25.01.2018Axel Drecoll folgt auf Günter Morsch

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Kulturministerin Martina Münch hat heute in Potsdam Axel Drecoll als Nachfolger von Günter Morsch als Leiter der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen sowie als Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten präsentiert. Günter Morsch geht am 31. Mai 2018 in den Ruhestand. Axel Drecoll, Leiter des Lern- und Erinnerungsortes ‘Dokumentation Obersalzberg‘ des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin, wird sein neues Amt am 1. Juni 2018 antreten. 

Kulturministerin Martina Münch: „Axel Drecoll hat sich als Historiker nicht nur intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinandergesetzt, sondern als Leiter des Lern- und Erinnerungsortes ‘Dokumentation Obersalzberg‘ auch fast zehn Jahre Erfahrung in der historisch-politischen Gedenkstättenarbeit gesammelt. Damit ist er in besonderer Weise geeignet, die Herausforderungen sowohl bei der Sicherung der Stätten als internationale Orte des Gedenkens als auch der weiteren Entwicklung der Gedenkstättenarbeit in Brandenburg zu meistern“, so Münch. „Die Gedenkstätte Sachsenhausen ist nicht nur die wichtigste KZ-Gedenkstätte in Brandenburg – sie ist mit jährlich rund 700.000 Besucherinnen und Besuchern nach Dachau die größte Gedenkstätte in Deutschland und wegen der früheren Doppelfunktion als KZ und sowjetisches Speziallager von besonderem Interesse. In Sachsenhausen, aber auch allen anderen Gedenkorten im Land wird man konkret und unmittelbar an individuelle Schicksale und unzähliges Leid erinnert und kann sich kritisch mit den fürchterlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus sowie den Folgen der Sowjet- und DDR-Diktatur auseinandersetzen. Vor dem Hintergrund der immer weniger werdenden Zeitzeugen und einer sich durch Zuzug verändernden Gesellschaft, müssen künftig verstärkt zeitgemäße Vermittlungsformate und neue Zugänge zu diesem wichtigen Thema entwickelt werden. Gerade junge Menschen sollen für die Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, rechtsradikalen, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten. Die Erinnerung an das schreckliche Geschehen in Deutschland während des NS-Regimes, aber auch an die Folgen der DDR-Diktatur, verpflichten gerade heute zu einem entschlossenen Eintreten für Toleranz, Demokratie, Pluralismus und Freiheit.“

Axel Drecoll: „Die Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ist alles andere als bequem. Die Konfrontation mit dem unsäglichen Leid zeigt uns, wie wenig selbstverständlich die freiheitlich-rechtstaatliche Ordnung ist, in der wir leben. Gerade die Konfrontation mit der NS-Geschichte vor Ort, in den ehemaligen Haftstätten und Todeslagern drängt uns zur kritischen Reflexion und Diskussion, sie zwingt uns, Haltungen zu überdenken und Standpunkte zu vertreten. Aber genau das macht die Beschäftigung mit unserer Vergangenheit so wichtig. Sie weist den Weg, um die Gegenwart sinnvoll gestalten und Zukunftspläne entwerfen zu können.“

Axel Drecoll, 1974 in Erlangen geboren, studierte Neuere und Neueste Geschichte, Geschichte Südosteuropas und Politische Wissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach seiner Promotion zum Thema ‘Der Fiskus als Verfolger. Die steuerliche Diskriminierung der Juden in Bayern bis 1933-1945‘ im Jahr 2005, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München – Berlin. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Washington, Moskau, Vilnius und Glasgow. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die jüdische Geschichte in Bayern, die Geschichte der NS-Verbrechen sowie die Erinnerungskultur in Deutschland und Europa. Seit 2009 ist er Leiter der ‘Dokumentation Obersalzberg‘ sowie Leiter der gleichnamigen Abteilung im Institut für Zeitgeschichte.

Die 1993 gegründete Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betreut als rechtlich selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts mit ihren mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gedenkstätten in den früheren Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück, die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel und im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg-Görden sowie die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald als Außenstelle von Sachsenhausen. Außerdem verwaltet sie treuhänderisch die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam. Aufgabe der Stiftung ist es, an Terror, Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern, die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesem Thema zu fördern und ein würdiges Gedenken an die Opfer der Verbrechen der Gewaltherrschaft des NS-Regimes, der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR zu ermöglichen. Das Land Brandenburg fördert die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit rund 3,5 Millionen Euro, weitere rund 2,9 Millionen Euro kommen vom Bund.

Das Institut für Zeitgeschichte München – Berlin ist eine vom Bund und mehreren Bundesländern – darunter auch Brandenburg – geförderte Forschungseinrichtung, die sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte mit einem Fokus auf der nationalsozialistischen Herrschaft widmet. Neben Forschungsprojekten erstellt das Institut Gutachten für Gerichte und Behörden und bringt eigene Publikationen heraus. Anfang 2016 veröffentlichte das Institut beispielsweise eine kommentierte Neuausgabe von Hitlers ‘Mein Kampf‘. Die ‘Dokumentation Obersalzberg‘ ist ein Lern- und Erinnerungsort zur NS-Zeit am historischen Ort des ehemaligen Führersperrgebiets Obersalzberg in Berchtesgaden.

 

Weitere Informationen:       
www.stiftung-bg.de

www.ifz-muenchen.de

www.obersalzberg.de/obersalzberg-home.html

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