23.04.2018Gedenken an Opfer eines Massakers im KZ-Außenlager Lieberose

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat heute gemeinsam mit Bernd Boschan, Direktor des Amtes Lieberose/Oberspreewald, Martin Herche, Generalsuperintendent für den Sprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Peter Fischer vom Zentralrat der Juden in Deutschland und Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, an der feierlichen Eröffnung eines Gedenkortes für Opfer eines Massakers auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose (Landkreis Dahme-Spreewald) teilgenommen. Der von dem Berliner Architekten Martin Bennis gestaltete Gedenkort orientiert sich an der topographischen Markierung einer historischen Lagerbaracke, in der die SS zwischen dem 2. und 4. Februar 1945 insgesamt 1.342 zumeist jüdische Häftlinge brutal ermordete. Auf Stelen finden sich Zitate von Augenzeugen und Tätern des Massenmordes.

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil begrüßte die Erweiterung des Gedenk- und Erinnerungsortes Jamlitz-Lieberose: „In dem Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen mussten bis zu 10.0000 Häftlinge, in der Mehrzahl Juden, unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, unzählige starben aufgrund der Haftbedingungen oder wurden ermordet. Mit der heutigen Eröffnung des Gedenkortes zur Erinnerung an die Opfer der Shoah und der Erweiterung des Gedenk- und Erinnerungsortes Jamlitz-Lieberose geben wir ein klares Bekenntnis ab, dass dieser Ort, an dem Tausende von Häftlingen während der NS-Herrschaft litten und starben, eine herausgehobene Bedeutung in der Erinnerungskultur des Landes hat. Die Erweiterung ist auch eine Reaktion auf die Anschläge in den vergangenen Jahren – wir machen damit deutlich, dass solche Attacken keinen Erfolg haben werden: Dieser Erinnerungsort bleibt und wird gestärkt“, so Gutheil. „Dieser Ort ist eine Mahnung, was passiert, wenn einer Gesellschaft Menschlichkeit, Empathie und Toleranz verloren gehen. Und er macht deutlich, dass Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechtstaatlichkeit in unserem Land nicht verhandelbar sind. Dafür lohnt es sich auch in Zukunft mit aller Entschlossenheit und Kraft zu kämpfen.“

Der Gedenkort ist Teil der im vergangenen Jahr beschlossenen Erweiterung des Gedenk- und Erinnerungsortes Jamlitz-Lieberose auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Lieberose (Landkreis Dahme-Spreewald). Das Kulturministerium hat den Wettbewerb zur Gestaltung des Gedenkortes mit 10.000 Euro finanziert und den ersten Bauabschnitt des neuen Gedenkortes mit 70.000 Euro gefördert. In einem zweiten Bauabschnitt, der noch in diesem Jahr realisiert wird, wird der Gedenkort mit einem von Informationstafeln flankierten Steg an die bestehende Open-Air-Ausstellung angeschlossen.

Nach mehreren Anschlägen auf den Standort des ehemaligen KZ-Außenlagers und den nahegelegenen jüdischen Friedhof in Schenkendöbern in den vergangenen Jahren hatten das Kulturministerium, die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, der Zentralrat der Juden, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, die Evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land sowie das Amt Lieberose beschlossen, die bereits geplante Erweiterung der bestehenden Dokumentations- und Gedenkstätte Jamlitz-Lieberose als Reaktion auf die Anschläge zu forcieren.

Das Außenlager Lieberose des KZ Sachsenhausen in Jamlitz wurde 1943 während des Aufbaus des SS-Truppenübungsplatzes ‘Kurmark‘ errichtet. Die rund 6.000 bis 10.000 Häftlinge, die hier bis zur Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten, waren überwiegend Juden. Arbeitsunfähige wurden nach Auschwitz deportiert. Bei der Auflösung des Lagers Anfang Februar 1945 wurden 1.342 kranke und marschunfähige Häftlinge von der SS erschossen. Rund 1.500 Häftlinge trieb die SS auf einen etwa 200 Kilometer langen Todesmarsch in das Hauptlager Sachsenhausen, in dessen Verlauf weitere Häftlinge umkamen oder erschossen wurden. Nach der Ankunft im Hauptlager selektierte die SS erneut hunderte Häftlinge und ermordete sie.

In Jamlitz, wo sich das Lager einst befand, gibt es seit 2003 eine Dokumentationsstätte mit einer Freiluftausstellung zum früheren Konzentrationslager sowie zum 1945 vom sowjetischen Geheimdienst NKWD eingerichteten Speziallager Nr. 6 Jamlitz, in dem bis 1947 mehr als 10.000 Personen inhaftiert waren. Im Jahr 2009 wurde ein jüdischer Friedhof für die Opfer des KZ-Außenlagers Lieberose in der benachbarten Gemeinde Schenkendöbern (Landkreis Spree-Neiße) eingeweiht. In der ehemaligen Kiesgrube bei Schenkendöbern waren in den 1950er und 1970er Jahren die sterblichen Überreste von insgesamt rund 600 Opfern des KZ-Außenlagers Lieberose gefunden worden.

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