teller (Dänemark), Sofi Oksanen (Finnland), Lena Divani (Griechenland), Slavenka Drakulić (Kroatien), Rūta Vanagaitė (Litauen), Guy Helminger (Luxemburg) Oliver Friggieri (Malta), Arnon Grünberg (Niederlande), Joana Bator (Polen), Michal Hvorecký (Slowakei), Drago Jančar (Slowenien), Jaroslav Rudiš (Tschechien) und Terézia Mora (Ungarn).

Der ‚europäische Geschichtenschatz‘ tourt durch Brandenburg und macht nach einem Auftakt in Potsdam (20.6.) Station in Cottbus (26.6.), Brandenburg/ Havel (28.6.) und Frankfurt/ Oder (29.6.). Er wird unter Gesprächsleitung von Thomas Böhm in Lesungen von bekannten Persönlichkeiten und in offenen Lesekreisen präsentiert. Diese richten sich nicht nur an Literaturinteressierte, sondern insbesondere auch an Menschen, die sonst wenig Kontakt zur Literatur haben und über die europäischen Geschichten in Austausch mit anderen treten möchten. „Europäische Literaturerlebnisse für Alle! Besondere Geschichten kennenlernen – im Gespräch mit anderen Menschen. Das ist die Idee der offenen Lesekreise, in denen die Geschichten aus dem ‚europäischen Geschichtenschatz‘ gemeinsam gelesen werden“, so Thomas Böhm.

Alle Infos zum Festival und Ticketverkauf unter: www.litpotsdam.de

Das Festival LIT:potsdam wird im Auftrag des Vereins lit:pots e.V. (Vorsitz: Richard Gaul) durch Sabine Haack, Büro für Kultur und Konzept Potsdam veranstaltet. Die künstlerische Leitung hat Karin Graf.

Das Literaturfestival LIT:potsdam wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie vom Ministerium für Wirtschaft und Energie, zudem durch die Landeshauptstadt Potsdam und die Schiffbauergasse Potsdam. Mit freundlicher Unterstützung der Ullstein Buchverlage, waf.berlin, Senss Stiftung, Söhnel Werft, von Energie und Wasser Potsdam sowie zahlreichen Kooperationspartnern. Medienpartner sind der Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb, die Potsdamer Neueste Nachrichten und die Zeitschrift friedrich.

Next Stage Europe ist ein Projekt des Goethe-Instituts, gefördert vom Auswärtigen Amt, in Zusammenarbeit mit dem Hans Otto Theater und LIT:Potsdam.

Das Zusatzprogramm „Europa – ein Geschichtenschatz“ ist ein Projekt im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“, gefördert durch die Beauftragte des Bundes für Kultur und Medien und die Investitionsbank des Landes Brandenburg ILB sowie zahlreicher Kooperationspartner. Medienpartner ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg, rbb.

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