21.12.2016Größter Schatzfund in Brandenburg mit rund 7.500 Münzen

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Kulturministerin Martina Münch hat heute in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) gemeinsam mit dem Altlandsberger Bürgermeister Arno Jaeschke, dem Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums, Franz Schopper, und dem Leiter des Archäologiebüros ABD-Dressler, Torsten Dressler, einen bedeutenden mittelalterlichen Münzschatzfund präsentiert. Mit insgesamt 7.450 Münzen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert ist der Münzfund der größte, der bisher in Brandenburg entdeckt wurde. Bauministerin Kathrin Schneider übergab parallel zur Präsentation des Fundes einen Zuwendungsbescheid zur Städtebauförderung an die Stadt Altlandsberg.

Kulturministerin Martina Münch würdigt die Entdeckung als bedeutendsten Münzschatzfund im Land Brandenburg. „Der Altlandsberger Münzschatzfund ist nicht nur der größte derartige Fund in Brandenburg – da er aus einer planmäßigen Ausgrabung stammt, ist er insbesondere für die historische Forschung im Land von außerordentlicher Bedeutung. Ich danke allen Beteiligten für ihre umsichtige und professionelle Arbeit bei der Entdeckung und dem Umgang mit dem Fund“, so Münch. „Münzfunde sind für Archäologen und Kunsthistoriker eine außerordentlich wichtige Forschungsquelle: Sie geben Einblicke in wirtschaftliche Verhältnisse, ökonomische Verbindungen, politisches Selbstverständnis sowie technische und künstlerische Fähigkeiten der jeweiligen Zeit. Eine besondere Rolle spielt dabei der exakte Fundort – er liefert für die Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse, ermöglicht die Rekonstruktion von historischen Zusammenhängen und macht damit ein weiteres Stück Landesgeschichte sichtbar.“

Der Bürgermeister von Altlandsberg, Arno Jaeschke: „Ich freue mich, dass wir in unserer Stadt einen derartig bedeutenden archäologischen Fund machen konnten. Altlandsberg ist eine Stadt mit einem mittelalterlich geprägten historischen Zentrum und gehört zu den 31 ausgewählten Städten im Land, die in der AG ‘Städte mit historischen Stadtkernen‘ organisiert sind. In den vergangenen Jahren konnten wir mit Unterstützung der EU, des Bundes und des Landes große Teile der Altstadt sichern, sanieren und einer neuen Nutzung zuführen. Im Klosterhof ist heute ein Hort für 270 Kinder, auf dem Gelände der Alten Meierei entsteht ein Wohnprojekt für altersgerechtes Wohnen und aus dem ehemaligen Schlossareal ist das bedeutendste Denkmalensemble mit vielfältigen Kulturveranstaltungen entstanden. Der Münzschatzfund ermöglicht neue Einblicke in die Geschichte unserer Stadt.“

Der Direktor des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und  Archäologischen Landesmuseums, Franz Schopper: „Wir können zum Altlandsberger Münzfund bislang nur vorläufige Aussagen treffen, da noch nicht alle Münzen bestimmt sind. Es deutet sich jedoch bereits an, dass die jüngsten Münzen spätestens in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts geprägt wurden. Wenn sich die bisher vermutete Verbergungszeit um 1430 bestätigt, könnte es sich tatsächlich um einen Vorgang im Zusammenhang mit dem Zug der Hussiten in die Mark Brandenburg handeln. Für eine endgültige Interpretation muss jedoch die Bearbeitung aller Münzen abgewartet werden.“

Torsten Dressler, Leiter des Archäologiebüros ABD-Dressler: Die Entdeckung und Bergung des Altlandsberger Münzschatzes während der Sanierung des Schlossgutes  war für meine Mitarbeiter und mich ein sehr großer Glücksmoment. Durch die genaue Doku-mentation des Fundortes und Auswertung der rund 7.500 Münzen kann der archäologisch-historische Kontext sehr gut erschlossen werden. Wir  freuen uns und es erfüllt uns mit Stolz, mit diesem bislang bedeutendsten Münzfund Brandenburgs einen wichtigen Baustein für die Erforschung der Landesgeschichte und Heimat beigetragen zu haben.“

Hintergrund zum Münzschatzfund: Der mittelalterliche Münzschatzfund wurde am 07. November 2016 auf dem Gelände des Schlossgutes in Altlandsberg während der laufenden archäologischen Baubegleitung und Dokumentation im Rahmen der Neugestaltung der Außenanlagen entdeckt. In einem vergrabenen spätmittelalterlichen Keramikgefäß befanden sich 13 Prager und Meißner Silber-Groschen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, 11 rheinische Goldgulden aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sowie mehr als 7.000 silberne Hohlpfennige aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Der Fundort liegt auf dem heutigen Domänenhof gegenüber dem Brau- und Brennhaus und gehörte im 15. Jahrhundert zum unmittelbaren Vorfeld der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung Altlandsberg. Der Schatz könnte dort im Jahr 1432 während des Einfalls der Hussiten in die Mark Brandenburg und der dabei erfolgten Belagerung und Zerstörung der Stadt Altlandsberg verborgen worden sein. Die Münzen werden zunächst gereinigt und einzeln bestimmt, später folgt die wissenschaftliche Auswertung.

Insgesamt gibt es landesweit mehr als 30.000 archäologische Fundplätze und derzeit rund 10.000 eingetragene Bodendenkmale. Seit 1990 wurden etwa 28.000 archäologische Grabungen durchgeführt. Zu den herausragenden Funden in Brandenburg gehören unter anderem ein slawenzeitlicher Münzfund mit rund 2.200 Silbermünzen aus Lebus (2015), mittelsteinzeitliche Gräber in Groß Fredenwalde (2013), eine slawenzeitliche Elitenbestattung aus Stolpe an der Oder (2012) und ein Massengrab aus dem Dreißigjährigen Krieg von der Schlacht bei Wittstock (2007). Alle archäologischen Funde sind laut Denkmalschutzgesetz Eigentum des Landes Brandenburg.

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