20.04.2018Gedenken an die Opfer des Todesmarschs

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Kulturministerin Martina Münch hat heute in der Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) eine Rede zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der Todesmärsche des KZ Sachsenhausen gesprochen und die Gedenkstätte als wichtigen Ort der Aufarbeitung der Geschichte und der Erinnerung im Land gewürdigt. Im Belower Wald lagerten kurz vor Kriegsende auf einem Todesmarsch Tausende KZ-Häftlinge unter unwürdigsten Bedingungen, viele von ihnen starben. An diesem Ort wird besonders augenscheinlich, von welch unbarmherzigem und menschenverachtendem System Deutschland im Jahr 1945 befreit wurde. Viele Überlebende stellen sich seit Jahrzehnten trotz des erlittenen Grauens hoch engagiert als Zeitzeugen zur Verfügung – dafür danke ich ihnen von Herzen. Sie tragen maßgeblich dazu bei, das Geschehene aufzuarbeiten und zu vermitteln, so Münch. „Die Gedenkstätte Belower Wald wie auch alle anderen Gedenkorte im Land Brandenburg sind wichtige Bestandteile der zeitgeschichtlichen Erinnerungskultur des Landes und der historisch-politischen Aufarbeitung und Bildung für nachfolgende Generationen. Hier wird man konkret und unmittelbar an individuelle Schicksale und unzähliges Leid erinnert und kann sich kritisch mit den fürchterlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Gerade junge Menschen sollen für die Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, intoleranten, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten und sich engagiert für Toleranz, Demokratie, Pluralismus und Freiheit einzusetzen.“

Nach der Räumung des KZ Sachsenhausen durch die SS am 21. April 1945 wurden mehr als 30.000 Häftlinge auf einen der berüchtigten Todesmärsche in Richtung Nordwesten gezwungen, darunter auch Frauen und Kinder. Mehr als 16.000 von ihnen lagerten vom 23. bis 29. April vorübergehend im Belower Wald nahe der Stadt Wittstock/Dosse, ohne Unterkunft und Versorgung. Sie mussten in selbst errichteten Unterständen und Erdlöchern Schutz vor der Witterung suchen und versuchten, ihren Hunger mit Kräutern, Wurzeln und Rinde zu stillen. Für die meisten von ihnen endete der Marsch zwischen dem 03. und 06. Mai 1945 im Raum Parchim-Ludwigslust-Schwerin mit der Befreiung. Mehr als 1.000 starben unterwegs oder wurden von der SS erschossen.

Die Gedenkstätte im Belower Wald ist eine Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches des Konzentrationslagers Sachsenhausen und informiert über die Todesmärsche am Ende des Krieges. 1965 wurde am historischen Ort ein Gedenkstein aufgestellt, 1975 erfolgte die Einweihung eines Erinnerungsortes, 1981 wurde das Museum des Todesmarsches eröffnet. Im Jahr 2010 wurde die Gedenkstätte nach einer umfassenden Neugestaltung wiedereröffnet. Sie ist eine Außenstelle der Gedenkstätte Sachsenhausen und befindet sich in Trägerschaft der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Die 1993 gegründete Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten feiert in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum. Sie betreut als rechtlich selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts mit ihren mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gedenkstätten in den früheren Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück, die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel und im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg-Görden sowie die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald als Außenstelle von Sachsenhausen. Außerdem verwaltet sie treuhänderisch die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam. Künftig wird sie auch den Gedenkort Jamlitz/Lieberose als Außenstelle der Gedenkstätte Sachsenhausen verwalten. Aufgabe der Stiftung ist es, an Terror, Krieg und Gewaltherrschaft und das Leid der Opfer zu erinnern, die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesem Thema zu fördern und ein würdiges Gedenken an die Opfer der Verbrechen der Gewaltherrschaft des NS-Regimes, der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR zu ermöglichen. Das Land Brandenburg fördert die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit rund 3,5 Millionen Euro, weitere rund 2,9 Millionen Euro kommen vom Bund.

Weitere Informationen: www.stiftung-bg.de/below

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