18.04.201825 Jahre Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

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Kulturministerin Martina Münch und Günter Morsch, Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen und Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, haben heute in Potsdam anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und der 25-jährigen Tätigkeit von Günter Morsch im Land eine Bilanz gezogen. Das Jubiläum der Stiftung wird am morgigen Donnerstag in der Staatskanzlei mit einem Festakt gewürdigt.

Kulturministerin Martina Münch: „Die Gedenkstätte Sachsenhausen ist nicht nur die wichtigste KZ-Gedenkstätte in Brandenburg – sie ist mit jährlich rund 700.000 Besucherinnen und Besuchern nach Dachau die größte Gedenkstätte in Deutschland und auch wegen der Nachnutzung von Teilen des KZ-Komplexes als sowjetisches Speziallager von besonderem Interesse. In Sachsenhausen, aber auch in allen anderen Gedenk- und Erinnerungsorten der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, wird man konkret und unmittelbar an individuelle Schicksale und unzähliges Leid erinnert und kann sich kritisch mit den fürchterlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus sowie den Folgen der Sowjet- und DDR-Diktatur auseinandersetzen“, so Ministerin Münch. „Günter Morsch hat mit seinem Wirken entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Gedenkstätten in dem nach der Deutschen Einheit eingeleiteten Prozess der Sanierung und Neukonzeption zu modernen, zeithistorischen Museen entwickelt haben und zugleich Orte der Trauer und des Gedenkens geblieben sind. Mit seiner außerordentlichen fachlichen Kompetenz, mit Beharrlichkeit und Ausdauer sowie leidenschaftlichem Engagement hat Günter Morsch einen erheblichen Anteil daran, dass der Umgang mit schwieriger, bedrückender und erschütternder Geschichte im Land Brandenburg Aufmerksamkeit weit über nationale Grenzen hinaus findet. Dafür danke ich ihm sehr herzlich“, so Münch. Vor dem Hintergrund der immer weniger werdenden Zeitzeugen und einer sich durch Zuzug verändernden Gesellschaft, müssen künftig verstärkt zeitgemäße Vermittlungsformate und neue Zugänge zu diesem wichtigen Thema entwickelt werden. Gerade junge Menschen sollen für die Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, rechtsradikalen, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten. Die Erinnerung an das schreckliche Geschehen in Deutschland während des NS-Regimes, aber auch an die Folgen der DDR-Diktatur, verpflichten gerade heute zu einem entschlossenen Eintreten für Toleranz, Demokratie, Pluralismus und Freiheit.“

Günter Morsch, Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen und Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: „Wir haben die Chance genutzt, die der Neuanfang 1993 bot, indem wir die Gedenkstätten nicht nur vom ideologischen Ballast befreit, sondern sie konzeptionell auf ein völlig neues Niveau gehoben haben, das im Nachgang auch für die Gedenkstätten in den westlichen Bundesländern beispielgebend wurde. Allerdings müssen wir einräumen, dass dieser Prozess der Sanierung  und Neugestaltung sehr lange gedauert hat und immer noch nicht abgeschlossen ist. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich im kleinen Bundesland Brandenburg zwei große KZ-Gedenkstätten befinden“, so Morsch. „Heute sind die Gedenkstätten moderne zeithistorische Museen mit besonderen humanitären und bildungspolitischen Aufgaben, die jährlich von rund 850.000 Menschen aus aller Welt besucht werden, davon allein 700.000 in Sachsenhausen. Das ist ein großer Erfolg. Trotzdem sind Gedenkstätten gegenüber vergleichbaren Museen nach wie vor unterprivilegiert. Um die Herausforderungen der Zukunft, die ich vor allem im Bereich der Vermittlung, der wissenschaftlichen Forschung und beim Erhalt der historischen Bausubstanz sehe, bewältigen zu können, müssen die Gedenkstätten deutlich besser ausgestattet werden. Außerdem gilt es jetzt, da die Stimmen der Zeitzeugen verstummen, die inhaltliche Autonomie der Gedenkstätten zu verteidigen und mögliche Versuche einer Instrumentalisierung der Geschichte für aktuelle Zwecke abzuwehren.“

Die am 01. Januar 1993 gegründete Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betreut als rechtlich selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts mit ihren mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gedenkstätten in den früheren Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück, die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel und im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg-Görden sowie die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald als Außenstelle von Sachsenhausen. Außerdem verwaltet sie treuhänderisch die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam. Aufgabe der Stiftung ist es, an Terror, Krieg und Gewaltherrschaft und das Leid der Opfer zu erinnern, die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesem Thema zu fördern und ein würdiges Gedenken an die Opfer der Verbrechen der Gewaltherrschaft des NS-Regimes, der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR zu ermöglichen. Das Land Brandenburg fördert die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit rund 3,5 Millionen Euro, weitere rund 2,9 Millionen Euro kommen vom Bund. Seit 1993 haben der Bund und das Land insgesamt rund 140 Millionen Euro für den Betrieb und für Projekte zu Verfügung gestellt sowie erhebliche Sonderförderungen für Baumaßnahmen.

Der am 15. August 1952 im saarländischen St. Wendel geborene Günter Morsch studierte Neuere Geschichte, Psychologie und Philosophie und wurde im Jahr 1988 promoviert. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Berliner Festspiele GmbH, als Bildungsreferent beim Deutschen Gewerkschaftsbund sowie im Rheinischen Industriemuseum in Oberhausen. Seit 1993 ist Günter Morsch Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen, seit 1997 zusätzlich Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. 2001 wurde er zum Honorarprofessor der Freien Universität Berlin ernannt. Seit 2013 ist Günter Morsch Ritter der französischen Ehrenlegion, 2017 erhielt er den Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg. Günter Morsch geht am 31. Mai 2018 in den Ruhestand. Sein Nachfolger als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen sowie als Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird Axel Drecoll, Leiter des Lern- und Erinnerungsortes ‘Dokumentation Obersalzberg‘ des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin.

Festveranstaltung zu 25 Jahre Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten:
Termin: Donnerstag, 19. April, 18.00 Uhr
Ort:  Staatskanzlei, Brandenburg-Saal, Heinrich-Mann-A. 107, 14473 Potsdam
Anlass: Zum 25. Jubiläum der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten gibt Ministerpräsident Dietmar Woidke einen Empfang und spricht ein Grußwort auf der Festveranstaltung. Finanzminister Christian Görke, Justizminister Stefan Ludwig und Kulturministerin Martina Münch nehmen teil.

Weitere Stimmen zum Wirken von Günter Morsch finden sich in der Anlage, weitere Informationen zur Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten unter: www.stiftung-bg.de

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