03.12.2014Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ startet - Hilfe für wertvolle Schnitzfiguren aus dem Prospekt der ehemaligen Scherer-Orgel von 1573 in der St. Marienkirche Bernau

In Potsdam wurde heute die diesjährige Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke“ offiziell gestartet. Der Erlös soll Schnitzfiguren aus dem Prospekt der ehemaligen Scherer-Orgel  von 1573 in der St. Marienkirche Bernau zu Gute kommen. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Stiftung Kirchliches Kulturerbe rufen damit bereits zum sechsten Mal zu einer gemeinsamen Spendenaktion für bedrohte sakrale Kunstwerke auf.

Kulturministerin Sabine Kunst sagte: „Kirchenbauten mit ihren Kunstwerken sind neben ihrer Funktion im religiösen Leben auch wichtige Zeugnisse der Kulturgeschichte. Sie gehören oft zum charakteristischen Ortsbild und sind Teil regionaler Identität. Die Spendenaktion ist ein hervorragendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements, dem gerade beim Denkmalschutz eine große Bedeutung zukommt.“ Weiter wies Ministerin Kunst darauf hin, dass das Land die Sanierung von Kirchen im Land Brandenburg aus Mitteln des Evangelischen Staatskirchenvertrages fördert. Jährlich werden dadurch rund 1,5 Millionen Euro für Bauvorhaben bereitgestellt.

Landeskonservator Thomas Drachenberg erklärte: "Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Orgel von Hans Scherer aus dem 16. Jahrhundert ein Modernisierungsopfer. Reste des Prospektes sind heute noch vorhanden. Sie müssen gerettet werden!"

Generalsuperintendentin Heilgard Asmus von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz unterstrich: "Selbst dann, wenn alte kirchliche Kunstwerke schon stark geschädigt sind, predigen sie oft noch immer – und umso eindringlicher. Dann wird für mich der Impuls, sie heilen zu wollen, zu einem Impuls, ihr Glaubenszeugnis zu erhalten."

 

Bernd Janowski, Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, führte aus: "Die Prospektfiguren der Bernauer Scherer-Orgel sind einzigartige Zeugnisse dafür, welch wichtige Rolle nach der Reformation die Musik im evangelischen Glauben spielte. In brandenburgischen Kirchen hat sich nichts Vergleichbares aus dieser Zeit erhalten. Schon deshalb ist die Rettung dieser Kunstwerke unbedingt geboten!"

 

Im Rahmen der Aktion „Menschen helfen Engeln“ wurden in den zurückliegenden Jahren  mehr als 70.000 Euro eingeworben, die dabei halfen, mehr als zwanzig gefährdete Taufengel zu sichern und zu restaurieren. Erfolgreich konnten auch Spenden für die Restaurierung des Renaissance-Altaraufsatzes in der Dorfkirche Laubst (Spree-Neiße) und für die beeindruckende Ausstattung der Dorfkirche Dedelow (Uckermark) weitergereicht werden. In diesem Jahr wird um Hilfe für  „Vergessene Kunstwerke“ aus der St. Marienkirche in Bernau gebeten:

In der Bernauer Marienkirche ist eine überaus reiche Ausstattung aus Zeitepochen vom Mittelalter bis zur Neuzeit erhalten, die in ihrer Vielfalt und Dichte in kaum einer anderen Kirche Brandenburgs zu finden ist. Weithin bekannt sind das imposante doppelflügelige Retabel des Hauptaltars, dessen Bildtafeln dem Umkreis der Wittenberger Cranach-Werkstatt zugeordnet werden, sowie der bedeutende Zyklus von Emporenbildern. Zu den weniger beachteten Kunstwerken gehören überaus wertvolle Fragmente des Prospektes einer Orgel des berühmten Hamburger Orgelbauers Hans Scherer aus dem Jahr 1573 - „ein herrliches Werk, so von einem rechtschaffenen Künstler der Zeit verfertigt“ (Arp Schnitger, Begründer der norddeutschen Orgelbauschule um 1700).

Die Scherer-Orgel musste bereits 1864 einem Neubau von Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) weichen, der ganz im romantischen Zeitgeschmack auch einen neugotischen Prospekt konzipierte. Teile des prächtigen, künstlerisch bedeutenden Orgelprospektes aus der Renaissance-Zeit, an dem mehrere Zimmerer, Tischler, Drechsler, Schnitzer, Maler, Vergolder und Schlosser beteiligt waren, sind jedoch bis heute erhalten: 14 geschnitzte Figuren, zwei ungewöhnlich geschmückte hölzerne Prospektpfeifen, das Bernauer Stadtwappen und eine Reihe von Ornamenten. Einige der Stücke werden derzeit als Leihgaben im Potsdamer Haus für Brandenburgisch-Preußische Geschichte ausgestellt. Andere wichtige Teile befinden sich jedoch bis heute in der Kirche. Sie sind überwiegend  in einem konservatorisch äußerst bedrohten Zustand. Geplant ist es, diese versprengten Spolien insgesamt wieder zusammenzuführen und für den Kirchenraum neu zu erschließen und sichtbar zu machen. Dabei sollen auch die noch in St. Marien befindlichen unbearbeiteten Figuren und Ornamente restauriert werden.

Im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 wird das erhaltene Inventar der Bernauer Marienkirche wissenschaftlich aufgearbeitet und seiner kirchen-, kunst- und kulturgeschichtlichen Bedeutung entsprechend neu präsentiert. Die Präsentation des historischen Orgelprospekts ist ein wichtiger Teil dieses Projektes.

 

Spendenkonto für die Aktion „Vergessene Kunstwerke“:

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

Konto-Nr. 3911390

BLZ 520 604 10 (Evangelische Bank)

IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90

Stichwort: Orgelprospekt Bernau

 

VERGESSENE KUNSTWERKE ist eine gemeinsame Aktion von:
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum,

Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz,

Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.,

Stiftung Kirchliches Kulturerbe für Berlin-Brandenburg in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

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